Heimatmuseum Vilsbiburg   ∙   Kröninger Hafnermuseum

Zum 70. Geburtstag von Lambert Grasmann Festrede von Josef Billinger

Zur Feier des 70. Geburtstages von Lambert Grasmann,

Leiter des Heimatmuseums Vilsbiburg,

am 18. August 2007 im Heimatmuseum

von Josef Billinger, Altbürgermeister und Ehrenmitglied des Heimatvereins

Sehr verehrte Damen und Herren,    lieber Bert, (denn für uns ist er nicht der Lambert, sondern der Bert!)

Besucher von auswärts, interessierte Laien und fachkundige Museumsleute, die zum ersten Mal in dieses Haus kommen, setzt es immer wieder in Erstaunen mit welcher Qualität und Vielfalt an Ausstellungs­gegenständen, an Darbietung und großem Umfang dieses Museum aufwarten kann. Dies erst recht, wenn sie erfahren, dass es in seiner Grundkonzeption schon anfangs der 70iger Jahre des letzten Jahrhunderts realisiert wurde. Geschaffen vom Heimatverein, zusammen mit der vor der Gemeindereform noch kleinen Stadt Vilsbiburg mit gut 7000 Einwohnern, die damals von der Wirt­schafts- und Finanzkraft her im unteren Teil der Skala zu finden war.

Wie kam das zustande, wer hat dieses für die große Museumswelt kleine, für einen ländlichen Bereich jedoch große Wunder vollbracht?

Ich will versuchen eine Antwort darauf in gedrängter Form zu geben. Wir kennen alle den Ausspruch "Der Erfolg hat viele Väter ..." Ganz am Anfang dieses Erfolges - wir sitzen ja mittendrin - gab es Urgroß­väter und Großväter. Die Namen Pfarrer Spirkner, Carl Zollner und Gustav Laube sind hier beispielhaft zu erwähnen.

Seit 1967 gibt es eine Seele des Vereins und - viele gute Geister!

Die Seele: Bert Grasmann!

Die guten Geister: Seine Mitarbeiter und Helfer

von Anfang an und alle die im Laufe der Jahre dazugekommen sind, die Stadt­räte von Vilsbiburg, die Berater und Ideengeber, die Akteure der Veranstalt­ungen, die treuen und immer zahlreicher werdenden Mitglieder des Heimat­vereins, die Stifter von Sach- und Geldspenden und schließlich die vielen, vielen Besucher seit der Eröffnung des Heimatmuseums in diesen Räumen am 20./21. Oktober 1973, die ihr Interesse bewiesen und mit freudiger und oft staunender Anerkennung ihren Dank zum Ausdruck brachten. Darüber dürfen wir die Frauen der Museumsmitarbeiter nicht vergessen, die ihre Männer ohne Murren zu den wöchentlichen Arbeitstreffen ziehen lassen, wenn­gleich es kurz vor Eröffnungsterminen auch mal so richtig stressig wird. Lauter real existierende gute Geister also.

Bert Grasmann rief sie zwar, aber ganz im Gegensatz zum Zauberlehrling will er sie nicht mehr loswerden!

 

Die Seele: Sie scheint zum ersten Mal auf - diese Formulierung haben wir von unserem Museumsleiter in seinen Vorträgen des Öfteren gehört -sie scheint auf im ersten Rundschreiben des Heimatvereins an seine Mitglieder im April 1968. Darin wird berichtet von der Versammlung am 2.12.67, in der eine neue Vorstandschaft gewählt wurde, die das Wiedererwachen des bis dahin nicht ganz schlummernden aber auch nicht ganz wachen Vereins bewirken sollte.

An dieser Stelle beim Verfassen meines Beitrages angelangt, habe ich überlegt ob ich beim Zitieren neben dem Namen der heute ja im Mittelpunkt steht, noch andere nennen soll. Ich meine ja. Ich denke, bei Bert und den anwesenden Vilsbiburgern, soweit sie die 5 oder höher vor ihren Lebensjahren stehen haben, werden diese Namen Erinnerungen wachrufen, Ich zitiere also auszugsweise:

"Dieses Rundschreiben stellt einen Teil unserer Bemühungen dar, dem Heimat­verein wieder zu einem kräftigeren Leben zu verhelfen. Diese Absicht war auch Hauptthema der Vorstandschaftsbesprechung am 17.3.68. Wir dürfen die am 2.12.67 neu gewählte Vorstandschaft in Erinnerung bringen:

1.Vorsitzender    Josef Billinger
2."                  Ludwig Grünberger

Kassier             Frau Ida Bergmann Schriftführer       Josef Limmer

Museumswart     Franz Wurm

Beisitzer            Karl Brandstetter

                           Dr.Helmut Dotterweich

                            Horst Boenisch

                             Simon Häglsperger

Wichtigster Punkt war die künftige Gestaltung des Heimatmuseums im alten Spitalgebäude in Vilsbiburg.

