Vom Mythos verfolgt?


Ein Portrait im Vilsbiburger Heimatmuseum
hat besondere Eigenheiten

Es gibt Menschen, die können ihrem Gegenüber nicht in die Augen sehen. Und dann gibt dieje-nigen, die einen förmlich Anstarren und auch nicht von einem lassen können – man fühlt sich beobachtet.

Haben sie es schon gesehen, das Portrait des Grafen von Seyboldsdorf im Vilsbiburger Heimat-museum? Nein? Dann haben sie sich auch noch nicht von seinen klaren und stechenden Augen verfolgt gefühlt. Auf dem Blick des jungen Herrn Grafen lastet ein besonderer Mythos, dem sich die Seyboldsdorfer Klosterschwestern gerne entledigten. Johann Franz Xaver Cajetan Anton Georg Adam Graf von und zu Freyen-Seiboltstdorff war erst im 29 Lebensjahr. Dennoch war er schon im hohen Rang ausgezeichnet mit dem gestickten Stern des Großmeisters des adeligen Ritterordens vom Sankt Michael und nannte sich des Heiligen Römischen Reiches Graf von und zu Freyen-Seyboltstorff auf Mauern, Herr der Hofmarken Deuten- und Göttlkofen, Lichtenhaag, Vilssattling und Leberskirchen, Ober- und Niederaichbach. Seiner churfürstlichen Durchlaucht in Bayern Kämmerer und Regierungsrat in Landshut, Kommandeur des Hochritterordens Sankt Michael, Mitglied der Landschaft. Die Verleihung des Ritterordens könnte dann auch der Grund gewesen sein, sich im Portrait malen zu lassen. Der junge Herr Graf saß vor der Staffelei des Landshuter Malers Wolfgang Simon Gröz. Er schaut erhobenen Hauptes mit stechenden und glänzenden Augen auf den Betrachter. In modischer barocker Kleidung des Jahres 1739, mit blauem Rock, den gold verzierten Ärmelstulpen, blauer Schärpe und weißer Perücke, konnte der noch ledige Franz Xaver Cajetan auch auf Brautschau gegangen sein, denn 1741 heiratet er Ma-ria Eleonora, die Reichsfreiin von Haacke. Der Maler Wolfgang Gröz, welcher 1720 die Lands-huter Bürgerrechte erhalten hatte, ließ sich beim Portraitieren des Herrn Grafen etwas Besonde-res einfallen, das einen nachhaltigen Mythos über das Gemälde legte.

Nachdem im Sommer 1951 Reichsgraf Ludwig, der Letzte der Seyboldsdorfer Grafen an den Starnberger See gezogen war, stand das Schloss nicht lange leer. Er verkaufte es an den Schwe-sternorden der Magdalenerinnen welche aus ihrem schlesischen Kloster in Lauban 1945 vertrie-ben wurden; 1952 zogen sie in das Schloss Seyboldsdorf ein. Die Ahnen-Gemäldegalerie von Schloss Seyboldsdorf hatte der Graf dem Archiv in Landshut vermacht, und dennoch war das Schloss nicht ganz leer; das Portrait des jungen Grafen Johann Franz Xaver Cajetan war noch vorhanden. Und es durchzog ein Unbehagen das historische Schlossgemäuer – die Klosterschwe-stern fühlten sich von seinen Augen verfolgt. Die Technik des Portraitisten ermöglichte es; Jo-hann Franz Xaver konnte den Raum in jedem Blickwinkel einsehen. Gespenstisch fühlten sich die ehrwürdigen Schwestern von seinen glänzenden Augen in jeder Richtung verfolgt. Es wurde beschlossen, das Portrait, ja den ganzen brocken Bildaufbau dem Heimatverein Vilsbiburg für sein Museum zu übereignen. Und da hängt nun der im Jahr 1774 verstorbene Graf von Sey-boldsdorf. Seine Ehefrau Maria Eleonora, hat dem verstorbenen Gatten ein außerordentlich sinn-reiches Grabmal mit einer Familien-Ahnenprobe in der Pfarrkirche Seyboldsdorf errichten las-sen.

