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12/14/17

Beiträge zur Dauerausstellung

Treue Begleiter durch das ganze Leben

Volkstümliche Möbel wurden oftmals von heimischen Schreinern gefertigt. Eine Ausnahme stellten die an ihren abgeschrägten Ecken erkennbaren Produkte aus Tölz dar, die auf der Isar bis nach Niederbayern verkauft wurden.

Heimatmuseum eröffnet neue Dauerausstellung mit volkstümlichen Möbeln


Möbel gehören zu den selbstverständlichsten Begleitern unseres Alltags. Der Mensch lebt unablässig mit ihnen, nicht nur zu Hause, sondern auch am Arbeitsplatz oder auf Reisen. Während heute jedoch die Möbelgiganten mit marktschreierischer Werbung für immer neue „Wohnideen“ dafür sorgen, dass man die bisher gebrauchte Einrichtung nach spätestens 20 Jahren in den Sperrmüllcontainer befördert, nutzte man Möbel früher meist ein ganzes Leben und auch noch darüber hinaus. Nicht selten wurden wertvolle Schränke, Betten und Kommoden an die nächsten Generationen weiter vererbt. Volkstümliche Möbel, meist aus dem ländlichen Bereich, zeigt das Heimatmuseum in einer neuen Dauerausstellung, die am Samstag, 18. November um 10 Uhr eröffnet wird.


Grundsätzlich waren früher wie heute Möbel zunächst reine Gebrauchsobjekte. Sie leisteten ihre Dienste beim Koche und Essen als Aufbewahrungsort für Lebensmittel und Geschirr sowie als Tisch, Bank und Stuhl. Damit waren diese Möbel die Voraussetzung für die Entwicklung einer Esskultur. In der äußeren Ecke der Stube und diagonal zum Ofen stand der Tisch meist mit einer umlaufenden Bank als fester Bestandteil des Hauses. Das mag schon seit dem Ausgang des Mittelalters so gewesen sein. Zum Ruhen und Schlafen gab es beispielsweise die Liegebank am Ofen, das Bett und die Wiege. Als dritte Hauptgruppe hatten Möbel die Aufgabe, Gegenstände langfristig zu verwahren. Dafür nutzte man Kommoden, Truhen und Schränke. Natürlich gab es darüber hinaus auch Mischformen, wie beispielsweise die Sitztruhe oder Sondertypen; hier sei der Uhrkasten genannt.


Möbel als Prestigeobjekt


Während die Funktion eines Möbels im täglichen Gebrauch hauptsächlich durch seine Konstruktion bedingt war, hatten Dekor und äußerer Umfang vielfach die Aufgabe, die Stellung der Besitzer in der Gesellschaft zu unterstreichen. In Altbaiern wurden bereits im späten 18. Jahrhundert Schränke und Truhen vielfach mit religiösen Motiven bemalt. Häufig wurden dabei Jesus und Maria, ihre Monogramme oder Herzen verwendet. Schmückte ein Madonnenbild den Aufsatz des Bettes, fühlte sich der Schläfer vor den Gefahren der dunklen Nacht beschützt. Diese Aufgabe wurde aber auch bestimmten Heiligen, wie etwa dem Namenspatron zugedacht. Eine besondere Stellung hatte der Aussteuerschrank, den die Braut unter großem Aufsehen auf dem Kammerwagen vom heimatlichen Anwesen in ihre künftige Wohnung überführte. Er war gefüllt mit Leinen, Flachs, Wäsche und Geschirr – praktische Dinge, die sie schon über Jahre hinweg gesammelt hatte und die im künftigen Ehestand unverzichtbar waren.


Rangordnung der Möbel

Vielfach vergessen ist, dass die verschiedenen Räume eines Hauses und damit auch die darin befindlichen Möbel eine gewisse Hierarchie zum Ausdruck brachten. Den höchsten Rang nahm zweifellos das eheliche Schlafzimmer ein. Die Einrichtung hier zeichnete sich durch eine besondere Gestaltung aus. An zweiter Stelle folgte die Stube als Gemeinschaftsraum für die Familie und die Dienstboten, dann die Küche und am Ende der Tabelle rangierten die verschiedenen Schlafkammern der Kinder und Ehehalten. Es kam aber auch vor, dass man Möbel in ihrer Funktion und in ihrem Rang abgestufte. So wurden Kleiderkästen oftmals durch das Anbringen von Luftlöchern zum Milch- oder Brotschrank umfunktioniert oder es fand eine Truhe die Anschlussverwendung als Getreidekiste. Beim Betrachten volkstümlicher Möbel sollte man sich also nicht nur an ihrer Schönheit erfreuen, sondern bedenken, dass sie Teil eines wohlgeordneten Ganzen waren und diese Ordnung ihre eigene historische Entwicklung hatte.

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