Sonderausstellung „…mich adelt die Kunst“ –
Leben und Werk des Landschaftsmalers Eduard Schleich d. Ä. (1812 – 1874)

Vorstellung des Katalogs als Band 14 der Vilsbiburger Museumsschriften

Der Heimatverein stellt heute erneut eine Museumsschrift vor, und damit seit 1997 die bereits vierzehnte Ausgabe in dieser Reihe. Zugrunde dieser Publikationen  lagen meistens in unserem Heimatmuseum veranstalteten Sonderausstellungen, wobei nicht immer begeleitende Kataloge mit erläuternden Aufsätzen erschienen sind. Vor allem in der Zeit nach dem Neuanfang des Heimatvereins und der Neuaufstellung der Museumsbestände im Jahr 1973, war dies schon aus finanziellen Gründen nicht möglich. Wir konnten uns dazu jeweils lediglich einen Ausstellungsprospekt leisten. Erste und wertvolle Hilfestellung hierzu ermöglichte der Museumspfleger aus Dingolfing Fritz Markmiller, der in seiner historischen Schriftenreihe „Der Storchenturm“ und in den Sonderheften dem Heimatverein Vilsbiburg die Möglichkeit eröffnete, bei Sonderausstellungen in unserem Museum Kataloge zu veröffentlichen. Ich denke hier an die Sonderschauen „Kröninger Hafner“ 1976/77, „Wallfahrt im Volksbarock“ 1982,  dann die Ausstellungen „Keramische Raritäten aus dem Kröning“ 1984, „Kachelöfen“ 1989, „Backmodel“ 1990 um nur einige wichtige zu nennen. Im Übrigen haben wir seit 1975 über 40 Sonderausstellungen veranstaltet.

Nach dem Motto – so ein Zitat aus Goethes Faust I –
„Denn was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen“ –
hat dann der Heimatverein ab 1997 zu seinen Sonderausstellungen professionell gestaltete Kataloge mit begleitenden Aufsätzen herausgegeben, die auch in der Fachwelt Aufmerksamkeit finden.

In unserer neuen Museumsschrift Nr. 14 zur Ausstellung „…mich adelt die Kunst. Leben und Werk des Landschaftsmalers Eduard Schleich des Älteren“ beleuchtet Peter Barteit mit dem Beitrag „Zeitzeichen im Leben von Eduard Schleich d.Ä.“ die Lebensstationen, beginnend mit dessen Geburt im Schloss Haarbach am 14. Oktober 1812, ein Ereignis, das dort beileibe nicht den Beifall aller Familienangehörigen gefunden haben dürfte. Weiter wird der Weg Schleichs über seine Zeit zunächst in München, über seine Wanderungen im Voralpenland und den Reisen beschrieben, die ihn mit Malerkollegen u.a. mit Carl Spitzweg, Christian Morgenstern bis nach Italien, nach Paris, London und Belgien führten. Nicht zuletzt führt Peter Barteit die zahlreichen Ehrungen Schleichs und die Berufung als Professor an der Akademie der Bildenden Künste in München sowie als Leiter der Kunstausstellungen in München an.

Peter Käsers Beitrag vermittelt mit großer Sachkenntnis und Ausführlichkeit die Genealogie und Familienabstammung Eduard Schleichs d.Ä., die in Haarbach bis in die 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts zurückreicht. Kritisch geht er mit einer zeitgenössisch geäußerten Behauptung um, nach der der Schlossbesitzer und Vater Eduard Schleichs nach 1800 auf die Gant gekommen sei, also vor dem Ruin gestanden haben soll, was jedoch bei einem Grundbesitz von 300 Tagwerk und 110 Tagwerk Waldung eher unwahrscheinlich erscheint. Peter Käser wertet auch das bereits 1864 von Eduard Schleich abgefasste und unmittelbar nach seinem Tod im Jahr 1874 eröffnete Testament aus und bringt damit den Sohn und Haupterben Eduard den Jüngeren ins Spiel.

Eine beachtliche Fleißarbeit stellt der Beitrag von Ludwig Lohr dar, der in kriminalistischer Kleinarbeit vor allem in Münchner Archiven den Wohnsitzen und Aufenthaltsorten Eduard Schleichs des Älteren nachgegangen ist. Die Nachweise beginnen mit dessen Besuch des katholischen Seminars in Amberg von 1823 bis 1827, sie nennen auch die Einschreibung in der Akademie der Bildenden Künste in München, die zunächst nicht vom Erfolg gekrönt war. Ludwig Lohr weist dann ab 1835 alle Wohnaufenthalte, so zum Beispiel erstmals in der Frauenstraße Nr. 1 in München über 3 Stiegen oder in der Blumenstraße Nr. 9 später Nr. 5 nach (Gasthaus  „Zum Straubinger Hof“), wo der hier als Landschaftsmaler, Maler oder Kunstmaler, dann königlicher Professor und Mitglied der Akademie bezeichnete Schleich mit seiner Schwester, der Putzmacherin Xaverie oder Xaveria lebte.  

