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06/21/19

Frater Max Schmalzl, ein vergessener Künstler

Hauskapelle im Kloster Maria Hilf, Aufn. Bernhard Haberla
Wallfahrtskirche Maria Hilf Vilsbiburg, Ausgestaltung Fr. Max Schmalzl
Porträt Fr. Max Schmalzl, Aufn. Kloster der Redemptoristen Gars/Inn
Missale Romanum, Innentitel mit Abendmahlszene, rechts unten signiert "F M S" = Frater Max Schmalzl, Verlag Pustet Regensburg, 1923

Der Gestalter der klösterlichen Hauskapelle und der Kirche Maria Hilf in Vilsbiburg

 

Zunächst einige Daten zur Entstehung der Wallfahrt Maria Hilf und des Kirchenbaus.

1686 wurde der Grundstein zur ersten Wallfahrtskapelle gelegt.

Gründer war der Kaminkehrer Donatus Barnabas Orelli aus Locarno. Seine Aufenthaltsorte waren zunächst Brünn, dann Landshut.

Bereits 1678 erhielt er in Vilsbiburg als Kaminkehrer das Bürgerrecht.

Mit dem Anwachsen des Besucherstroms wurde 1698 der Bau einer Doppelkapelle mit dem Gnadenbild „Maria Hilf“ erforderlich und schon 1704 wurde wegen des immer größeren Wallfahrerzustroms ein im barocken Stil einschiffiges Langhaus errichtet. Geplant und den Bau begonnen hatte ihn der renommierte, aus Roveredo gebürtige Architekt Dominico Christophorus Zuccalli († 1702), fertig gestellt wurde er von dem Maurermeister Magazin aus Landau an der Isar.

Zeitgenossen im Ausland, besonders in Ungarn, nannten den prächtigen Kirchenbau das „Teutsche Rom“.

1791 wurde die Kirche wiederum erweitert und wegen Baufälligkeit zwischen 1829 und 1836 in Teilen erneuert.

Wallfahrtsseelsorge - Wallfahrtspriester

Nach der Gründung der Wallfahrt im Jahr 1686 besorgten zunächst Augustiner-Eremiten aus dem Kloster Seemannshausen bei Gangkofen die Wallfahrtsseelsorge.

1705 zogen Patres des Kapuzinerordens auf, die 1706 den Neubau  eines Klosters und zwar an heutiger Stelle des ehemaligen Karmel-Klosters bezogen.

Mit der 1802 durchgeführten Säkularisation wurde das Kapuzinerkloster aufgelöst, die älteren Patres übersiedelten teilweise nach Altötting ins so genannte Aussterbekloster.

Die Wallfahrtsseelsorge übernahmen dann bis 1846 Weltgeistliche.

Mit Hilfe Vilsbiburger Bürger konnte1827 der Bau eines Wallfahrtspriesterhauses finanziert werden. Zwei Weltpriester betreuten dann die weiterhin viel besuchte Wallfahrt.

Redemptoristen in Vilsbiburg

1846 zogen zunächst vier Patres aus dem Orden der Redemptoristen auf. 1850/51 erfuhr das Wallfahrtspriesterhaus eine Erweiterung, wobei hier auf Wunsch des Regensburger Bischofs Valentin 12 Patres aus dem Orden eingeführt wurden. Der Bau eines Novizenhauses zwischen dem Klosterbau und der Wallfahrtskirche diente dem Nachwuchs des Redemptoristen-Ordens.

Vilsbiburger Ordensgeistliche übernahmen die Abhaltung so genannter Gebiets- und Volksmissionen, vor allem im Bistum Regensburg.

Im Zuge des Kulturkampfes zwischen Kaiserreich und Papst mussten nach 27 Jahren am 21. Juni 1873 die Redemptoristen-Ordenspriester

Vilsbiburg wieder verlassen. Der Chronist P. Bernhard Ebermann berichtet dazu, dass den eiligst an diesem Tag aus den Beichtstühlen herausgeholten Patres die Aufhebung des Hauses verfügt wurde.

          Frater Max Schmalzl, Redemptorist (1850-1930)

Trotz dieser widrigen Umstände konnte sich Frater Max Schmalzl künstlerisch weiter entwickeln.