Die Abstammung
Franz Xaver Cajetan war der älteste Sohn von Maria Anna Violanta Gräfin von Seyboldsdorf, eine geborene Freifrau von Lerchenfeld-Aham (geboren 1681, vermählt 1702, gestorben 1756). In jungen Jahren hatte sie den Herrn der Hofmarken Mauern, Hörgertshausen und Thulbach ge-heiratet, den Kurbayerischer Kämmerer und Hofrat, Reichsgraf Johann Franz Ignaz von und zu Freyen Seyboltstorff (geboren am 6. August 1673).
Leider verstarb ihr Gemahl schon im Alter von 39 Jahren am 19. Januar 1711. Nun musste sie die drei Hofmarken bis zur Volljährigkeit ihrer Kinder verwalten. Erschwerend kam dazu, dass sie auch die Hofmarken ihres verstorbenen Bruders, Deutenkofen, Günz- und Göttlkofen geerbt hatte. Diese Bürde mag sie dazu bewogen haben, mit 51 Jahren noch einmal zu heiraten. Der Reichsfreiherr Georg Sigmund von Hegnenberg war der Erwählte. Am 1. Mai 1756 war Maria Anna Violanta auf Schloss Deutenkofen verstorben. Eine prächtige Grabplatte in der dortigen Schlosskapelle erinnert an sie. Aus der ersten Ehe mit Johann Franz Ignaz zu Freyen-Seyboltstorff gingen drei Söhne hervor: Korbinian Franz Adam Veit Joseph, geb. 28.08.1703, gestorben am 9.12.1770. Georg Carl Anton Alois Adam, geb. 12.06.1708, erhielt 1742 die Pfar-rei Velden, wurde am 25. Oktober 1758 zum Dekan des Rural-Dekanats Dorfen ernannt und starb am 9.11.1762 als Pfarrer von Velden auf Schloss Biedenbach, welches er neu erbauen ließ und als Pfarrhof nutzte.
Der im Museum Vilsbiburg dargestellte, am 2. Dezember 1710 geborene Reichsgraf Johann Franz Xaver Cajetan von Seyboltstorff war der jüngste Sohn von Maria Anna Violanta und Jo-hann Franz Ignaz. Mit dem Kauf der Hofmarken Ober- und Niederaichbach im Jahr 1762 hatte sich Johann Franz Xaver erheblich verspekuliert. Eigentlich wollte er sein Herrschaftsgebiet Deuten- und Göttlkofen durch diese Erwerbungen erweitern. Schulden von über 100.000 Gulden waren das Resultat der Spekulation. Dazu wurde er auch noch für die Steuerschulden seiner Vorgänger verantwortlich gemacht, da diese in der Vergangenheit die Steuern schuldig geblie-ben waren. Dies drückte natürlich auf das Gemüt des alternden Grafen. Am 25. Mai 1774 ist er 64jährig verstorben. Seine Gemahlin war die 1722 geborene Reichsfreiin Maria Eleonora von Haacke. Die Vermählung war 1741, sie starb 60jährig am 11. März 1782.
Drei Söhne gingen aus der Ehe hervor: Christoph Maria Sigmund; Veit Franz Xaver und der Geistliche Ferdinand Alois, Domkapitular von Regensburg und Freising. Alle drei sind in der Pfarrkirche von Seyboldsdorf begraben.

Das Grabmal
Das Grabmal des im Museum dargestellten Johann Franz Xaver Cajetan ist in der Pfarrkirche von Seyboldsdorf, rechts im dritten südlichen Joch. Die Inschrift benennt in glorifizierenden Worten: „Johann Franz Xaveri des Heiligen Römischen Reiches Graf von und zu Freyen Sey-boldsdorf, Hörgertshausen, Deuten- und Göttlkofen, Lichtenhaag, Vilssattling und Leberskir-chen, dann Ober- und Niederaichbach, Kammerer seiner kurfürstliche Durchlaucht in Bayern, Regierungsrat in Landshut, Landsteuereintreiber des Rentamtes Landshut und Träger des hohen Ritter Ordens des Sankt Michael, Großkreuzer. In Gott selig entschlafen den 25. Mai 1774 im 64. Jahr seines tugendvollen Alters. Sanftmut, Gütig- und Freigebigkeit haben ihm bei jeder-mann Liebe und Achtung, dort aber ungezweifelt einen gnädigen Richter erworben. Seine unge-heuchelte Gottesfurcht, Andacht und Gerechtigkeitsliebe werden den Lohn erhalten haben, der den Frommen und Gerechten versprochen ist.“
Seine Gattin die Reichsgräfin Maria Eleonore lässt das Grabdenkmal ihrem geliebten Gemahl errichten, „diejenige welche im Leben mit ihm vereinigt war, und deren Gebeine mit den seini-gen hier ruhen werden“.

Nach dem Tode von Johann Franz Xaver 1774 hatte die Gräfin bis zu ihrem Tode 1782 als Or-dendame die Abgeschiedenheit gewählt und ist in ein Kloster gegangen. Auf dem Grabstein steht, dass Maria Eleonora Gräfin von und zu Freyen Seyboltstorf, geb. Freiin von Haacke „auf Schwainesbainth, Schrabblau, Winterburg und Sternkreutz“ als Ordensdame im Alter von 60 Jahren am 11. März 1782 ihrem Gemahl gefolgt ist und hier bei ihm begraben liegt.

Auf dem Grabstein befindet sich eine so genannte Ahnenprobe. Es sind Darstellungen von Fa-milienwappen, welche zur Zulassung für eine Adelsvermehrung im Wappen z. B. wie hier bei Johann Franz Xaver zum Reichsfreiherrn und Grafen nötig waren. Die Ahnenprobe besteht zu-erst einmal aus vier Familienwappen (Freiherren), dann aus acht Wappen (Grafen), und die zwei Ehewappen der Familienlinien Seyboldsdorf/Lerchenfeld – und seiner Gattin der Adeligen Haacke/Stinglheim.

Das Portrait
Das Portrait auf Leinwand zeigt den jungen Grafen Johann Franz Xaver Cajetan, als einen freundlichen jungen Adeligen von männlicher Schaffenskraft – und trotzdem hat das Portrait etwas Unheimliches an sich. Man muß ihn gesehen haben, den Blick des Grafen der in jedem Blickwinkel auf den Betrachter wirkt – man fühlt sich von den großen glänzenden Augen ver-folgt. Die vom Maler angewandte Technik ist einfach aber wirksam, und gibt dem Gemälde eine besondere Note. Dem Mythos der Seyboldsdorfer Klosterschwestern ist der Graf durch die Schenkung an das Vilsbiburger Museum entschwunden.
Beim Eingang zur derzeitigen Sonderausstellung „… viel köstlich Wachsbild – die Lebzelterfa-milie Lechner“ kann der junge Graf von Seyboldsdorf mit seinem verfolgenden Blicken von den Museumsbesucher in Augenschein genommen werden.

Peter Käser

Das Portrait des Grafen Johann Franz Xaver von und zu Freyen Seyboldsdorf, im Museum Vils-biburg.
Das Grabmal des Grafen Johann Franz Xaver und seiner Gemahlin Maria Eleonora in der Pfarrkirche Seyboldsdorf.