Das Heimatmuseum soll im Laufe der nächsten Wochen fotografisch inventarisiert werden, anschließend wird insbesondere das Depot gesichtet und geordnet. Dieser Aufgabe werden sich besonders annehmen, die Herren Grünberger, Wurm, Häglsperger, im Verein mit den jüngeren Mitgliedern Herrn Grasmann, Barteit und Grötzinger, eventuell sollen weitere jüngere Mitglieder dafür gewonnen werden.  .. Der Heimatverein wird im Laufe der nächsten Monate der Stadt Vilsbiburg eine Gesamtkonzeption des Heimatmuseums vorlegen."   Zitatende Von da an ging's bergauf.

 

Die Erwartungen an die "jüngeren Mitglieder" wurden nicht nur erfüllt, sie wurden weit übertroffen, zumal sich ihre Zahl deutlich erhöhte. Das Gesamtkonzept wurde erarbeitet, wobei der Kernpunkt war, das gesamte zweite Stockwerk für Museumszwecke nutzbar zu machen. Der zweite Stock, das ist der Raum in dem wir uns jetzt befinden. Sie müssen sich das so vor­stellen: Quer- und Längsmauern bildeten eine Zimmerflucht für die vormaligen Insassen des Hl. Geist Spitals, das immerhin in Vilsbiburg auf eine 500jährige Tradition zurückblickt. In jedem Zimmer sorgte eine Dachgaube für Tageslicht und Luft. Das Spital wurde in den 50er Jahren in das frühere städtische Krankenhaus in der Oberen Stadt verlegt. Heute ist dort das Geschäftshaus Pannermayr. Das Mauerwerk musste entfernt, ein neues Dach aufgebracht, die Beleuchtung und vieles andere neu geschaffen werden, ein zeit- und arbeits-aufwändiges Unternehmen und für die finanziellen Verhältnisse der Stadt schon eine beträchtliche Belastung. Dafür musste also der Stadtrat erst einmal gewonnen werden.

Der Vorsitzende des Heimatvereins

amtierte damals in Personalunion auch als erster Bürgermeisters. Es gelang ihm den Stadtrat von der Notwendigkeit der Maßnahme zu überzeugen und die Finanzierung sicherzustellen. Ich muss hier einfügen, dass sehr viele Arbeiten vom städtischen Bauhof ausgeführt wurden. Weil das großenteils nur im Winter möglich war, ergab sich eine lange Umbauzeit. Sogar die Ausstellungsvitrinen wurden in der Bauhofschreinerei angefertigt. Im Rundschreiben Nr. 2 des Heimatvereins vom April 1973 wurde dazu ausgeführt: "Dem Interesse der Stadt und der Aufgeschlossenheit des Stadtrates ist es zu verdanken, daß die fast 2 Jahre dauernden Instandsetzungsarbeiten und Veränderungen im Museumsgebäude heuer abgeschlossen werden können. Die Umquartierung und Neuaufstellung des Museumsgutes übernimmt

eine Gruppe jüngerer Mitglieder des Vereins, wobei gesagt werden muss, dass nur durch die Energie und Ausdauer dieses Kreises das Projekt "Heimatmuseum" überhaupt erst in Angriff genommen werden konnte." Zitatende.

Genau das war das überzeugendste Argument für den Stadtrat. Daß es diese Gruppe junger Bürger in unserer Stadt gab, die schon einige Jahre lang regel­mäßig so manche Stunde ihrer Freizeit im Museum damit verbrachte in prakt-tischer Arbeit "die natürliche und geschichtlich gewordene Eigenart der

 

Heimat zu schützen und zu pflegen, die Allgemeinheit über Inhalt und Wert der Heimatkultur zu unterrichten und zur lebendigen Weiterentwicklung dieses Erbes anzuregen". Das war jetzt ein Zitat aus der Satzung des Heimatvereins über den Vereinszweck.