Einige Daten:

Max Schmalzl wurde 1850 als Sohn von Krämerseheleuten in Falkenstein in der Oberpfalz in eine streng katholische Familie  hineingeboren. Er hatte noch acht Brüder und eine Schwester. Der älteste Bruder Peter war als Priester Mitglied des Redemptoristenordens in Gars, er übte großen Einfluss auf Max aus und förderte dessen künstlerische Begabungen.

Max erlernte zunächst das Maurerhandwerk und besuchte in Regensburg die Schule für Bauhandwerker, zudem trat er eine zweijährige Lehre als Dekorationsmaler bei einem Onkel in Falkenstein an. Sein Aufenthalt in Regensburg fällt übrigens in die Bauzeit beider Türme am Regensburger Dom. Hier wurde seinem Bruder Peter (zu der Zeit Kooperator am Obermünster) die Ehre zuteil, kalligraphisch die Urkunden für die Grundsteine der Türme zu gestalten.

Ein Studium an der Kunstgewerbeschule in München 1870/71 brach Max bereits nach einem Jahr ab, um nun selber dem Redemptoristenorden als Laienbruder in Gars am Inn beizutreten.

Als Künstler war Max Schmalzl also im wesentlichen Autodidakt, was seine Leistungen noch beeindruckender erscheinen lassen.

Fortan besorgte die Ordensleitung für den zum Gehorsam verpflichteten Schmalzl die Auswahl seiner Aufträge.  

Ein Jahr nach seinem Eintritt in den Orden 1872, überzeugte Schmalzl mit der Ausgestaltung der Hauskapelle der Redemptoristen hier in Vilsbiburg.

Eine kurze Italienreise folgte, die Ausmalung des Straßburger Münsterchores wurde ihm von den Ordensoberen jedoch untersagt.

Wichtige weitere Stationen Schmalzls waren monumentale Kirchenausstattungen, wie 1892/93 die Pfarrkirche St. Bartholomäus in Kraiburg am Inn, 1898/99 die unserer Wallfahrtskirche Maria Hilf hier in Vilsbiburg, 1902 die Ausstattung der Kapelle St. Joachim in Rom, der Generalatskirche der Redemptoristen. 1904 wiederum in Rom war Schmalzl für die Ausmalung der so genannten Bayerischen Kapelle verantwortlich.

Sein monumentalstes Werk jedoch ist die Redemptoristen-Klosterkirche in Cham, die Schmalzl mit einem marialogischen Bildprogramm ausstattete. Aufträge in Clyde/Missouri, Polen und Wien sind noch nicht ganz untersucht. In der Kirche Wien-Hernals wirkte er bei der Bemalung der Wände in den Seitenschiffen.       

                     Schmalzl als Illustrator

Ab 1884 durfte Schmalzl das Werk, für das der Verlag Pustet in

Regensburg in der ganzen katholischen Welt bekannt war, nämlich das Missale Romanum, im Stil der Nazarener illustrieren. Dabei setzte er besonders Mittel der Ornamentarisierung ein.

Das „Schmalzl-Missale“ war de facto das am häufigsten gedruckte und verwendete Messbuch im späten 19. und in der ersten Hälfe des 20. Jahrhunderts.

          Erhaltene Werke von Schmalzl in Vilsbiburg

Zunächst ist natürlich die Hauskapelle im Kloster auf Maria Hilf zu nennen. Bis auf einige kleine Veränderungen und wahrscheinlich Übertünchungen befindet sie sich praktisch noch im „Schmalzl’schen Urzustand“.

Als Schmalzls Erstlingswerk konnte er hier sein ganzes Können in die Waagschale werfen, was ihm dann den Durchbruch verschaffte und damit, wie schon erwähnt, weitere Aufträge einbrachte. Vorher wurde der Verbindungsbau zwischen Kloster und Kirche 1872 fertig gestellt, in dem sich die Hauskapelle befindet.

Die Kapelle ist ein kleiner Saalbau, dessen Decke ein dreijochiges Netzgewölbe auf Konsolen überzieht. Für die Bemalung dieser Decke zeichnete Schmalzl Kartons, also Entwürfe im Kloster Gars und führte sie anschließend mit seinem Mitbruder Frater Benedikt Hiebl, dieser sorgte für die Plastiken, in der Kapelle aus. Die Weihe der Kapelle erfolgte am 27. November 1872.