Der Stein von Buja begründete die Partnerschaft

Heimatmuseum zeigt umfangreiche Dauerausstellung über das Ziegelhandwerk

Vilsbiburg. Es ist wie immer, wenn eine große Sonderausstellung zu Ende gegangen ist und die Vorbereitungen für eine neue auf vollen Touren laufen. In diesem Zwischenraum müssen die Museumsbesucher ihren Fokus auf die übrigen rund 900 Quadratmeter umfassenden Ausstellungsflächen richten und werden feststellen, dass hier noch viele unentdeckte Kostbarkeiten schlummern. Das gilt besonders für die Abteilung „Ziegelpatscher und Ziegelbrenner im Vilsbiburger Land“, die räumlich so weit entfernt vom Eingang untergebracht ist, dass manche Gruppen ihren Rundgang schon vorher wegen Zeitnot beenden. Doch im III. Obergeschoss des ehemaligen Spitalgebäudes kann man nicht nur den spannenden Wirtschaftskrimi eines knallharten Gewerbes erleben, es sind die Wurzeln der höchst lebendigen Städtepartnerschaft zwischen Buja und Vilsbiburg zu besichtigen. Und vor allem der „Stein des Anstoßes“, der zu dieser internationalen Freundschaft geführt hat.

„BUIA SANTI ANGELO STANSTI“ lautet der Schriftzug auf einer Ziegelplatte, der irgendwann vor mehr als 30 Jahren im Heimatmuseum für Kopfzerbrechen sorgte. Der Stein kam aus dem Bereich der Gemeinde Bodenkirchen, wo er in einem landwirtschaftlichen Anwesen über Jahrzehnte Teil des Fußbodens in der bäuerlichen Stube war. Es war dem damaligen Beiratsmitglied Dr. Fritz Markmiller vorbehalten, neben dem Namenszug, der mit großer Wahrscheinlichkeit auf einen italienischen Ziegelarbeiter hindeutet, die Ortsbezeichnung „Buia“ mit einer Kommune in der Provinz Friaul nahe der Großstadt Udine in Verbindung zu bringen. Der Dingolfinger Kreisheimatpfleger wusste auch von Arbeitern zu berichten, die im späten 19. Jahrhundert und bis zum I. Weltkrieg Jahr für Jahr den weiten Weg nach Bayern auf sich nahmen, um hier den Sommer über in einer der zahlreichen Ziegeleien ihr karges Brot zu verdienen.

Da traf es sich gut, dass sich zum ersten großen Schülertreffen im Jahr 1979 auch ein steinalter Italiener und gleichzeitig geborener Vilsbiburger eingefunden hatte. Dr. Domenico Calligaro war 1890 nahe dem Vilsufer zur Welt gekommen und mehrere Jahre in dem kleinen Marktflecken in den Kindergarten und zur Schule gegangen. Beweisen konnte er dies durch ein gar nicht so schlechtes Zeugnis aus der hiesigen Bildungsstätte. Es erwies sich als sehr günstig, dass Lambert Grasmann, schon damals Leiter des Heimatmuseums, diese Stecknadel im Heuhaufen der rund 3.000  ehemaligen Schüler fand. Der alte Herr konnte nämlich viel von seinem Vater Luigi Calligaro erzählen, der lange als Ziegelakkordant tätig war. Heute würde man ihn wohl als Inhaber einer Leiharbeitsfirma bezeichnen. Der Akkordant warb in seiner Heimat Arbeiter an, die er in Vilsbiburg und anderen Orten an die Besitzer der Ziegeleien vermietete. Und somit kannte Calligaro die beiden Seiten der Medaille: den Grund, warum die stolzen Italiener ihre Heimat verließen und die besonderen Arbeitsbedingungen, die sie jenseits der Alpen vorfanden.

Der Rest ist schnell erzählt: Noch im Jahr des Schülertreffens besuchte Grasmann Dr. Domenico Calligaro in Buja und kehrte mit vielen wertvollen Informationen nach Hause zurück. Mit der Zeit reifte die Idee, diesen interessanten Aspekt der Arbeits- und Sozialgeschichte in einer Sonderausstellung zu präsentieren, die dann im Jahr 1997 realisiert wurde. Für weitere Recherchen und die Einholung von Leihgaben reiste Lambert Grasmann zusammen mit Franz Grötzinger ein weiteres Mal nach Oberitalien. Zur Eröffnung der Sonderschau kamen erstmals Gäste aus dem Friaul in das Heimatmuseum. Es entwickelten sich enge Kontakte, die in Gegenbesuche und schließlich in eine Städtepartnerschaft mündeten, die auf einer gemeinsamen Historie basiert. So war denn ein eher unscheinbarer Stein mit einer etwas ungelenken Inschrift der Anstoß für die völkerverbindende Freundschaft zwischen Buja und Vilsbiburg.
Veröffentlicht in der Vilsbiburger Zeitung am 7. März 2012.


Ein italienischer Ziegelarbeiter wollte offenbar seinen Namen und den Herkunftsort der Nachwelt mitteilen. Geführt hat dies zu der Städtepartnerschaft zwischen Buja und Vilsbiburg.

