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Auf den Spuren von Johann Philipp Wagner


 



Vilsbiburger Bildhauer und Stuckateur stand im Mittelpunkt der Heimatfahrt


 



Vilsbiburg. Im Land zu beiden Seiten des Inns wird er noch heute sehr verehrt, hat er doch in den ehemaligen Pfleggerichten Kraiburg und Neumarkt sowie in der einst zum Hochstift Salzburg gehörenden Stadt Mühldorf nicht weniger als 39 Gotteshäuser ausgestattet und dies in besonders kunstvoller Weise. Die Rede ist von Johann Philipp Wagner, der am 17. Juli 1735 in Vilsbiburg zur Welt kam. Der Bub war gewissermaßen erblich vorbelastet, war er doch der erste Spross des gleichfalls sehr bekannten Regionalkünstlers Johann Paul Wagner, der in Vilsbiburg eine Bildhauerwerkstatt betrieb. Einen Teil seiner Lehr- und Wanderjahre verbrachte Johann Philipp in Landshut, vermutlich im Betrieb es berühmten Christian Jorhan d. Ä., bevor er sich im Alter von 23 Jahren in Kraiburg niederließ. Von Ranoldsberg und Oberbergkirchen im Norden bis Rohrdorf und Peterskirchen in Süden erstreckt sich bald sein Betätigungsfeld. Als um das Jahr 1760 in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Pürten der neue Stil des Barock und Rokoko Einzug hielt musste man sinnbildlich nur über den Inn hinüberrufen um von einem sehr talentierten Bildhauer gehört zu werden.




Ein Prunkstück der seltensten Art in diesem Kirchenschiff ist zweifellos die reich verzierte Kanzel, die aus einem einzigen goldenen Ornament besteht. Der durchbrochene Schalldeckel scheint sich in seine Bestandteile aufzulösen und steht damit auf dem Höhepunkt der kurzen Periode des Hochbarock. „Man möchte in dem Bauerndörfchen so ein glänzendes Stück Rokoko gar nicht vermuten“, schrieb ein begeisterter Georg Lohmeier vor einigen Jahren darüber. Doch damit ist in Pürten noch lange nicht genug. Wie der Mühldorfer Heimatforscher Meinrad Schroll den staunenden Fahrtteilnehmer bei der von Peter Käser organisierten Heimatfahrt erklärte, war der Ort bereits in der Römerzeit besiedelt. Die erste urkundliche Erwähnung einer romanischen Kapelle erfolgt im Jahr 1050. Das heutige spätgotische Gotteshaus wurde, wie die gleichnamige Stadtpfarrkirche in Vilsbiburg auch, um das Jahr 1400 errichtet. Aus dieser Zeit ist noch die Wallfahrtsmadonna aus der Wer kstatt des Meisters von Seeon erhalten. Im ausgehenden Mittelalter entwickelte sich um das Evangeliar der seligen Alta Pürten ein einzigartiger Wallfahrtskult. Die kostbare Bibel aus der Zeit um 1000 wurde über Jahrhunderte hinweg in einem weiten Umkreis an kranke Menschen verliehen, die das Buch vier Nächte lang unter den Kopf zu legen hatten. Meinrad Schroll zitierte aus den Mirakelbuch Eintragungen aus dem Alpenraum und bis hinauf in das Innviertel. Auch ein Marktschreiber aus Geisenhausen wurde demnach durch das Evangeliar von seinem Kopfleiden befreit. Ausfluss der florierenden Wallfahrt sind auch die lebensgroßen Wachfiguren als besonders wertvolle Votivgaben.




Zuflucht für späteren Papst


In dem ehemaligen Schloss und jetzigen Kloster Zangberg teilten sich Meinrad Schroll und Schwester Claudia Maria die Führung. Im Jahr 1285 ist an dieser Stelle eine Burg erwähnt, die nach dem 30-jährigen Krieg zu einer vierflügeligen Barockanlage umgestaltet wurde. Vor fast 150 Jahren kauften die Salesianerinnen das Schloss, um hier ein Kloster mit Internat und Seminareinrichtungen betreiben. Zu den Absolventen der Schule gehörten so unterschiedliche Persönlichkeiten wie Kaiserin Zita von Österreich und der spätere Münchner Oberbürgermeister Georg Kronawitter. In den Wirren der Räterepublik fand der Apostolische Nuntius Eugenio Pacelli, der spätere Papst Pius XII. im Jahr 1919 für einige Wochen Zuflucht in Zangberg. Besonders beeindruckt waren Fahrteilnehmer für den prächtigen Räumen, allen voran dem Ahnensaal.


 



Wohlhabender Landadel



Ihren Ausgangspunkt hatte die Heimatfahrt in der ehemaligen Wallfahrtskirche Johannes der Täufer in Salmannskirchen genommen. Der ab dem Jahr 1501 entstandene Bau ist geprägt von begütertern Adelsfamilien. Sofort ins Auge sticht der Epitaph des Degenhart Pfäffinger, der als eines der hervorragendsten Werke der süddeutschen Grabmalplastik gewertet wird. Der Freiherr diente vier Jahre in Burghausen der Herzogin Hedwig als Truchsess und bekleidete auch das erbliche Reichsmarschallamt für das Herzogtum Landshut. Nach einer Wallfahrt zum Heiligen Grab nach Jerusalem wurde Degenhart zum Ritter geschlagen und heiratete im Jahr 1515 Erntraud aus dem Grafengeschlecht der Seyboldtstorffer. Nachdem 1519 Pfäffinger bei der Wahl von Kaiser Karl V. in Frankfurt starb, ging Salmannskirchen an das Geschlecht der Herzheimer über, das dem lutherischen Glauben anhing. Somit erschlosch die Verehrung der von Pfäffinger aus dem Heiligen Land mitgebrachten Reliquien.




In einem stilvollen Landgasthof hatten die Fahrteilnehmer abschließend Gelegenheit, die Fülle von Eindrücken zu reflektieren und den ereignisreichen Nachmittag gemütlich ausklingen zu lassen.


In der lichtdurchflutenden Kirche von Salmannskirchen erzählt Meinrad Schroll von einer langen Geschichte der dortigen Adelsgeschlechter

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