Dr. Helmut Kronthaler bringt uns in seinem Beitrag „An der Schwelle zur Moderne“ die Meisterschaft Eduard Schleichs des Älteren näher. Er erläutert aber auch,
warum die Landschaftsmalerei gerade im 19. Jahrhundert zu einer neuen Blüte kam, nämlich in Folge des aufkommenden Tourismus, und weil sich die vornehmen Sommerfrischler gerne ein Andenken von der Gegend mit nach Hause nehmen wollten. Helmut Kronthaler arbeitet auch klar und übersichtlich eine Unterteilung der drei Schaffensperioden Schleichs heraus, die zwar auch Wichmann schon ansatzweise behandelt hat. Anhand dieser Schilderung ist es möglich, die zum größten Teil nicht datierten Werke zeitlich einzuordnen.

Peter Barteit hat einen wesentlichen Teil der 346 Seiten umfassenden und nur maschinenschriftlich vorliegenden Dissertation von Prof. Dr. Siegfried Wichmann aus dem Jahr 1951 über „Das künstlerische Schaffen von Eduard Schleich dem Älteren“ zusammengestellt. Wichtige Bilder Schleichs, die zum besseren Verständnis über dessen künstlerisches Schaffen und den Stationen seines Werdegangs beitragen, konnten in die Museumsschrift aufgenommen werden.

Abschließend wäre noch festzuhalten, dass das Thema Eduard Schleich der Ältere immer noch nicht ausgereizt erscheint. So liegt bei Prof. Wichmann in dessen Archiv noch eine Fülle von unbehandelten und auch unveröffentlichten Bildern Schleichs, wovon Peter Barteit und ich uns anlässlich eines Besuchs bei ihm überzeugen konnten. Prof. Wichmann spricht deshalb von einer weiteren Dissertation über das Thema Schleich, doch inzwischen ist er über 90 Jahre alt.

Lambert Grasmann
Museumsleiter

Info:
Die Museumsschrift umfasst 153 Seiten und 85 größtenteils farbige Abbildungen. Er ist zum Preis von 16,80 Euro im Buchhandel, an der Kasse des Heimatmuseums Vilsbiburg oder im Internet unter der URL www.museum-vilsbiburg.de erhältlich. ISBN 978-3-9811826-8-2

Musik im Musem am 19. Mai 2012

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Richard Köll mit dem Tenorsaxophon, Michael Ross und der Gitarrist Stefan Amannsberger (von links) bringen Musik aus aller Welt in die Spitalkirche.
Richard Köll, Michael Ross und Stefan Amannsberger stellen bei „Musik im Museum ihre Vituosität unter Beweis.

Vortrag beim Heimatverein in Vilsbiburg vom 27.03.2012 „Auswirkungen der so genannten Landshuter Bauschule auf die Kirchen im Vilsbiburger Land„ von Martina Außermeier M.A.