Bürgermeister Haider enthüllt Gedenktafel für seinen Vorgänger Michael Winkler

 

Vilsbiburg. Er war ein Bürgermeister, der auf breiter Front neue Entwicklungen angestoßen hat. In die 20-jährige Amtszeit von Michael Winkler von 1897 bis 1917 wurde noch vor der Jahrhundertwende das elektrische Licht nach Vilsbiburg gebracht. Wie Museumsleiter Lambert Grasmann weiter berichtete, sei bereits 1902 der erste Kindergarten, damals „Kleinkinderbewahranstalt“ genannt , eröffnet worden und drei Jahre später habe man die im Wesentlichen noch heute gebräuchliche Hausnummerierung eingeführt. Im Jahr 1912 sei mit der Eröffnung der Kraftpostlinien von Vilsbiburg nach Velden und Reisbach ein schon lange gehegter Wunsch des Bürgermeisters und seiner Markträte in Erfüllung gegangen.

 

Dass sich am vergangenen Freitag eine kleine Gruppe von Leuten, darunter auch Besucher aus dem Ausland im Spitalgarten zusammen fanden, ist einer weiteren Vision von Michael Winkler geschuldet. „Es gehört ja auch zu den Zwecken des Unternehmens, die fast in vollständiges Dunkel gehüllte Geschichte des Ortes und des Bezirks Vilsbiburg allmählich aufzuhellen.“ Dies verkündete der Magistrat des Marktes Vilsbiburg unter dem Vorsitz des Bürgermeisters Mitte 1909 und mit dem „Unternehmen“ war ein Ortsmuseum gemeint, das nach relativ kurzer Aufbauphase Ende 1910 im Haus Kirchenweg eröffnet und von Michael Winkler offiziell in die Obhut der Kommune übernommen wurde. Somit war das Gemeindeoberhaupt noch vor der aus honorigen Bürgern bestehende Museums-Commission der eigentliche Gründer der seit mehr als hundert Jahren erfolgreich tätigen Kultureinrichtung.

 

Das Treffen im Spitalgarten wäre nicht möglich gewesen, hätte nicht Franz Klopfer vor rund 30 Jahren bei der Auflösung der Winklerschen Familiengruft die Grabplatte sichergestellt. „Ich fand sie einfach zum Wegwerfen zu schade“, gab der Steinmetzmeister als Motiv an – zum einen wegen des historischen Hintergrundes und zum anderen wegen der schönen Schrift. Von dieser war allerdings kaum mehr etwas zu sehen, als die Vorstände des Heimatvereins die Tafel zum ersten Mal zu Gesicht bekamen. Gleichzeitig war aber auch erkennbar, dass man sie mit vertretbarem Aufwand restaurieren werde können. Spontan sagte Bürgermeister Haider zu, die Kosten dafür, die einer kleinen Zusatztafel und das Anbringen an der Außenwand der Spitalkirche aus dem Haushalt der Stadt zu übernehmen.

 

So wurde denn dieses neue Merkzeichen aus der Vilsbiburger Geschichte bei einem kleinen Festakt vom Stadtoberhaupt enthüllt. Haider sagte, er sei dankbar, dass Franz Klopfer den Stein gesichert und der Heimatverein die Initiative für eine würdige Präsentation ergriffen habe. Schließlich sei Winkler nicht nur Vilsbiburger Ehrenbürger gewesen, sondern auch von König Ludwig III. bei dessen Besuch in Vilsbiburg im Jahr 1914 persönlich mit dem Verdienstkreuz des Ordens vom Heiligen Michael ausgezeichnet worden.

 

Besonders erfreut über den Anlass war neben einigen Aktiven des Heimatvereins auch eine Nachfahrin des Brauereibesitzers. Ellen Meyrat-Schlee war mit ihrem Gatten Franz Biffinger eigens zu diesem Anlass aus der Schweiz angereist. Die Urenkelin, die in Vilsbiburg auch ein Jahr zur Schule gegangen war, berichtete, Winkler habe seine Braustätte mit Gasthaus am Vilsbiburger Marktplatz im Jahr 1852 erworben. Im Jahr 1923 seien die beiden Anwesen abgebrochen worden um der heutigen Sparkasse Platz zu machen.

 

Somit erinnert von nun an ein kleines Denkmal im Spitalgarten an einen bedeutenden Vilsbiburger Bürgermeister, der sich in einer Epoche, die man bei großzügiger Auslegung noch als die Gründerzeit bezeichnen kann, nicht nur dem technischen Fortschritt verschrieben hat, sondern auch stets die kulturelle und historische Identität Vilsbiburgs im Auge behalten hat.

 

 

Bürgermeister Helmut Haider enthüllt die Grabplatte seines Vorgängers und früheren Ehrenbürgers Michael Winkler.
Ellen Meyrat-Schlee aus Bern (Mitte) freut sich zusammen mit ihrem Mann Franz Biffinger (4. von links), Bürgermeister Helmut Haider, Steinmetzmeister Franz Klopfer (3. von rechts) und den Aktiven des Heimatvereins über das gelungene Werk.

Die Pfarrkirche Vilsbiburg sollte um 1910 umgebaut werden

Nach der Jahrhundertwende wollte man das Vilsbiburger Gotteshaus mit einem gewaltigen Erweiterungsbau zum „Dom des Vilstales“ machen. Der Kirchenbau sollte im Bereich des Chorbogens in einem Teilabriss und vollkommen neuer Konzeption niedergelegt und dann mit drei weiteren Fensterjochen und einem Querschiff in Kreuzform und seitlichen Emporen angebaut werden. In einem Wettbewerb stellte der Münchner Architekten Joseph Elsner junior 14 Pläne im Dezember 1907 vor  – viele farbig auf Karton aufgezogen. Elsner hätte mit dem Kircheneu-/anbau alles vorher da gewesene in den Schatten gestellt.
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Vor über 400 Jahren wurden im Vilsbi-burger Ziegelhof, oder auch genannt der Ziegelstadel, schon zu damaliger Zeit eine Menge an verschiedenem Zie-gelmaterial hergestellt wurde. Im Vilsbi-burger Pfarrarchiv befinden sich bei den Abrechungen zum Gotteshaus ab dem Jahr 1657/58, auch die alljährlichen Zie-gelstadelrechnungen. Der alte Bestand der verschiedenen Ziegel war darin auf-geführt, dann die im Arbeitsjahr herge-stellten großen Ziegelsteine, dem Riglstein (= halber Ziegelstein), große und kleine Pflastersteine, Hacken und Preisen (= Dachbedeckung, Mönch und Nonne) und Flatach oder Taschen (= Dachbedeckung, Biber-Schindel).

