Heimatmuseum Vilsbiburg   ∙   Kröninger Hafnermuseum

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Willkommen im Heimatmuseum Vilsbiburg




Das Ehrenamtsteam des Heimatvereins nimmt am 7.7.2020 unter strengen Auflagen aber mit großer Freude die Arbeit im Museum wieder auf! V.l.n.r.: Fritz Lingott, Peter Käser, Lambert Grasmann, Rudolf Stadlöder, Günter Staudinger, Silvia Michl, Andrea Ideli, Waltraut Eckermann, Annemarie Schwarzbözel, Manfred Lück, Peter Barteit, Ruppert Sitter

Quiz und Stadtrallye zum selber lösen: Heimatmuseum mit Familienangebot wieder geöffnet

Mit einer solchen Museumstasche ausgerüstet können 9 bis 12-jährige Kinder wie Elena die spannende Vilsbiburger Stadtgeschichte selbst erforschen.

Jeden Sonntag von 10 bis 12 Uhr können Interessierte sämtliche Räume und Abteilungen des Museums wieder besuchen, die Mittwochsöffnungen sind einstweilen ausgesetzt.

Zum Schutz der Besucher wird die Gesamtzahl der Personen im Museum auf jeweils 32 begrenzt, um die entsprechenden Abstandsregelungen einzuhalten. Darüber hinaus gibt es Desinfektionsspender, um die Hände zu reinigen. Weitere Regeln zum Schutz der Gesundheit finden sich im Museum und hier.

Die für Juni 2020 geplante Eröffnung der Sonderausstellung zur „Koch- und Tischkultur“ wird auf Samstag, den 24. Oktober 2020 verschoben.

Da Führungen zur Zeit nicht stattfinden, bietet das Museum für Kinder der verschiedenen Altersgruppen ein kleines Quiz im Museum oder eine große, abwechslungsreiche Stadtrallye zum selbstlösen an, bei denen es neben Wissen auch einen kleinen Preis zu gewinnen gibt.

04/20/20

Virtueller Ausflug ins Museum In der Corona-Pause

Im Zuge der Corona-Krise können wir in den Räumen des Museums leider für längere Zeit keine Gäste empfangen. Um unsere Sammlung trotzdem an interessierte Besucher zu vermitteln, haben wir einige besonders spannende und schöne Objekte mit den dazugehörigen Geschichten hier für einen kleinen virtuellen Ausflug aufbereitet. Es werden im Lauf der Krise immer weitere Objekte ergänzt.

Viel Vergnügen und: Bleiben Sie gesund!

Ihr Museumsteam

Ein Objekt zur Zeit- und Postgeschichte

Eine kleine philatelistische Kostbarkeit stellt dieser unscheinbare Briefumschlag dar. Er ist nicht nur ein postalisches Zeugnis der Nachkriegsgeschichte nach 1945, er belegt auch den Umgang der amerikanischen Militärregierung mit dem deutschen Postbenutzer und der Deutschen Post.

 

Laut dem Presseorgan der amerikanischen Militärregierung „Military Government Gazette“ vom 3. September 1945 wurde nun wieder der private Postverkehr gestattet. Zunächst zugelassen war der Versand von Postkarten und offenen Briefen bis zu 20 Gramm. Am 12. Oktober wurden bis dahin gültige Postbestimmungen gelockert. Die Außenseite der Briefumschläge durfte nicht handgeschrieben, die Beschriftungen müssen entweder mit Schreibmaschine oder in Blockschrift geschrieben sein. Die verwendete Sprache musste auf der Rückseite des Umschlags vermerkt sein. Die Briefumschläge durften nun verschlossen werden.

 

Bei unserem Objektbeispiel sind einige bemerkenswerte Einzelheiten auffällig. Der verschlossene, als Einschreibbrief mit roter gestempelter Einschreibmarke von Dr. Schneider in München an Benedikt Auer in Vilsbiburg am 7.6.1947 eingelieferte Brief wurde von der Zensurbehörde der amerikanischen Militärregierung laut blauem Gummistempel „U.S. CIVIL CENSORSHIP PASSED 10647 GERMANY“ geöffnet und nach Prüfung mit einem braunen Klebestreifen, bedruckt mit dem Text „OPENED BY MIL.CEN.- CIVIL MAILS“ wieder verschlossen. Der Brief zeigt die von der Militärregierung vorgeschriebenen Anordnungen wie die mit Schreibmaschine geschriebener Aufschrift und rückseitig den Vermerk über die benutzte Sprache, hier „Germany“. Zusätzlich ist noch der bei Einschreibsendungen vorgeschriebene Tagesstempel als Eingangsstempel des Postamtes Vilsbiburg vom 5.6.47 abgedruckt.

