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Anerkennung für die Rettung wertvollen Kulturgutes

Siegfried Degenbeck und Viola Röllig erhielten den Denkmalpreis der Hypo-Kulturstiftung

Es deutete sich eigentlich das Besondere schon an, als beim Tag des offenen Denkmals im September 2010 rund 900 Menschen nach Großmaulberg strömten. Sie alle wollten sehen, wie man ein ehrwürdiges Baudenkmal, das nicht wenige schon dem Abriss preisgegeben hatten, wieder zu neuem Glanz verhelfen kann. Und wie man eine historischen Bausubstanz denkmalgerecht instandsetzen und doch in ihr nach modernen Erfordernissen wohnen kann. All dies haben Siegfried Degenbeck und Viola Röllig mit hohem persönlichen Einsatz und mit Unterstützung des amtlichen Denkmalschutzes geschafft. Dies war für Gerda Kriegereit vom Landratsamt Landshut Anlass genug, das Projekt für eine besondere Ehrung vorzuschlagen. In der vergangenen Woche wurden die Eigentümer des Gutes in Großmaulberg nun in München zusammen mit sechs weiteren Preisträgern mit dem Denkmalpreis der Hypo-Kulturstiftung 2011 ausgezeichnet.

Anerkennung für eine außergewöhnliche Leistung. Von links: Professor Dr. Werner Schiedermair, Dr. Wolfgang Sprißler von der Hypo-Kulturstifung, Siegfried Degenbeck, Viola Röllig und Staatsminister Dr. Wolfgang Heubisch.

Dr. Wolfgang Heubisch, der bayerische Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst hob in seiner Festrede die grundsätzliche Bedeutung des Denkmalschutzes hervor. Es handle sich hier nicht um ein Luxus-Projekt, das man in guten Zeiten schon mal in Angriff nehmen könne. Die Pflege und Erhaltung historischer Bausubstanz sei in vielfacher Hinsicht lebensnotwendig. Zum einen ließen sich an ihr Entwicklungen aus der Vergangenheit in die Zukunft verfolgen. Alte Gebäude stellten für die Dörfer und Städte auch das Besondere, Unverwechselbare einer Landschaft dar, vermittelten im positiven Sinn den Begriff Heimat. Daneben habe der Denkmalschutz aber auch einen nicht zu unterschätzenden wirtschaftlichen Aspekt. Er sei die Grundlage für einen florierenden Tourismus und sichere Arbeitsplätze in der Bauwirtschaft sowie beim Handwerk. Aus all diesen Gründen werde sich der Minister auch dafür einsetzen, dass der Denkmalschutz in den kommenden Jahren wieder mit steigenden staatlichen Fördermitteln ausgestattet werde.

Speziell für die Leistungen von Siegfried Degenbeck und Viola Röllig hatte der Kunsthistoriker Professor Dr. Werner Schiedermair von der Universität Eichstätt die folgende Laudatio verfasst: „Das Wohnstallhaus Großmaulberg 28 liegt auf einer Anhöhe südlich von Vilsbiburg. Es handelt sich um ein typisches niederbayerisches Wohnstallhaus, das an der südwestlichen Seite eines Vierseithofes liegt. Das Erdgeschoss ist in Mauerwerk ausgeführt, das Obergeschoss in Blockbauweise errichtet. Zahlreiche historische Türstöcke, Türblätter und Fenster zeichnen das Gebäude aus. Bemerkenswert ist das Gewölbe des ehemaligen Pferdestalls; gespreizte Gurtbögen flankieren die Stichkappen der hofseitigen Fenster. Das Anwesen kann auf eine 600-jährige Geschichte zurückblicken, im Jahre 1412 wurde es urkundlich erstmalig erwähnt. Das heutige Gebäude stammt in seinem Kern aus dem Jahre 1676.

Trotz seiner ansprechenden landschaftlichen Lage und seiner großen Geschichte kam das Gebäude in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts immer mehr herunter. Jeglicher Bauunterhalt unterblieb. Schwere Schäden stellten sich im Dachbereich ein. Mit dem Verlust des Bauwerks musste gerechnet werden. Siegfried Degenbeck ließ sich von dem erbarmungswürdigen Zustand der Anlage nicht schrecken. Er erwarb es 2002, um es instand zu setzen und in ihm mit seiner Lebensgefährtin Viola Röllig zu leben. Schritt für Schritt machten sie sich an die Restaurierung. Um einen weiteren Verfall aufzuhalten, begannen sie unmittelbar nach dem Erwerb des Gebäudes mit der Dachsicherung. Anschließend sanierten sie den Blockbau an der Nord- und Westseite. Dann folgte die Instandsetzung der Gewölbe des ehemaligen Pferdestalls. Unterstützt von in Fragen der Denkmalpflege erfahrenen Handwerkern führte Siegfried Degenbeck die anstehenden Maßnahmen weitgehend selbst durch, stets unterstützt von seiner Lebensgefährtin. Mit großem Engagement las er sich dabei in einschlägige Fachliteratur ein. Auf diese Weise wurde er zu einem Experten für eine denkmalgerechte Bauausführung. Der ursprüngliche Grundriss des Anwesens wurde wiederhergestellt. Alle historischen Ausstattungsgegenstände wurden gesichert, handwerklich repariert und an ihrem angestammten, historischen Platz eingebaut. Mit Liebe zum Detail stellte er die historische Farbgebung der Zimmerwände her. So rekonstruierte er beispielsweise dekorative, in Schablonenmalerei ausgeführte, die Wände umlaufende Zierbänder. Die gleiche Sorgfalt, die die Preisträger bei der Inneninstandsetzung anwandten, ließen sie auch dem Äußeren des Gebäudes zukommen.

Hervorzuheben ist, dass auf jeglichen Ausbau des Dachgeschosses verzichtet wurde. Wirtschaftlich spannten sie ihre Möglichkeiten bis auf das Äußerste an. Heute präsentiert sich das Wohnstallhaus in Großmaulberg als Beispiel für eine außergewöhnlich gut gelungene, denkmalgerechte Sanierungsmaßnahme. Sie beweist, dass auch mit geringeren finanziellen Mitteln, bei hohem persönlichen Einsatz, denkmalpflegerisch-fachlich herausragende Leistungen erbracht werden können. Mit ihrem beispielgebenden Engagement haben sich Siegfried Degenbeck und Viola Röllig um Denkmalschutz und Denkmalpflege im Sinne des Denkmalpreises der Hypo-Kulturstiftung verdient gemacht.“

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