Interessant ist, dass diese Ziegelei weitum die einzige war, ja sogar von Landshut werden Ziegel geholt. Nach dem großen Brand von Vilsbiburg im Jahr 1366, wurden zum Neuaufbau des Gemäuers und der Dacheindeckung, nun sicherlich die Ziegel aus dem Vilsbiburger Ziegelstadel genommen.
Zu „Unser Lieben Frauen Gottshaus“ und „Pfarr Kirchen zu Vilsbiburg“ gehörte auch ein Ziegelhof oder Ziegelstadel. Die Bezeichnung Ziegelstadel könnte heute gleich-lautend sein mit einer Ziegelei, beinhaltend einen Ziegel-Brennofen, Ziegelhütten und Lehmgrube.
In einer Urkunde des Vilsbiburger Stadtarchivs vom 10. August 1497 befindet sich die derzeit älteste Nennung über den Vilsbiburger Ziegelhof: Wolfgang Mairhofer „an der Zeit auff dem Zieglhoff ze Piburgk gesessen“. Er und seine Ehefrau Margarethe übergeben mit weiteren Verwandten, so genannte Leibgedinganteile an das hiesige Spital und die St. Katharinenkirche (= Spitalkirche).
Mit dieser Untersuchung zur Ziegelei der Vilsbiburger Pfarrkirche, konnte wiederum ein Teilbereich der historischen Nachforschung zur Stadt Vilsbiburg abgedeckt wer-den.
Peter Käser
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Im Jahr 1883 wird die Bahnstrecke Neumarkt-St. Veit – Landshut eröffnet

 

Vilsbiburg. Es ist eine beispiellose industrielle Revolution: Die bis dahin über Jahrhunderte einzig verfügbare Fortbewegungsart mit Pferd und Wagen wird in wenigen Jahrzehnten von einem vernetzten Verkehrsmittel abgelöst, das die Reisezeiten drastisch verkürzt. Die völlig andere Art des Fahrwegs aus Eisen gibt der Bahn ihren Namen und schafft gleichzeitig die Voraussetzungen für einen ungeahnten Aufschwung. Neue Transportmöglichkeiten ermöglichen einerseits den Aufbau einer Schwerindustrie, andererseits schafft der Bahnbau in kurzer Zeit eine gewaltige Nachfrage an Eisen, Stahl und Maschinen. Es beginnt sich ein wirtschaftliches Schwungrad zu drehen, das in dieser auch „Gründerzeit“ genannten Epoche nicht wenige Industrielle zu unverschämtem Reichtum, die untere Schicht des einfachen Volkes aber zu verschämter Armut führt.

 

Diese sozialen Verwerfungen sind in den ländlichen Regionen Niederbayerns nicht im vollen Umfang spürbar. Doch man erkennt auch hier die Zeichen der Zeit und will einen Zugang an das sich ausbreitende Eisenbahnnetz. Als bekannt wird, dass die Königliche Actiengesellschaft der Bayerischen Ostbahnen eine Strecke von Erding über das Vils- und Rottal nach Schärding plant, schließt sich die Marktgemeinde Vilsbiburg im Jahr 1863 einem Lobbyverein an, der dieses Projekt forcierten soll. Doch schnell stellt sich diese Linienführung als Illusion heraus. Bis zum nächsten Vorstoß gehen weitere 14 Jahre ins Land. 1874 wendet sich der Markt Vilsbiburg an die Kammer der Abgeordneten in München mit der Bitte, eine Bahnstrecke von Gangkofen über Vilsbiburg nach Landshut zu genehmigen. Doch auch dieser Vorschlag fällt auch wenig fruchtbaren Boden.

 

Das Kriegsministerium entscheidet

 

Schützenhilfe bekommen die Vilsbiburger ausgerechnet von den Militärs. Deren Überlegungen orientieren sich aber nicht an der Erschließung des Landes. Dem Königlichen Kriegsministerium schwebt vielmehr eine direkte Verbindung zwischen Freilassing über die Knoten Mühldorf, Neumarkt an der Rott und Landshut zur Festung Ingolstadt vor. Auch wenn das Teilstück nördlich der Isar nie verwirklicht wird, geht es nach diesem mächtigen Beistand auf einmal schnell. Am 1. Mai 1878 teilt das Bezirksamt der Gemeinde Vilsbiburg mit, die Planungen für die Bahnstrecke würden demnächst beginnen und es sei sicherzustellen, „dass die Projektierungsarbeiten in keiner Weise behindert werden dürfen“. Im Frühjahr 1880 legt die Generaldirektion der Königlich Bayerischen Staatsbahnen den Detailplan für den Streckenabschnitt von Landshut nach Neumarkt vor. Ein feierlicher Erster Spatenstich lässt sich in den Archivalien nicht nachweisen; wahrscheinlich findet er auch nie statt. Zunächst werden wohl die zahlreichen Hochbauten ausgeführt. Eine Ausschreibung für die Brücken über die Große und Kleine Vils findet sich im Amtsblatt des Bezirksamtes Vilsbiburg vom Juni 1881.  