 

Lambert Grasmann

Reisepässe gegen gesundheitliche Gefahren


 

In Zeiten der aktuell herrschenden Corona-Pandemie ist man im Heimatverein auf Archivalien gestoßen, die eine gewisse Parallelität zur Vergangenheit herstellen.

So besitzt das Heimatmuseum Vilsbiburg bei den Archivakten des Kröninger Hafnerhandwerks 22 den Zeitraum von 1713 bis 1746 umfassenden „Atteste“, die Geschirrhändler berechtigten, im Kröning eine bestimmte Menge Hafnergeschirr und mit welcher Fahrgelegenheit diese zu transportieren sind, zu erwerben. Die Dokumente wurden am Wohnsitz des Händlers von der Stadt- oder Marktobrigkeit, verschiedentlich auch von der Hofmarksherrschaft, ausgefertigt, dazu unterschrieben und gesiegelt. Eines der vorliegenden Dokumente vom 26. September 1746 berechtigte den Händler Johann Nidermayr, so genannter Kögl Kramer von Öxing, [bei Grafing] mit einer Fuhre in den Kröning zu fahren, um dort in seiner zu Hause „fiehrenten Handlschaft schwarzes und glasiertes Hafner Geschirr“ einzukaufen. Bürgermeister und Rat von Grafing genehmigen dies, bemerken aber gleichzeitig, dass „alhier“, also in Grafing und im Revier, „rhaine, frische und gesunde Luft vorhanden sei, auch sonst keine ansteckende Seuche grassiere“. Niedermayr war übrigens bereits 1724 mit zwei Fuhren in den Kröning unterwegs, um „unterschiedliches Hafnergeschirr einzukaufen“. Mit ähnlichem Text in seinem Attest zu den gesundheitlichen Verhältnissen im Heimatort ausgestattet wird am 29. September 1746 der Kramer Peter Däburger in den Kröning um „schwarzes und glasiertes Häfen Geschirr“ auf die Reise geschickt. Des Weiteren erhält der Kramer Anton Mayrhofer aus Valley am 30. August 1746 von seiner Obrigkeit ein Attest mit der Bemerkung, dass in Valley [Landkreis Miesbach] „eine gesunde, von aller Contagion [Ansteckungskrankheit] befreite Luft vorhanden“ sei.

Die als Reisepass wirkenden Atteste mussten vom Händler dem Obermeister der Kröninger Hafner vorgelegt werden, der sie dann in die Handwerkslade ablegte. So ist wenigstens ein kleiner Teil dieser aussagekräftigen Archivalien erhalten geblieben.

Lambert Grasmann

Zum Wortlaut des Attests

 

 

Ein Kunstwerk als Intarsienarbeit

Ein kleines aber feines Modell einer Miniatur-Kommode oder wurde es als Behältnis kleinteiliger Utensilien für die Hausfrau angefertigt? Womöglich ist das Objekt als Prüfungsgegenstand von einem fähigen und angehenden Schreinergesellen angefertigt worden. Aber auch ein professioneller Kunstschreiner steht als Produzent zur Debatte. Die Kommode mit vier Kugelfüßchen in den Maßen Höhe 27, Breite 28 und Tiefe 18,5 cm besteht aus Holz mit nur wenigen Metallbeschlägen. Sie besitzt einen Deckel und eine Frontklappe, das kleinteilige Innenleben besteht aus 15 Oberfächern und sieben Schubläden. Das herausragende an dem Objekt ist die Bearbeitung von Teilen der Oberflächen mit Intarsienarbeiten. Im Deckel ist ein Rahmen eingelegt, der wiederum vier verschieden gemaserte Felder beinhaltet. Die Frontklappe zeigt in einem Rahmen eine außergewöhnliche Fülle von kleinteiligen Intarsien, die dichtgedrängt eine Städtelandschaft zeigen. Allerdings ist eine Identifizierung oder Lokalisierung des Dargestellten oft schwierig, da die Künstler vielfach auch Phantasieansichten zusammenkomponierten.