Die so genannte Landshuter Bauschule als Überbegriff für die spätgotischen Kirchen in der Landshuter Region begegnet uns immer wieder in regionaler und überregionaler Literatur und soll dabei wohl einen kategorisierenden Charakter haben. Auch die Kirchen in und um Vilsbiburg, die im 15. Jahrhundert gebaut wurden, werden unter diesem Begriff geführt. In meinem Vortrag heute werde ich zunächst auf die Bauten der Vilsbiburger Kirchen, vor allem die Pfarrkirche, aber auch die Spitalkirche, eingehen, um später, bei einer Betrachtung der Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu St. Martin in Landshut den Begriff der Bauschule zu hinterfragen.
Zunächst aber eine kurze Einführung in die Zeit des ausgehenden Mittelalters: Das 15. Jahrhundert war eine wichtige Zeit in der Landshuter Region. Seit 1392 existiert das Herzogtum Bayern-Landshut mit Landshut als Residenzstadt. Das Herzogtum wird von den reichen Herzögen regiert und wie der Name schon sagt, waren diese vor allem durch Heinrich, den ersten der reichen Herzöge sehr wohlhabend und genossen auch auf Reichsebene großen Einfluss. Heinrich hatte durch geschickte und manchmal auch durch recht rücksichtslose Politik einen großen Schatz angehäuft. Dadurch war es auch möglich, dass die Stadt Landshut, 1204 gegründet, bereits seit Beginn des Jahrhunderts eine rege Bautätigkeit aufweisen kann: St. Martin ab 1385, Hl. Geist ab 1407, umfassende Arbeiten an St. Jodok zu ähnlicher Zeit. Der Bau der Landkirchen setzt dann allerdings im Allgemeinen erst später ein. Ab den 1450/60er Jahren ist hier eine rege Bautätigkeit zu beobachten. Nur an wenigen Orten wird früher gebaut, so in Vilsbiburg: Die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt, hier wird der Chor bereits 1413 geweiht, auch der Bau der Spitalkirche hat zu Beginn des Jahrhunderts begonnen.
Das 15. Jahrhundert ist aber auch die Zeit der Spätgotik: Kurz zum Begriff der Spätgotik Die Spätgotik stellt einen eigenen Epochenbegriff dar und im Gegensatz zur Hochgotik wurde nun nicht mehr nur die Vertikale, sondern auch die Horizontale an den Architekturen betont, um ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Höhe und Breite anzustreben. Außerdem war man bemüht, eine Einheit des Raums1 zu erzielen, indem man möglichst wenige separate Anbauten schuf. So nutzte man z. B. die Turmhalle gleichzeitig als Vorhalle der Kirche oder wenn der Turm am Chor ansetzte, hatte das Untergeschoss die Funktion einer Sakristei. Zudem gewann die Mauer wieder an Fläche: die Fenster wurden im Gegensatz zur Hochgotik wieder kleiner und die Wandfläche dazwischen wurde größer. Um die äußere Wand zu strukturieren setzte man u. a. Gesimse, Strebewerk, Lisenen oder Blendarkarden ein. Der Innenraum spätgotischer Kirchen ist meist von beeindruckenden Gewölberippen-figurationen geprägt, auch Konsolen und Dienste, die zur Aufnahme der Gewölberippen an den Wänden ansetzen und deren Fläche im Innenraum gliedern, gewannen an Bedeutung.
1 Zum Einheitsgedanken: Gerstenberg, Kurt, Deutsche Sondergotik, Darmstadt2 1969.
Die deutsche Spätgotik kann zeitlich zwischen 1350-1500 angesetzt werden und somit fällt sie zeitlich mit der Regentschaft der reichen Herzöge zusammen. So ist es auch nachvollziehbar, warum die Landshuter Gegend so viele spätgotische Bauten aufweisen kann. Gebaut wird dann, wenn genügend Geld vorhanden ist. Außerdem können die Kirchenbauten auch als Indiz der Herrschaftssicherung gesehen werden. Sicherlich haben die Herzöge die Kirchen nicht allein finanziert, ein Großteil der Baulast lag wohl bei den Pfarreien sowie bei Bürgern und Bruderschaften, eine Beteiligung der Herzöge darf aber nicht außer Acht gelassen werden.
Nun wenden wir uns Vilsbiburg zu: Kurz zur Geschichte der Stadt bzw. des Marktes: eine Festung Biburg wird erstmals um 1000 urkundlich erwähnt, 1230 übernimmt der niederbayerische Herzog den ehemals gräflichen Besitz und legt einen landesherrlichen Straßenmarkt an, 1265 ist das erste Mal von einer Kirche in Vilsbiburg die Rede und 1337 taucht der Begriff der Pfarrei Vilsbiburg in den Urkunden auf. Die heutige Pfarrkirche liegt außerhalb des Straßenmarktes, was auf den Brand von 1366 zurückzuführen ist, vorher war wohl innerhalb der befestigten Stadt eine Kirche, die weitgehend zerstört wurde, deshalb entschloss man sich für einen Neubau.
Noch vor dem Neubau, 1372 wurde die Pfarrei und Kirche Vilsbiburg dem Benediktinerkloster St. Veit bei Neumarkt an der Rott inkorporiert2, Herzog Friedrich schenkt dem Konvent die Kirche mit allen Rechten
(u. a. das Präsentationsrecht) und Besitzungen.