 

Der Schienenstrang erreicht Vilsbiburg

 

Am 11. Juli 1883 meldet die örtliche Presse, die Bahnstrecke habe am Abend vorher mit der Schienenlage Vilsbiburg erreicht. Wie sehnlich der neue Verkehrsweg hier offenbar erwartet wird, zeigt die Tatsache, dass schon im September 1883, also vor der offiziellen Inbetriebnahme, die ersten Wagenladungen mit Kalk und Kohle für die Firma Franz Xaver Hardt eintreffen. Der Vilsbiburger Anzeiger“ begleitet den Bahnbau ohnehin mit großem Wohlwollen und führt weiter aus: „Schon die günstige Lage des Bahnhofs in nächster Nähe dieses lebhaften und gewerbsamen Marktes ist dazu angetan, Handel und Gewerbsthätigkeit zu sichern und zu vermehren, sowie andererseits von Seite der Gewerbetreibenden gewiß Alles aufgeboten wird, die Kunden und Besucher Vilsbiburgs in jeder Weise auf’s Best zu befriedigen.“

 

Am 4. Oktober 1883 wird die Eröffnung der Bahnstrecke mit dem üblichen Pathos, vielen Ehrengästen und einen Extrazug begangen. Ab dem 15. Oktober tritt dann der erste reguläre Fahrplan in Kraft, der pro Tag drei Zugpaare zwischen Neumarkt an der Rott und Landshut vorsieht. Von Vilsbiburg kann man um 5.34 Uhr, 10.00 Uhr und 5.01 Uhr nachmittags nach Landshut reisen; um 7.00 Uhr, 2.25 Uhr nachmittags und 6.16 Uhr abends fahren Züge zurück. Nachdem die neue Schienenverbindung als Sekundärbahn eingestuft und auf eine Geschwindigkeit von 30 km/h beschränkt ist, dauert die Reise von der Isar an die Vils eine Stunde und 20 Minuten. Ein Aushang weist jedoch ausdrücklich darauf hin: „Bei Sturmwind verkehren keine Züge!“

 

In den nächsten 130 Jahren erlebt die Strecke eine wechselvolle Entwicklung. Vielleicht wird sie sogar einmal zweigleisig und elektrifiziert zum Teil einer Magistrale von den Ostseehäfen zum Mittelmeer. Derartiges ist jedenfalls in einer Randnotiz zum Bundesverkehrswegeplan als Möglichkeit angedacht. Es kann aber auch sein, dass diese Vision ebenso wie jene einer Militärbahn von Ingolstadt nach Freilassing endet.

Bis in die 1970er Jahren werden die meisten Züge von Dampflokomotiven gezogen. Hier die Einfahrt einer Eilzuglok der Baureihe 38 beim Schrankenposten an der Landshuter Straße
Das Foto aus dem Jahr 1882 zeigt den Neubau der Station Vilsbiburg. Rechts im Hintergrund die bereits fertiggestellte Bahnhofs-Restauration.
Die Belegschaft des Bahnhofs Vilsbiburg in der Zeit um 1900. In dem niedrigen Anbau rechts ist das Postamt Vilsbiburg 2 untergebracht. (Fotos: Archiv Heimatmuseum Vilsbiburg)

Im Oktober 1973 werden die umgestalteten und erweiterten Ausstellungen eröffnet

 

Vilsbiburg. Es ist nur ein kleines Jubiläum und auch eines, das keinen großen Festakt erfordert. Aber es erinnert doch an eine wichtige Markierung auf dem Weg des Heimatmuseums durch seine Geschichte seit dem Jahr 1910. Ereignisreich ist die Reise von der kleinen Sammlung im Haus Kirchenweg 1, das in diesen Tagen durch die denkmalgerechte und doch moderne Umgestaltung zu einer Kinderkrippe Aufsehen erregt. Im Jahr 1958 erfolgt der Umzug in das ehemalige Heilig-Geist-Spital neben dem Stadttor und zum Volksfest desselben Jahres die Wiedereröffnung in drei Zimmern und dem dazugehörigen Gang des ersten Obergeschosses. Doch das Museum vermag es nicht so recht, sich im Bewusstsein der Öffentlichkeit zu etablieren. Vielleicht hat Bezirksheimatpfleger Dr. Hans Bleibrunner Recht, wenn er den Schritt in das Spitalgebäude zwar als Anfang bezeichnet, den Beständen jedoch attestiert, sie seien viel zu stark zusammengedrängt. Daher müsse die Stadt weitere Räume in dem Anwesen zur Verfügung stellen.

 

Doch diese Bestrebungen wollen nicht so recht vorankommen. Schon zwei Jahre nach der Neueröffnung bleibt die Ausstellung geschlossen und die Vorstandsmitglieder des Heimatvereins vergessen über gegenseitige Schuldzuweisungen ihre Aufgabe, das Museum weiter zu entwickeln. Folglich tritt der Verein in den Jahren zwischen 1960 und 1967 mit keinerlei Aktivitäten an die Öffentlichkeit. Erst eine Aufforderung des Amtsgerichts Vilsbiburg, die fällige Neuwahl nachzuholen, beendet diesen Dämmerschlaf. Josef Billinger, der damalige 2. Vorsitzende des Heimatvereins und Bürgermeister der Stadt Vilsbiburg ergreift die Initiative, lädt zu einer Mitgliederversammlung ein und wird auch prompt zum Vereinschef gewählt. Im April 1968 erscheint erstmals ein Mitteilungsblatt, in dem vom Eintritt einer Gruppe jüngerer Leute um den späteren Museumsleiter Lambert Grasmann berichtet wird.