Die Intarsie ist eine Dekorationstechnik, bei der auf einer planen Oberfläche verschiedene Edelhölzer oder andere Materialien wie Schildpatt und Elfenbein so inein- oder aneinander geleget werden, dass eine ebene Fläche entsteht. In unserem Fall scheint eine Teilauflösung des Bildinhalts möglich zu sein, wenn man weiß, dass in Deutschland zu bestimmten Zeiten Augsburg und Nürnberg als die Hauptorte der Einlegekunst galten. Bestimmte Abschnitte des Bildinhaltes lassen auf eine Teilansicht der Stadt Nürnberg schließen.

So könnte von rechts gesehen die doppeltürmige Kirche St. Sebald, dann anschließend der massige Rundbau des Neuen Tors und am linken Bildrand das Rathaus abgebildet sein. Die mächtige Stadtmauer schließt gegen die Grünfläche im Vordergrund das Bild ab. Viele Einzelheiten des Bildinhalts wären noch zu klären, die hier der Künstler in verschiedenfarbigen Hölzern und Holzarten angedeutet hat. Inv.Nr. 2007/44.

Lambert Grasmann

Kreinzenwagen

Im Kröninger Raum des Heimatmuseums befindet sich das Modell eines Pferdefuhrwerks. Was so romantisch anmutet, war im Vergleich zu heute aber doch sehr beschwerlich, denn die Fahrer dieses Gefährts waren oft sehr lange bei jedem Wetter unterwegs. Grund war folgender:

Mitte des 18. Jahrhunderts gab es bereits über 120 Hafner-Werkstätten in Kröning und an der Vils. Nach Schätzungen fertigte jede von ihnen jährlich ca. 60.000 Stück Geschirr. Da daher die nähere Gegend ausreichend mit Geschirr versorgt war, mussten sich die Hafner Gedanken über neue Absatzmöglichkeiten machen. Damals wie heute kam man beim Thema Überproduktion auf den Export. Doch dafür genügte es nicht mehr, dass nur Hausierer zu Fuß mit ihren Kraxn den Verkauf übernahmen. Heuwagen mit stabilerer Konstruktion und mit korbähnlichen Einsätzen (Kreinzen), die aus Weidenruten geflochten wurden, wurden zusätzlich eingesetzt. Darin verpackten die Hafner ihr Geschirr gut in Stroh, deckten es zusätzlich mit Fichtenzweigen ab und verzurrten die Ladung mit Seilen. Mit diesen umweltfreundlichen, wieder verwertbaren Verpackungsmaterialien ging es bis nach Bozen, Südtirol.

Andrea Hauer

Modell eines Geschirrtransportwagens ("Kreinzwagen") des Geschirrfahrers Wimmer von Dirnaich, Gemeinde Gangkofen mit Wegweiser "Nach Reichenhall" Mitte 19. Jahrhundert

Der heilige Nepomuk

An fast jeder Brücke steht eine Figur des heiligen Nepomuk, der allgemein als Brückenheiliger bezeichnet wird.

Johannes aus Pumuk (heute: Nepumuk) war sein richtiger Name. Er lebte von ca. 1350 bis 1393. Johannes war sehr gebildet, er war Doktor der Theologie und des Kanonischen Rechts (= Kirchenrecht) und wurde sogar zum Generalvikar der Erzdiözese Prag ernannt.

Nach den gängigen Heiligenlegenden war er ebenfalls der Beichtvater der Frau des Königs Wenzel von Böhmen. Der König, der seiner Frau wohl nicht ganz vertraute, wollte wissen was sie ihrem Beichtvater anvertraut hatte. Doch dieser blieb standhaft und verweigerte dies und berief sich auf das Beichtgeheimnis. Als drakonische Strafe wurde er von der Karlsbrücke in der Moldau ertränkt. So kam er, was er sich bei seinem Leben nicht hätte vorstellen können, zu der Ehre, Brückenheiliger zu werden.

Nach der Geschichtsschreibung wurde er vermutlich im Zuge der Auseinandersetzung zwischen dem König und dem Erzbischof von Prag in der Moldau ertränkt.