Finanziert wurde der Bau sicherlich zu einem großen Teil durch die Herzöge (Verweis auf die Schlusssteine im Chor, auch Peter Käser3 hat darauf bereits hingewiesen), aber auch Stiftungen über Kapellen sind überliefert, so wird im Pfarrarchiv eine Urkunde vom 7. Mai 14224 aufbewahrt, sie belegt die Stiftung einer Messe mit dem Benefizium auf den Stephansaltar durch die Bäckerzunft.
So war 1422 der Bau bereits bis zum Langhaus fortgeschritten, geweiht wurde der Bau bereits 14135 (Weihe von sieben Altären), also ist davon auszugehen, dass zu diesem Zeitpunkt der Chor fertig war, über den weiteren Fortgang der Arbeiten ist nichts bekannt, keine Pläne, keine Abrechnungen, wohl zog sich aber die Vollendung des Turms bis zum Ende des 15. Jahrhunderts hin.
Zur Kirche selbst: Die Pfarrkirche zeigt sich heute im regotisiertem Zustand, ehemals war sie mit Putz versehen, die Fenster wurden verändert, auch im Inneren haben erhebliche Eingriffe stattgefunden, in den Seitenkapellen sind kaum mehr spätgotische Rippen an den Gewölben erhalten und auch die Empore wurde im 19. Jahrhundert verändert (sie wurde über die Seitenschiffe hin erweitert und ihre Brüstung mit zusätzlichem neugotischen Zierwerk versehen). Spätgotische Sakristeien im Norden und Süden werden jeweils im Osten von neuzeitlichen Annexbauten begleitet, die wiederum durch den Chorumgang, der im 19. Jahrhundert gebaut wurde, miteinander verbunden sind.
2
Vgl. Hör, Hellmut, Die Urkunden des Klosters St. Veit 1121-1450. München 1960, Nr. 109, S. 102.
3
Käser, Peter, Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt Vilsbiburg, Vilsbiburg 2006.
4
PfAV, Stiftungsurkunde vom 7. Mai 1422.
5
AHV, Repertorium des churfürstlichen Marktes Vilsbiburg von 1753: auf S. 388 wird eine Urkunde genannt, die im Zechschrein der Pfarrkirche aufbewahrt wurde, heute nicht mehr erhalten.
Der Außenbau zeigt ein Backsteinmauerwerk, wobei Langhaus und Chor unter einem Dach vereint sind, nur das Dach über die Seitenschiffe hebt sich davon ab, der mittig ausspringende Turm wirkt gegenüber der Kirche hoch und wuchtig. Das Langhaus wird vertikal durch kräftige Strebepfeiler gegliedert, im unteren Bereich sind zwischen die Strebepfeiler Seitenkapellen eingesetzt, hier sind die Fenster auch breiter. Am Chor finden sich ebenfalls kräftige Pfeiler, heute verändert der bereits erwähnte Chorumgang den ursprünglichen Eindruck. Der Westturm (Westturm im Landshuter Raum eine Besonderheit, Mehrzahl der Türme sind Chortürme) erhebt sich über quadratischem Grundriss, er besitzt fünf Stockwerke, zwei quadratische, oben drei Achtecksstockwerke, wobei das obere eine barocke Ergänzung gemeinsam mit der Zwiebel ist, ehemals wurde der Turm mit einer Helmspitze abgeschlossen. Im Erdgeschoss befinden sich zwei Portale, im Norden und Süden, die Turmhalle ist gleichzeitig Vorhalle der Kirche und das Gewölbe der Turmhalle ist mit einem aufwendigen Achtrautenstern versehen. Der Turm zeigt außen eine Stockwerkeseinteilung durch Gesimse, die unteren Stockwerke werden von Eckstreben begleitet, die teils übereck gestellt sind, der Übergang zum Oktogon bemerkenswert: hier befinden sich rechteckige Eckstreben zusammen mit Dreieckslisenen, um zwischen den Formen zu vermitteln.
Zum Innenraum: der Bau ist eine dreischiffige Hallenkirche, der Chor ist genau breit und hoch wie das Mittelschiff, wird aber von einem Chorbogen gegenüber diesem abgegrenzt, der Chor besitzt zwei Joche und schließt mit 5 Seiten des Achtecks ab. Das Langhaus erstreckt sich über fünf Joche, wobei das westliche Joch von der unterwölbten Empore eingenommen wird. Die Seitenschiffe werden auf jeder Seiten von vier Kapellen begleitet, im 4. Joch befinden sich anstelle der Kapellen Portale, wobei das Nordportal einen neuzeitige Ergänzung ist, das Südportal von außen sehen sie hier: die gekehlte, spitzbogige Laibung und das Gewölbe samt Konsolen sind spätgotisch, der auffällige Kielbogen über dem Portal ist eine neugotische Ergänzung. Der Zugang zur Kirche ist außerdem über die Turmhalle, von Norden und von Süden her, möglich. Die Portale sind hier ebenfalls spitzbogig und mit gekehlten Laibungen. Die Wände des Chors werden durch schlanke, spitzbogige Fenster sowie durch rechteckige Wandpfeiler gegliedert, auf den Wandpfeilern sind profilierte Halbkreiskonsolen angebracht, um die Rippen aufzunehmen, teils sind sie mit Wappenschilden versehen. Das Gewölbe zeigt eine Rautennetzfiguration und runde Schlusssteine in den Scheitelpunkten, ebensolche finden sich an den östlichen Rippenkreuzungen. Zum Langhaus: das Mittelschiff ist doppelt so breit wie die Seitenschiffe, und zudem ist das Mittelschiff gegenüber den Seitenschiffen deutlich überhöht (Verweis: Staffelhalle), die Schiffe werden durch breit gestellte, kräftige, an den Kanten abgeschrägte Rechteckspfeiler getrennt, an der Innen und Außenseite der Pfeiler sind Halbrunddienste zur Aufnahme der Rippen mit profilierten Halbkapitellen angebracht. Das Gewölbe präsentiert sich mit einer prächtigen Rippenfiguration, einer sog. Wechselbergerfiguration, runde Schlusssteine befinden sich im Scheitel des Gewölbes. Die Empore befindet sich im Westen des Kirchenraums und erstreckt sich heute über alle drei Schiffe, sie ist unterwölbt und ruht im Mittelschiff auf zwei mit Kämpfern und Wappenschilden versehenen Pfeilern, Die Frontseite und die Brüstung der Empore ist mit Maßwerk reich verziert.