 

Dieser Zuwachs an ehrenamtlich tätigen Mitarbeitern lässt im Bürgermeister und seinem Stadtrat offenbar das Vertrauen in eine gute Zukunft des Heimatmuseums wachsen. Jedenfalls geht man Anfang des Jahres 1970 von einer Vergrößerung der Ausstellungen im gesamten vorderen Teil des Spitalgebäudes aus und genehmigt gleichzeitig die notwendigen Umbaumaßnahmen. Nun ist das junge Team, das im Februar 1973 auch in die Vorstandsarbeit integriert wird, gefordert – und es wird die Erwartungen nicht enttäuschen. Schon im Oktober desselben Jahres kann das völlig neu aufgestellte Museum, das sich von drei Zimmern auf drei Stockwerke ausgeweitet hat, der Öffentlichkeit präsentiert werden. Und dieses Wochenende wird ein durchschlagender Erfolg. Am Samstag, 20. Oktober kommen einige hundert Besucher zu einem Volksmusik-Hoagarten in die Aula der Hauptschule. Der Sonntagvormittag erlebt einen Festakt im Spitalgarten und am Nachmittag des Eröffnungstages wollen beim Tag der offenen Tür mehr als tausend Besucher die neuen Ausstellungen sehen.

 

Die Kröninger Hafnerkeramik

 

Besonders überrascht sind die Gäste dabei von den vielen verschiedenen Erzeugnissen der Hafner auf dem Kröning und an der Bina. In der völlig neu gestalteten Abteilung wird im gesamten ersten Dachgeschoss mit rund 900 Exponaten die breite Produktionspalette des traditionsreichen Handwerks gezeigt. Dieser Schwerpunkt wird das Museum in den nächsten Jahrzehnten weit über die Grenzen der engeren Heimat hinaus bekannt machen. Schon nach weniger als zwei Jahren erkennt das Museumsteam, mit noch so gut gestalteten Dauerausstellungen allein kann man eine Sammlung nicht anziehend halten. Deshalb wird im Jahr 1975 die erste von nunmehr insgesamt 46 Sonderausstellungen angeboten.

 

Mehrere Erweiterungen und eine große Neuaufstellung nach der Sanierung des Spitalgebäudes in den Jahren 2000 bis 2002 haben die Attraktivität des Heimatmuseums weiter gesteigert. Doch das Museumsteam will sich nicht auf dem in mehr als vier Jahrzehnten erreichten Status ausruhen. Es ist geplant, im zweiten Dachgeschoss neben der im Jahr 2005 eröffneten Abteilung „Ziegelpatscher und Ziegelbrenner im Vilsbiburger Land“ eine weitere Dauerausstellung zu platzieren, in der ländliches Mobiliar gezeigt werden soll. Und natürlich plant Museumsleiter Lambert Grasmann schon die nächste Sonderausstellung. Im Jahr 2014 ist nach langer Pause wieder ein Thema aus dem Kröninger Hafnergebiet an der Reihe.

Noch häuft sich der Bauschutt im ehemaligen Heilig-Geist-Spital, als Bürgermeister Josef Billinger (Mitte) im Jahr 1971 zusammen mit den Vorstandmitgliedern des Heimatvereins die künftigen Ausstellungsräume des Museums inspiziert.
Bezirksheimatpfleger Hans Bleibrunner (rechts) würdigt am 21. Oktober 1973 die in Vilsbiburg geleistete Museumsarbeit. (Fotos: Archiv Heimatmuseum Vilsbiburg)
Das große Interesse der Bevölkerung im Vilsbiburg Land an dem neu gestalteten Museum drückt sich durch den regen Besuch am Nachmittag des Eröffnungstages aus.
In der vollbesetzten Aula der Hauptschule wir die Wiedereröffnung des Heimatmuseums mit einem Volksmusik-Hoagartn eingeläutet.

Die „Steinerne Grenzsäule“ der Herrschaft Seyboldsdorf

Nur noch schwer zu entziffern sind die eingemeißelten Buchstaben und Ziffern.

Die Säule benötigt eine Instandsetzung.
Gleich hinter den letzten Häusern von Vilsbiburg auf der Straße nach Seyboldsdorf, steht rechts der Straße etwas abgesenkt und versteckt, die steinerne Grenzsäule der ehemaligen Herrschaft Seyboldsdorf. Die Säule wurde von den Schulkindern im Rahmen eines Wandertages immer gerne besucht. Die Schreibweise des in Seyboldsdorf ansässigen Grafengeschlechtes war eigentlich immer „Seyboltstorff“ was auch von den rund 35 Grabdenkmälern, die sich noch in der Seyboldsdorfer Pfarrkirche befinden, leicht zu entnehmen ist.

Über vierhundert Jahre hat die alte Grenzsäule schon auf dem Buckel. Auf der schlanken, etwa 2,80 Meter hohen Rundsäule befindet sich ein Giebelklotz mit den schlecht zu entziffernden Relief-Insignien der Adeligen von Seyboldsdorf. An der Südseite ist das herold´sche Stufenwappen der Seyboltstorfer, darüber ein Schriftenband mit den Anfangsbuchstaben A – V – S, welches mit Achatz von Seyboltstorff zu übersetzen wäre. Gegenüber sind die Anfangsbuchstaben C – B – V – S eingemeißelt, was mit Christoph Bernhard von Seyboltstorff zu deuten ist, und ebenfalls das Wappen mit den drei Stufen, welches die drei Familienlinien der Seyboltstorffer zu Niederpöring, Ritterswörth (bei Geisenfeld) und Schenkenau (bei Hohenwarth) bezeichneten. Auf der Ostseite nennt ein Schriftband die Jahreszahl 1593. Gegenüber befindet sich die Abkürzung HGFVZS, was mit Hans Georg Freiherr von und zu Seyboltstorff zu entziffern wäre, sowie die Jahreszahl 1676. Die Steinsäule bezeichnete die südliche Grenze der ehemaligen Hofmark und Grafschaft Seyboldsdorf.