Doch nun zum Vilsbiburger Nepomuk: Die Figur wurde von Johann Paul Wagner 1750 geschaffen. Sie stand an der Vils seitlich vom Unteren Tor in einer Nische am alten Rathaus. Beim Abbruch des Gebäudes und des Turms im Jahr 1903, wurde Nepomuk in einen Privathaushalt „umgesiedelt“. Dort stand er zunächst im Garten durfte aber dann mit ins Haus einziehen.

Später stellte sich heraus dass die Figur eigentlich der Stadt gehörte und sie kam deshalb im Jahr 1989 letztendlich ins Museum, wo Sie ihren Platz im Gang im Erdgeschoß fand.

Rudolf Stadlöder

Die Holzdecke im Sonderausstellungsraum

Das Spitalgebäude, in welchem sich heute das Museum befindet, wurde im Jahre 1476/77, gestiftet von Caspar Westendorfer (Pfarrer in St. Jodok Landshut), erbaut. Lange Zeit war der einzige Nachweis dafür eine Stiftungsurkunde, die im Stadtarchiv Vilsbiburg aufbewahrt wird.

Doch bei Sanierungsarbeiten 1995 wurde im  heutigen Sonderausstellungsraum eine schwarze Holzdecke gefunden. Die dendrochronologische Untersuchung der Balken ergab, dass die Bäume für die Balken im Winter 1476 auf 1477 gefällt worden waren – ein endgültiger Beweis für das Baujahr des Spitals.

Fast zur gleichen Zeit heiratete im November 1475 in Landshut der junge Herzog Georg die polnische Königstochter Jadwiga. Danach übersiedelten die Beiden nach Burghausen, wo sie die ersten vier Jahre ihrer Ehe verbrachten.

Auf ihren Reisen zwischen den Residenzorten kamen Sie sicher auch durch Vilsbiburg, denn der normale Weg führte durch unseren Markt. Zu der Zeit waren die Wälder um Vilsbiburg womöglich erfüllt von dem Lärm der Motorsägen mit denen die Bäume für den Neubau des Spitals gefällt wurden. - Nein es waren natürlich nicht die Motorsägen, sondern die Wälder hallten wider von den Schlägen der Äxte beim Fällen der Bäume.

Rudolf Stadlöder

Modell Hafnerhaus

Wenn ich im Museum das dort ausgestellte Modell eines Hafnerhauses betrachte, fällt mir zurzeit spontan das Wort „Homeworking“ ein. Seit der Corona-Krise ein häufig genanntes Wort. Doch das Arbeiten daheim ist keine neue Erfindung.

Zu den „Hoch“-Zeiten der Kröninger Hafner war es ganz normal, dass man zu Hause arbeitete. In der Wohnstube befanden sich nicht nur der Herd zum Kochen, der Essplatz im Herrgottswinkel, die ganze spielende und tobende Kinderschar, nein auch der Arbeitsplatz der Hafner war darin. Der Hafner arbeitete dort allein oder mit Geselle/Lehrling an ihren Drehscheiben.

Bestimmt ist den Hafnern - besonders bei schlechtem Wetter -  auch mal der Trubel in der Stube zu viel geworden und sie mussten für mehr Ruhe sorgen, damit sie sich auf ihre Arbeit konzentrieren konnten.

Vielleicht erinnert sich der eine oder andere ja wieder an diese Arbeitssituation, wenn er nach Corona wieder im Museum vorbeikommt und das Modell in der Ausstellung betrachtet.

Andrea Hauer

Die Marienfigur in der Ziegelabteilung des Heimatmuseums Vilsbiburg

Die im Heimatmuseum Vilsbiburg ausgestellte Marienfigur ist die Nachbildung einer Figur, die in der Partnergemeinde Buia eine spannende Geschichte erlebt hat. Das Original der Figur wurde Ende des 19. Jahrhunderts in München nach einem Modell des Bildhauers Joseph Knabl, Professor an der Königlichen Akademie der bildenden Künste, angefertigt. Auftraggeber waren einfache Ziegeleiarbeiter aus dem Friaul, die in einer Ziegelei in Haidhausen arbeiteten. Sie brannten die Figur gemeinsam mit den Ziegelerzeugnissen an ihrem Arbeitsplatz und nahmen sie im Herbst mit in ihre Heimat Avilla di Buia. Dort wurde sie im November 1876 in der Kirche aufgestellt.

Im Jahr 1976 wurde die Kirche, bei den Erdbeben im Norditalien, so schwer beschädigt das sie einstürzte. Doch die Marienfigur überstand den Einsturz unbeschadet. Ein Wunder? In der neu erbauten Kirche steht die Figur noch heute auf einer Säule neben dem Altar.