In den Seitenschiffen sind dieselben Dienste und Kapitelle, im Gewölbe finden wir hier Rippen in der Anordnung von Vierrautensternen. Wie bereits erwähnt sind nur wenige spätgotische Elemente in den Seitenkapellen erhalten: hier Beispiele für Gewölbe und Kopfkonsolen in den noch spätgotischen Seitenkapellen im nördlichen Seitenschiff.
Zur Spitalkirche zur Hl. Dreifaltigkeit
Es handelt sich hier um eine kleine spätgotische Anlage aus der ersten Hälfte des
15. Jahrhunderts, die Kirche stand bereits als Katharinenkirche, bevor 1476 das Spital gestiftet wurde. Von einer Abbildung eines Grabsteins, der sich früher in der Spitalkirche befunden hat, erfahren wir, dass Ulrich Hackh der Stifter der Kirche St. Katharina, 14066 gestorben ist. Demzufolge war die Kirche um 1406 im Bau, vielleicht auch schon fertig gestellt. Der Turm scheint indessen gleichzeitig mit dem Spital errichtet worden zu sein, da sich an seiner Südseite das Westendorferwappen in gleicher Ausführung wie am Spitalsgiebel befindet und Caspar Westendorfer als Stifter des Spitals überliefert ist (Seit 1459 als Pfarrer von St. Jodok in Landshut belegt). Umfassendere Eingriffe haben vermutlich zur selben Zeit auch in der Spitalkirche stattgefunden.
Kurz zur Beschreibung der Kirche: Vom Außenbau der Spitalkirche ist für den Betrachter heute nur mehr wenig zu sehen. Mit dem Anbau des Spitals verschwanden viele Bauteile der Kirche im Inneren. Auch vom ehemaligen Dach des Chors sowie des Langhauses ist heute nichts mehr erhalten. Vom Stadtplatz aus verraten lediglich der Turm und die leicht hervortretende Ostseite der Choraußenwand die Existenz einer Kirche. Schwache Dreiecksstreben befinden sich an den Ecken der Choraußenwand. An der ehemaligen südlichen Choraußenmauer, die heute vom Museum aus zu sehen ist, befindet sich noch ein Teil des mit Maßwerk bemalten Frieses, das sich unterhalb des Daches um den Chor, vielleicht auch um die gesamte Kirche zog. (Vergleich: Herrnfelden) Die Nordmauer der Kirche lehnt sich direkt an die alte Ringmauer der ehemaligen Stadtbefestigung an, diese sowie die Westmauer sind ungegliedert, die Westmauer wird lediglich von vermutlich neugotischen Fenstern durchbrochen. Der Turm hat einen ungegliederten, quadratischen Unterbau, der mit einem schwachen Gesims und leerem Fries sowie Eckaufsätzen abschließt, der achteckige Oberbau hat zwei Geschosse, die durch schwache Gesimse getrennt werden, darauf ein Spitzhelm.
Beschreibung Innen: Der eingezogene Chor umfasst ein Langjoch und schließt mit fünf Seiten des Achtecks, das Langhaus hat drei Joche und die Seitenmauern verengen gegen Westen stark den Innenraum, die schräge Führung der Langhausmauern ist durch den Lauf der miteinbezogenen Ringmauer bedingt, die Südmauer wurde dann aus Symmetriegründen ebenfalls schräg errichtet, so kommt es zu dem trapezförmigen
6 Grabsteinbuch des Freisinger Bischofs Joh. Fr. von Eckher, Zeichnung des Grabsteins des Ulrich Hackh, 20. September 1406, Bd. 2, S. 13b.
Grundriss, Der Raum wird von der unterwölbten, tiefen Westemporen dominiert und Sakristei und Turm befinden sich nördlich am Chor. Im Chor befindet sich ein Netzgewölbe auf schwachen, gefasten Wandpfeilern und spitzen Schildbogen, die birnstabförmigen Rippen ruhen auf profilierten Halbkreiskonsolen, an den Rippenkreuzungen befinden sich runde Schlusssteine mit aufgelegten, bemalten Wappenschilden. Im Langhaus ist das Gewölbe mit einer Netzrippenfiguration versehen, wobei es ohne Wandpfeiler und Schildbögen auskommen muss. Die Rippen ruhen teilweise auf halbrunden Schildkonsolen und am Gewölbescheitel befinden sich drei runde Schlusssteine mit bemalten Wappenschilden. Die Westempore dominiert wie bereits erwähnt den Hauptraum der Spitalkirche: sie ist dreischiffig unterwölbt zu je zwei Jochen, die Emporenwölbung ruht auf vier Pfeilern, die Empore besitzt außerdem eine mit Maßwerk reich verzierte Brüstung. Auch die Empore wirft einige Fragen auf, die ich gerne später zur Diskussion stellen würde.