Einer Aufschreibung nach wurde die Säule durch Achatz von Seyboldsdorf im Jahr 1593 errichtet, von den Schweden 1648 in der Mitte entzwei geschlagen und im Jahre 1676 von Hans Georg von Seyboldsdorf wiederum aufgestellt.

Der auf der Grenzsäule genannte Achatz von Seyboltstorff wird urkundlich 1580 bis 1590 zu Altmannstein und Neuhaus genannt. Er war mit Melusina von Preysing verheiratet. Seine Eltern waren Lorenz von Seyboltstorff, Pfleger in Ried 1517 bis 1534, Margareth von Rhain war seine erste Frau, seine zweite war Hedwig von Schwarzenstein.

Die Abkürzung C – B – V – S nennt einen Christoph Bernhard von Seyboltstorff, welcher mit Anna von Münchau verheiratet war. Er hat in Gerzen beim Schloss viel gebaut. Ein Christoph von Seyboltstorff findet sich in der „Stammtafel adeliger Familien“, entworfen von Dr. Ludwig Heinrich Krick. Er vermählt sich 1577 in Straubing mit Regina von Parsberg. Der Wappen-Grabstein von beiden befindet sich in der Pfarrkirche von Ascha, LK Straubing-Bogen. Sie wohnten auf Falkenfels und Flügelsberg, im Gericht Mitterfels. Christoph starb 1606. Die Herren von Seyboltstorff waren von 1510 bis 1606 auf der Burg Falkenfels bei Straubing. Die Eltern von Christoph waren Sigmund von Seyboltstorff zu Falkenfels, welcher mit Sabina von Murach verheiratet war.

Die weitere Nennung auf der Grenzsäule gehört zum Freiherrn Hans Georg (Graf seit 1692) von Seyboltstorff. Die ganze Freiherrliche Familie in Bayern wird am 31. Dezember 1692 durch die kaiserliche Ernennung zum Grafen erkannt und ausgeschrieben. Hans Georg war Kastner in Landshut von 1659 bis 1662, Pfleger in Hengersberg 1663 bis 1669 und Moosburg von 1669 bis 1690, auch geheimer Rat, Vizedom (= herzoglicher Stellvertreter) in Straubing und Landshut 1683 bis zu seinem Tode 1699. Er heiratet 1667 Maria Franziska Gräfin von Fugger und Nothaft auf Taufkirchen, welche 1697 verstorben ist. Beide hatten drei Söhne. Hans Georg kauft am 6. November 1676 die Hofmark Göttlkofen von Wolf Adam von Fraunhofen.

 

Das Adelsgeschlecht der „Freyen“ von Seyboldsdorf wurde 1643 und 1669 durch Kaiser Ferdinand III. in den Reichs-Freiherrenstand erhoben. 1692 erlangten die Freiherren unter Kaiser Leopold die Reichs-Grafenwürde mit einer Vermehrung im Wappen, einem Herzschild und der neunzackigen Grafenkrone. Sie gehörten zum Ältesten und Besten hochfreien Adel und waren Dienstmänner der Herzöge und der Kirche.

 

Im Geheimen Landesarchiv des Hauptstaatsarchivs München unter Nr. 1018, befindet sich auf Seite 239`f die Beschreibung der Hofmark Seyboldsdorf vom Jahr 1619. Alle drei Schlösser in Seyboldsdorf sind gemauert. Interessant ist auf Seite 240 der Schriftsatz über die steinerne Säule: „Die Überantwortung der Mallefiz Personen, geschieht von Seyboldsdorf aus nach Biburg am Schachtenholz, bei ainer Stainern Creizseillen. Alda des ordentlich gewerkh ist.“ Die Überantwortung strafbarer Personen, die sich im Hofmarksbezirk Seyboldsdorf aufgehalten haben wurden an dieser steinernen Säule – die aus ordentlichem Material gemacht ist – nach Biburg dem Amtmann oder Schergen überstellt.

 

Die steinerne Grenzsäule an der Straße nach Seyboldsdorf gehört zu den historischen Relikten die unsere schöne niederbayerische Heimat zu bieten hat: Erinnerungen an eine herrschaftliche Hofmark, den Freiherren und dem Grafengeschlecht der Seyboltstorffer. Die Schrift im oberen Teil der Säule ist nur noch vom Kenner zu entziffern, sie müsste nachgearbeitet, restauriert werden. Vielleicht findet sich ein herzhafter Gönner der dieser 400 Jahre alten, kulturgeschichtlich doch wertvollen Granit- und Grenzsäule wieder zu einem jugendlichen Aussehen verhilft.

Peter Käser

Frauensattling Geschichte von Frauensattling, Straßen und Wege, Frühgeschichte

Frauensattling
Geschichte von Frauensattling, Straßen und Wege, Frühgeschichte
Heimatkundler Peter Käser, Binabiburg, berichtet in einer interessanten Dokumentation über die Besiedlung des oberen Vils- und Binaraumes, die bis ins Neolithikum um das Jahr 5000 vor Christus zurück zu verfolgen ist. Er spannt einen weiten Bogen von der ersten Besiedlung bis zur tausendjährigen neuzeitlichen Geschichte Frauensattlings. Ausführlich beschreibt er die archäologischen Funde, alte Wege und Straßen, alte Hausnamen, die Lichtenburg, Römer und Urbayern usw…
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