Bei der Begründung der Städtepartnerschaft zwischen Buia und Vilsbiburg wurde die Nachbildung an das Museum gegeben. Ausgangspunkt der Partnerschaft war eine Sonderausstellung im Museum und die Nachforschungen zu den Ausstellungsstücken.

Rudolf Stadlöder

Ein ausgesiedelter Graf

Im Bild sehen wir Franz Xaver Cajetan Anton Georg Adam Graf von und zu Freyenseyboldsdorf (1710-1774). Er war Kammerer und Regierungsrat in Landshut und verbrachte viele Jahre seines Lebens auf seinem Schloss in Seyboldsdorf.

Nach dem zweiten Weltkrieg im Jahre 1951, wurde das Stammschloss der Reichsgrafen von Seyboldsdorf, von dem letzten, also kinderlosen Nachkommen Graf Ludwig von Freyenseyboldsdorf, an den Orden der Magdalenerinnen aus Lauban in Schlesien verkauft.

Und damit änderte sich das Schicksal für „unseren“ Reichsgrafen: Er wurde aus seinem Schloss/Kloster in das Heimatmuseum Vilsbiburg umgesiedelt. Auslöser war sicherlich der starre Blick des Porträtierten und die Maltechnik. Denn man wird, egal wo man steht, immer von dem Grafen angeschaut. Wie aus gut unterrichteten Kreisen zu erfahren ist, fühlten sich die Schwestern durch den Grafen beobachtet und verfolgt.

ABER

Was sollte der Reichsgraf nicht sehen. Klosterschwestern machen doch nichts verbotenes was er nicht sehen darf. Oder?

Rudolf Stadlöder

Gebrauchszither von Herzog Max 1825

Herzog Max in Bayern, vom Volk liebevoll „Zithermaxl“ genannt und seinem Lehrer Johann Petzmayer verdankt die Zither, dass sie in höheren Kreisen wie im einfachen Volk zum bayerischen Nationalinstrument wurde. Die Gebrauchszither von Herzog Max hat einen langen Weg hinter sich bis sie im Heimatmuseum Vilsbiburg ihren wohlverdienten Ruhestand antreten durfte. Willy Hintermeyer jun. aus Lichtenhaag hat diese Zither zu Lebzeiten dem Heimatmuseum Vilsbiburg als Schenkung hinterlassen. Willy war der einzige Sohn der Musiker- und Künstlerfamilie Hintermeyer aus München. Der Vater war ein vielgeachteter und bedeutender  Zithervirtuose seiner Zeit. Bekannt wurden die Familie auch als Hintermeyer Trio im Bayerischen Hörfunk.

Die Gebrauchszither seiner königlichen Hoheit des Herzog Max in Bayern weist im inneren einen alten handgeschriebenen Zettel auf.

Nach dem Tode von Max Josef in Bayern am 15. November 1888 ging die Zither in den Besitz seiner Tochter Helene, Erzprinzessin von Thurn und Taxis und Herzogin in Bayern über. Helene war die Schwester von Elisabeth, der späteren Kaiserin von Österreich, besser unter Sissi bekannt. Die bis heute erhaltenen Blumendarstellungen auf der Zither führte Helenes Schwiegertochter Margaretha von Thurn und Taxis aus.

Noch durch viele - des Zitherspiels sehr kundige - Hände ging das schöne Instrument, bis es schließlich in München bei Willy Hintermeyer sen. eintraf und über dessen Sohn die wertvolle Schenkung ans Museum kam.

Fritz Lingott

Die Aussteuer

Auch wenn in Zeiten der Corona-Krise genug Zeit bleibt, um sich wieder an das Nähen mit der Maschine heranzutasten, werden die meisten Frauen nach dem Anfertigen von einigen Mund-Nasen-Schutzmasken die Lust am Heimarbeiten wohl wieder verlieren. Gemeinsam mit ihren Familien Jahrzehnte an der Aussteuer arbeiten – das ist heute unvorstellbar.

Bis ins 20. Jahrhundert hinein war das Herstellen von Textilien und das Zusammenstellen von Gegenständen des Hausrates eine voreheliche Pflicht der Bräute. Eine gut gefüllte Truhe oder ein schön gefüllter Schrank sollte für möglichst viele Jahrzehnte reichen.