Begriffsklärung: Landshuter Bauschule: warum? Nachdem wir uns nun einen knappen Überblick über die Vilsbiburger Kirchen verschafft haben, möchte ich nun den Begriff der Landshuter Bauschule wieder aufgreifen: Warum spricht man von einer Landshuter Bauschule? In Landshut wird, wie bereits erwähnt, ab 1385 an einer neuen Pfarrkirche gebaut: St. Martin. die vorherige Kirche war wie vielerorts zu klein, alt, romanisch, deshalb erging der Beschluss zu einem Neubau. Hier konnte der Chor bis 1400 beendet werden, bis 1432 waren die Außenmauern der ersten sieben Joche bis auf halbe Höhe aufgemauert, ab den 1440er Jahren legte man die Fundamente für den Turm und die Binnenpfeiler und bis 1475 war das Langhaus eingewölbt. Der Bau des Turms zog sich noch bis nach 1500 hin. St. Martin wird als Gründerbau für die Spätgotik im Landshuter Raum gesehen. Ab 1406 war nachweislich am Bau Hans von Burghausen7 beteiligt: der Kunsthistori-ker Eberhard Hanfstängl widmet 1911 dem Burghauser eine Monografie „Hans Stethaimer„8 (Verweis: Namensproblem) und bezeichnet ihn darin als Begründer der Landshuter Bauschule.
Der Kunsthistoriker Norbert Nussbaum hingegen betont 1984 in einem Aufsatz9 die charakteristischen oder auch prägnanten Merkmale, die die Bauten einer Bauschule besitzen müssen, außerdem müssen alle Einflüsse geklärt sein. Er weist darauf hin, dass der Begriff der Bauschule Ende des 19. Jahrhunderts im Zuge der Inventarisierung der Kunstdenkmäler Einzug fand, heute sind uns in diesem Zusammenhang die Bände „Kunstdenkmäler Bayerns„ erhalten. Durch die Einführung von Bauschulen wurde so eine Einteilung in Gruppen möglich, die den Überblick erleichterte, da sehr viele spätgotische Bauten in Altbayern innerhalb kurzer Zeit errichtet wurden.
7
Urkunde vom 29.12.1406: Herzog Heinrich überschreibt Hans von Burghausen eine Haus am Friedhof. Urkunde gedruckt bei: Herzog, Theo, Meister Hanns von Burghausen, in: VHVN, Bd. 84, Landshut 1958, Urkunde A, S. 76.
8
Hanfstaengl, Eberhard, Hans Stethaimer, eine Studie zur spätgotischen Architektur Altbayerns, Leipzig 1911.
9
Nussbaum, Norbert, Die sogenannte Burghausener Bauschule, in: August Leidl (Hrsg.), Ostbairische Grenzmarken. Passauer Jahrbuch, Bd. 24, Passau 1984, S. 82-97.
Der Kunsthistoriker Hans Karlinger verwendet in seiner 1928 erschienen „Bayerischen Kunstgeschichte„10 sogar den Begriff der „Landshuter Gotik„. Als Gemeinsamkeiten nennt er, die es erlauben, von einer Stilrichtung zu sprechen, die geschmeidige Form der Backsteinwände, die hochragenden Räume und das Einsetzen von Seitenkapellen zwischen die Strebepfeiler, er sieht die Landshuter Schule als „geschlossene Schule, wie kaum eine in Süddeutschland„; In den 40er und 50er Jahren des 20. Jahrhunderts beschäftigt sich Franz Dambeck11 mit den spätgotischen Kirchenbauten in Bayern, vor allem in Ostbayern, auch der Landshuter Raum wird von ihm untersucht und der Begriff der Landshuter Bauschule von neuem geprägt: für ihn gelten das Backsteinmauerwerk, die Mauerbelebung durch Blendbögen, eine leichte Behäbigkeit der Innenräume sowie die Vorliebe zum Dekorativen als verbindlicher Elemente dieser Schule.
Fraglich ist nun, ob sich diese stilistischen Elemente als prägnante Gemeinsamkeiten an den Kirchenbauten nachweisen lassen und ob sie für die Bezeichnung einer Schule ausreichen; Deshalb werde ich nun im Folgenden die beiden Vilsbiburger Kirchen St. Martin in Landshut gegenüberstellen, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede ausmachen zu können.
Eine Gemeinsamkeit von St. Martin und Mariä Himmelfahrt ist die Anlage als dreischiffige Hallenkirche, die Halle ist allerdings keine spätgotische Erfindung, ihre Ursprünge liegen in der Bettelorden-bzw. in der Zisterzienserarchitektur, ein Beispiel für eine frühe gotische Halle finden wir in Niederaltaich, das im 13. Jahrhundert errichtet wurde und heute allerdings barock überformt ist. In der Spätgotik hatte der Einsatz der Halle bauökonomische Gründe. Mit wenig Baumaterial konnte man hohe lichte Räume bauen, wichtig, da nun jeder, der Geld hatte, einen Kirchenbau mitfinanzieren konnte, so wurde der Kirchenbau zum teils weltlichen Prestigeobjekt, die Bauten liegen oft, wie auch hier in Vilsbiburg, an verkehrsgünstigen Punkten, deshalb war die Größe wichtig. Ein weiterer Grund für die Halle war sicherlich auch eine veränderte Auffassung der Liturgie: man wollte jedem Besucher des Gottesdienstes die Möglichkeit geben, am Wunder der Eucharistie sowie an der Predigt teilzuhaben, durch den Bau einer Halle und einen erweiterten Chor war das eher möglich, als in einer Basilika, in der der Gläubige eher zum entfernten Zuschauer wird. In der Anlage der Spitalkirche als einschiffiger Bau wird hingegen der Zweck betont: Die Notwendigkeit einer Andachtsstätte, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Reisenden und Kranken zu dienen, hier ist sicherlich nicht die Absicht einer großartigen Außenwirkung zu vermuten.