Seit der Wiederbelebung des Vereins hat diese Gruppe gemeinsam mit älteren Ausschussmitgliedern eine beachtliche Anzahl volksmusikalischer Abende, kultureller Heimatfahrten, Ausstellungen im Museum und Vorträge durchgeführt. Respektable Teilnehmerzahlen und eine große Anzahl gestifteter musealer Gegenstände waren die Beweise für die Akzeptanz in der Bevölkerung. Die Tätigkeit des Vereins mehrte das Ansehen der Stadt und trug unbestreitbar dazu bei, sie lebens- und liebenswerter zu gestalten. Die Zustimmung des Stadtrates zur Vergrößerung des Museums trotz vieler anderer drängender Projekte war also Anerkennung der bis dahin sichtbaren Erfolge und Dank für die geleistete Arbeit.

Das Vertrauen der Stadträte und die darauf geleistete finanzielle Investition sollten sich reich lohnen.

Seit Februar 1973 war Bert Grasmann auch offiziell Museumsleiter und Peter Barteit 2. Vorsitzender. Er war es auch, der den beruflich stark beanspruchten 1. Vorsitzenden in der Vereinsarbeit praktisch ersetzte. Mit der Einweihung des erweiterten Museums am 20.und 21. Oktober 1973 wurde ein neuer Abschnitt der Vereinsgeschichte eröffnet. Von nun an ging's steil bergauf.

Ich zitiere ein letztes Mal aus einem Rundschreiben, es war die Nr.3 vom April 1974:

"Ob der 20. und 21. Oktober 1973 in die Geschichte der Stadt Vilsbiburg eingehen wird, werden unsere Nachkommen entscheiden. Fest steht, dass die Wiedereröffnung des Heimatmuseums das herausragende Ereignis des vergangenen Vereinsjahres war. Der Volksmusik-Hoagarten am Vorabend lockte nahezu 600 Zuhörer in die Aula der Hauptschule.

Nach einem Ständchen des Musikvereins Vilsbiburg, dem sich ein ökumenischer Gottesdienst in der Heilig-Geist-Spitalkirche anschloss, folgte der offizielle Eröffnungsakt mit der Festansprache von Dr. Georg Spitzlberger. Geradezu überwältigend war der Andrang der interessierten Bevölkerung, die sich am "Tag der offenen Tür" einen ersten Eindruck von dem wiedereröffneten Heimatmuseum verschaffte. Man zählte innerhalb von 4 Stunden ca 1 800 Be­sucher. " Zitatende

 

Die Seele des Bert Grasmann jubelte und mit ihm freuten sich seine "guten Geister"!

 

Und es gab eine Steigerung: Die Wiedereröffnung des generalsanierten Heimatmuseums am Samstag, den 20. April 2002!  Und 3000 Besucher im Jahr 2002!

Die Ehrenbürgerschaft der Stadt Vilsbiburg wurde Lambert Grasmann 2003 verliehen. Sie ist eine öffentliche Anerkennung der Premiumklasse und bezieht in gewisser Weise seine Museumsmitarbeiter mit ein. Im Hoheitsbereich der Stadt gibt es dafür keine Steigerung mehr. Ich wage die Behauptung, es gibt sie doch!

Sie besteht in unserer aller Achtung und hohen Wertschätzung des Menschen

Lambert Grasmann als einer großen Persönlichkeit!

Sie besteht in der dankbaren und neidlosen Anerkennung all dessen, was Du

als Seele des Heimatvereins und Museums für die Gewinnung und den

Zusammenhalt Deiner Mitarbeiter und Freunde, für die Heimatforschung

geleistet hast!

Als Bürger meiner Heimatstadt und da bin ich mir der Zustimmung aller

Vilsbiburger sicher, die Dich und Deine Arbeit kennen, erlaube ich mir zu

sagen:

Du hast Dich um diese Stadt verdient gemacht!

Ich wünsche Dir persönlich von Herzen Alles Gute zum 70, ich wünsche Dir eine robuste Gesundheit, ich wünsche Dir Freude an allem Tun

für noch viele Jahre!

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