Unser Schrank enthält die typischen Ingredienzien einer Aussteuer:  Das „Weißzeug“: Bettwäsche und Handtücher, Leintücher, Tischdecken, Servietten und Schürzen. Manchmal fanden auch Geschirr und Besteck ihren Platz im Schrank (nicht bei unserem Schrank).

In Bayern verbreitet war die Fahrt der Aussteuer auf einem sogenannten Kammerwagen vom Elternhaus der Braut zum neuen Heim des Bräutigams am Tag der Hochzeit. Der Aussteuerschrank war eines der zentralen Möbelstücke des Kammerwagens. Aufgrund seiner Größe war er häufig zerlegbar und viertürig gebaut – ein Vorteil, der sich auch den Museen heute bietet.

Annika Janßen

Café Vogt

Das Café Vogt in der Oberen Stadt Nr. 25 weist eine lebendige Geschichte auf. In der ersten Hälfte de 19. Jahrhunderts bewirtschaften zwei Generationen der Familie Aschenbrenner das Anwesen als Schmiede und Weißbierwirte. 1901 erwirbt der aus Kelheim stammende Franz Xaver Vogt das Haus und bricht es ab. Es entsteht mit dem Ziegeleibesitzer und Architekten Joseph Lehner ein vollständiger Neubau mit einer Fassade in historisierenden Stilelementen. Im Erdgeschoß richtet er einen Tabakladen und ein großzügiges Café im Jugendstil mit entsprechender Möblierung ein, mit zum Beispiel einem prächtigen Thekenschrank und Billardtisch, dazu eine stilgerechte Wandbemalung. Vogt richtet auf dem rückwärtigen Grundstück eine Konditorei und Wachszieherei ein und betreibt eine Likör- und Schnapsbrennerei. Von der bauzeitlichen Einrichtung haben sich nur eine Registrierkasse, ein kleiner Caféhaustisch mit zwei Stühlen, sowie ein aufwendig gestalteter Ausguss erhalten. Dazu ist das Anwesen durch zahlreiche fotografische Aufnahmen dokumentiert.

Lambert Grasmann

Ein schöner Scherz - Der Vexierkrug von Benno Zettl

Bei der Betrachtung dieses besonderen Kruges fällt sofort sein durchbrochener Hals ins Auge. Dass es sich um ein Gefäß zur Aufbewahrung von Flüssigkeiten oder gar zum Trinken handeln könnte, scheint auf den ersten Blick ausgeschlossen. Doch diese sogenannten Vexierkrüge waren nicht nur als reine Ziergefäße, sondern tatsächlich mit einer Trinkfunktion gefertigt. Allein der Besitzer des Kruges wusste um die besonderen Tricks, die zum Trinken aus dem Gefäß notwendig waren: es war nämlich notwendig, verschiedene Löcher im Henkel und am Krug zu verschließen – nur so konnte das Getränk aus dem auf dem Foto sichtbaren Loch in der Randwulst angesaugt werden.

Der Vexierkrug gehört nicht zu der Massenware an Gebrauchsgeschirr, welches für die Kröninger Hafner typisch war, sondern zu den Raritäten. Für seine Herstellung bedurfte es besonderer technischer Raffinesse. Unser Krug wurde 1930 vom Hafnermeister Benno Zettl aus Bödldorf gefertigt, nachdem dieser bereits zwei Jahre zuvor seine Werkstatt geschlossen hatte.

Annika Janßen

Das Standardwerk

Das Buch von Lambert Grasmann.

Die Hafner auf dem Kröning und an der Bina.

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11/23/14

"Ehrenamt bringt für Aktive Vorteile” Heimatverein treibt Personalwechsel voran

Der Heimatverein und das Museum brauchen weiter ehrenamtliche Kräfte. Es haben sich zwar schon mehrere jüngere Leute bereit erklärt, auch künftig aktiv mitzuarbeiten. Doch sind für eine gute Zukunft noch einige Verstärkungen notwendig. Interessenten melden sich am besten an einem Dienstag ab 19:30 Uhr im Heimatmuseum.


Zum Weiterlesen

Die Arbeit im Heimatmuseum ist vielgestaltig und daher so interessant
Mal geht es rustikal und staubig zu,
dann sitzt man wieder konzentriert über alten Urkunden oder am Computer.

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