Zu den Gemeinsamkeiten und Unterschieden am Außenbau: die beiden Pfarrkirchen in Vilsbiburg und Landshut sind in Ziegelbauweise erbaut, typisch für die Region, da es unfangreiche Lehmvorkommen gab und gibt, außerdem gab es seit dem Stadtbrand in Landshut 1342 einen Erlass des Herzogs, dass nur gemauerte Häuser in den Städten und Märkten errichtet werden dürften, deshalb waren Ziegelstadel und Lehmgruben in großer Zahl vorhanden, in Vib finden wir die erste urkundliche
10 Karlinger, Hans, Bayerische Kunstgeschichte, Altbayern und Bayrisch-Schwaben, München3, 1967.
11
Dambeck, Franz, Die Landshuter Schule und ihre geschichtliche Entwicklung, in: VHVN, Bd. 82, Landshut 1957; und derselbe: Spätgotische Kirchenbauten in Ostbayern (unveränderter Nachdruck von 1940), Passau2 1989.
Erwähnung eines Ziegelstadels 149712, auch z. B. in Geisenhausen ist ein mittelalterlicher Ziegelstadel bis in das 19. Jahrhundert hinein belegt.13 Ein wichtiger Vorteil davon war, dass man die Arbeiten am Bau in Eigenregie steuern konnte, dass heißt, es gab keine Abhängigkeit von langen Verkehrswegen, Zöllen, etc., Haustein für St. Martin, der als Dekorblenden am Außenbau verwendet wurde, kommt zum Beispiel aus Mittenwald. Ebenfalls gemein haben die beiden Pfarrkirchen das mächtige Langhaus, die Strebepfeiler am Bau, die Seitenkapellen sowie den Turm im Westen, wie bereits erwähnt eine Besonderheit. Der Westturm hat in beiden Fällen die Aufgabe, ein Gegengewicht zum mächtigen Langhaus zu stellen, außerdem gliedert er die Westfassade. Die Unterschiede am Turm zeigen sich vor allem in der Mauergliederung. Die in Landshut so charakteristischen Blendarkaden fehlen in Vilsbiburg. Dafür zeigt sich der Vilsbiburger Turm wesentlich ausgewogener in den Proportionen und hat die außergewöhnliche Variation am Übergang vom Quadrat zum Oktogon. Die Form des Vilsbiburger Turmes kann als reifer im spätgotischen Sinn betrachtet werden und zeigt Beziehungen zu ostbayerischen Türmen auf, zum Beispiel Eggenfelden und Straubing. Wenn wir nochmals zu den Kirchbauten zurückkommen, fällt auf, dass sind das Langhaus in Landshut deutlich vom Chor abhebt. Ähnliches kann man auch in Geisenhausen beobachten. Hier liegt wahrscheinlich ein direkter Bezug zur Landshuter Kirche vor. In Vilsbiburg hingegen sind Chor und Langhaus unter einem Dach vereint. Lediglich die Dächer der Seitenkapellen wirken angesetzt. Vilsbiburg folgt hier dem spätgotischem Einheitsgedanken, der in Landshut noch nicht ausgereift ist. Eine Tendenz, die später auch im Innenraum deutlich zu sehen sein wird.
Unterschiede sind auch zu erkennen, wenn man die Grundrisse vergleicht: Natürlich in den Ausmaßen: St. Martin hat eine Gesamtlänge von 97m, Vilsbiburg über 40 m, der Chor von Mariä Himmelfahrt ist gegenüber dem Langhaus sehr lang, 15m. In Landshut hingegen wirkt das Langhaus sehr gestreckt, vielleicht waren ursprünglich nur 7 Joche geplant. In Vilsbiburg überragt die Breite, einschließlich der Seitenkappellen ist das Langhaus breiter als lang. Gemein haben die beiden Grundrisse den gleichen Chorabschluss, die gleiche Breite von Chor und Mittelschiff und den weiten Chorbogen.
Der Raumeindruck, den man erhält, wenn man die beiden Pfarrkirchen betritt, unterscheidet sich ebenfalls sehr voneinander: St. Martin in Landshut zeigt sich extrem schlank und hoch, der Blick wird hier automatisch nach oben gelenkt. Auch wenn Gesimse und Kapitelle den Versuch einer horizontalen Gliederung machen, herrscht doch der vertikale Raumeindruck vor. Das Ganze wird durch die enge Stellung der Binnenpfeiler noch verstärkt, so dass die einzelnen Raumteile sehr voneinander abgegrenzt erscheinen und eine gesamtheitliche Betrachtung des Innenraums unmöglich ist. Hier sind noch deutlich hochgotische Tendenzen spürbar. Mariä Himmelfahrt aber breitet sich vor dem Betrachter aus. Wesentlich weiter und in ihrer Höhen-und Breitenerstreckung ausgewogener zeigt sich die Pfarrkirche in Vilsbiburg. Ein Erfassen des gesamten Innenraumes wird dem Besucher ermöglich und der weite Chorbogen erlaubt eine unmittelbare Teilhabe an der Liturgie.
12
AHV, Urkunde vom 10. August 1497.
13
Vgl. Steinberger, Mathias, Die Pfarrei Geisenhausen in der Erzdiözese München und Freising (Nachdruck der Ausgabe von 1891), Geisenhausen 1982, S. 43.
Dennoch bleibt noch die Autonomie der einzelnen Raumteile z. B. durch die relativ enge Stellung der Pfeiler erhalten. Die Pfarrkirche in Geisenhausen ist hier im Sinne des spätgotischen Einheitsgedanken ein Stück weiter. Eine weite Pfeilerstellung löst hier die Eigenständigkeit der Räume fast auf.