Das neugotische Netzgewölbe zeigt im Scheitel Christus als Erlöser der Welt, dann die Immaculata mit den beiden Erzengeln Michael und Gabriel, sowie den Heiligen Alfons von Liguori (1696-1787, Gründer der Redemptoristen, Verfechter der Volksmission) mit zwei flankierenden Engeln.

Die übrigen Dreiecksfelder umranken mit Blüten- und Rankenwerk auf grüner Wiese Heiligendarstellungen, wie Cajetan, Philippus Neri, Franziskus, Antonius, Theresa und Magdalena. In einem Gewölbezwickel ist auch das von Schmalzl gemalte, ikonenartige Wallfahrtsbild „Maria von der immerwährenden Hilfe“ eingefügt, das von den Redemptoristen eine besondere Verehrung erfährt. Für das theologische Gesamtkonzept bei der Ausgestaltung zeichnete sein Bruder Peter verantwortlich. Die übertünchten Seitenwände sollen einstmals mit einem gefalteten Tapetenmuster bemalt gewesen sein.

Insgesamt sollte der von Schmalzl geschaffene Hochaltar einer Renovierung unterzogen werden. Schon einmal in jüngerer Vergangenheit hat der Vilsbiburger Kirchenmaler Michael Brüggemann Befunduntersuchungen am Altaraufbau vorgenommen, wobei kleine Teile einer späteren und farblich gar nicht passenden Übermalung in Rosa und Grau entfernt wurden. Zum Vorschein kamen ornamentale Bemalungen Schmalzls aus der Entstehungszeit.

Erhaltene Werke von Schmalzl

in der Maria Hilf Kirche Vilsbiburg

Nach Erweiterungsbauten auf Maria Hilf ab 1870 konnte trotz offizieller Aufhebung der Redemptoristen 1872 der Bau weiter geführt werden. Die Leitung der Ausmalung wurde Frater Max Schmalzl übertragen. In der Folgezeit entwarf er die gesamte Inneneinrichtung. Zudem schuf er Altarblätter für die Seitenaltäre. Zwei der Seitenaltargemälde befinden sich heute im Kloster Gars. Die schreinerischen Arbeiten wurden im Kloster Gars ausgeführt. Die Arbeiten im Innern waren 1880 abgeschlossen, im September gleichen Jahres weihte Bischof Ignatius von Senestrey, Regensburg den Bau.

In der Wallfahrtskirche Maria Hilf gingen sowohl die Wandmalereien im Mittelschiff, der Apsis und in den Seitenschiffen wie auch die gesamte historische Innenausstattung bedauerlicherweise bei einer Renovierung  der Jahre von 1952 bis 1962 verloren. Ziel dieser Maßnahme war die Wiederherstellung eines barocken Raumeindruckes nach einem Kupferstich von Maria Ursula Hittlinger, Landshut um 1730.

Erhalten sind allerdings die wertvollen von Schmalzl gemalten Kreuzwegstationen, die teilweise mit seiner Signatur „F M S“ (=Frater Max Schmalzl) versehen sind und weitere Verbreitung gefunden haben.

Erhalten von der Schmalzl-Innenausstattung ist auch als einziger bauzeitlicher Beichtstuhl der von Pater Viktrizius Weiß im rechten Seitenschiff in der Nähe seiner Gruft.

Erhaltene großformatige Gemälde im Aufgang zwischen Kloster und Kirche können bis jetzt noch keinem Künstler zugeordnet werden.

 

Lambert Grasmann

 

Literatur: Denk, Otto: Friedrich Pustet, Vater und Sohn. Zwei Lebensbilder, zugleich eine Geschichte des Hauses Pustet, Regensburg 1904;

Eckl, Leonhard: Bruder Max. Lebensbild des Künstlers Fr. Max Schmalzl, C.Ss.R., Regensburg 1930;

Weiß, Otto: Kunst und Seelsorge. Der vergessene Maler Bruder Max Schmalzl (1850-1930), in: Jahrbuch des Vereins für christliche Kunst 12 (1982), S. 101-109; Komarek-Moritz, Sabine: Kirchenführer St. Bartholomäus, Kraiburg am Inn, Passau 1993; Steinle, Josef: Kirchenführer Maria Hilf, Cham, Cham 1975.

Schwarzenberger-Wurster, Monika: Frater Max Schmalzl (1850-1930). Katholische Bildpropaganda in der christlichen Kunst des späten 19. Jahrhunderts. Monographie und Werkkatalog. Diss. Regensburg 2010.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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