Spätgotische Gewölberippenfigurationen befinden sich in beiden Kirchen, in Landshut im Langhaus zeigt eine Zweiparallelrippenfiguration, damals eine geläufige Form in den 1470er Jahren. In Vilsbiburg allerdings wurde das Gewölbe aufwendiger gestaltet: Mit einer sogenannten Wechselberger Figuration. Hier kommt mehr das dekorative Element zum Tragen, das in der reifen Spätgotik an Bedeutung in der Gewölbebaukunst gewinnt. Hans Wechselberger ist mit seiner charakteristischen Rippenfiguration das erste Mal 1477 nachweisbar, und zwar in der Heiligkreuzkirche bei Burghausen. Kurz darauf dürfte er oder einer seiner Mitarbeiter die Pfarrkirche in Vilsbiburg eingewölbt haben. Ein weiteres Indiz dafür, dass der ostbayerische Raum hier in Vib Einfluss hatte. Ein weiteres Beispiel finden wir im näheren Umkreis in Landshut, St. Jodok ist ebenfalls in einer Wechselbergerfiguration eingewölbt (Verweis: Westendorfer-Wappen in beiden Gewölben, beide durch Westendorfer initiiert?).
Die Rippen in den Chören bieten ebenso wenig Vergleichsmöglichkeiten: In Landshut befindet sich eine sogenannte fließende Raute, sicherlich erst nach 1480 (die vorherige wurde wohl wieder abgeschlagen), in Vilsbiburg wurde der Chor mit Vier-bzw. Sechsrautensternen eingewölbt.
Interessant in diesem Zusammenhang sind auch die Achtrautensterne der beiden Pfarrkirchen. Der befindet sich in St. Martin in der Sakristei, in Vilsbiburg in der Turmhalle. Im direkten Vergleich allerdings zeigt sich der Vilsbiburger Stern wesentlich reicher ausgestaltet, auch zeitlich bewegen sie sich weit auseinander: der Landshuter Stern zu Beginn des 15. Jahrhunderts, der Vilsbiburger Stern ist aufgrund seiner Lage in der Turmhalle nicht vor 1480 anzusetzen.
Zu den Konsolen und Diensten: In beiden Pfarrkirchen werden die Gewölberippen im Langhaus von halbrunden Diensten getragen, die oben mit einem Kapitell abschließen. In Landshut trägt dieses Kapitell zusätzlich eine Laubwerksdekoration, auf die in Vilsbiburg verzichtet wurde. Sicherlich nicht aus Kostengründen, sondern um die Einheitlichkeit des Raumes hervorzuheben. Die Kapitelle in der Landshuter Form verweisen wie viele andere Elemente auf die noch bestehende Tendenz zur Hochgotik, die in Vilsbiburg bereits überwunden ist. Die Konsolen an beiden Orten lassen eher Zusammenhänge vermuten: Profilierte Spitzkonsolen in ähnlicher Form befinden sich in Vilsbiburg im Chor und in Landshut in den Seitenkapellen, das gilt allerdings nicht für alle Konsolen: die wenigen erhaltenden Kopfkonsolen der Seitenkapellen in Vilsbiburg sprechen noch eine recht stilisierte Formensprache, in Landshut hingegen verweisen die Kopfkonsolen außen an den Portalen auf einen Fortgang des 15. Jahrhunderts: wesentlich naturgetreuer erscheinen hier die Köpfe. Hier kann eher der Vergleich zu den Köpfen an den Konsolen des Südportals in Vilsbiburg angestrebt werden.
So können im Bezug auf unsere Fragestellung, die Auswirkungen einer sogenannten Landshuter Bauschule auf die Vilsbiburger Kirchen, folgende Aussagen gemacht werden: Insgesamt gesehen muss die Existenz einer Landshuter Bauschule in Frage gestellt werden, da sie sich nicht durch prägnante, immer wieder kehrende Merkmale nachweisen lässt. Auch Gemeinsamkeiten beim Bautyp und dem Baumaterial führen nicht zum Nachweis einer Bauschule, haben sie doch eher ökonomische und praktische Gründe. Natürlich besitzen die hier ausgewählten Bauten Merkmale, in denen sie sich aufeinander beziehen, aber die anfangs aufgeführten Charakteristika wie ein Hochstreben der Mauern, die Mauerbelebung durch Blendarkaden und die Vorliebe zum Dekorativen findet sich in Vilsbiburg kaum. Mehr die spätgotischen Tendenzen verkörpernd zeigt sich Vilsbiburg als ein Bindeglied zwischen Landshuter und ostbayerischer Einflüsse und stellt somit ein sehr frühes Beispiel für die angestrebte Verwirklichung des Einheitsgedanken der Spätgotik dar.
Abschließend möchte ich einige Gedanken bezüglich der Emporen in der Pfarrkirche und der Spitalkirche in Vilsbiburg zur Diskussion stellen. Beide Emporen wurden im Zuge der Regotisierungsbewegung des 19. Jahrhunderts verändert und zeigen heute nicht mehr ihr ursprüngliches Aussehen. In der Pfarrkirche wurde, wie wir wissen, die Empore auf die Seitenschiffe hin ausgeweitet und ihre Brüstung wurde durch Ergänzungen noch gotischer gemacht, die hier allerdings zum Teil im 20. Jahrhundert entfernt wurden. In der Spitalkirche sind heute diese neugotischen Ergänzungen ebenfalls teilweise noch vorhanden. Trotz dieser Veränderungen ist unübersehbar, dass sich beide Emporen sehr ähneln. Auch die vorderen Pfeilerpaare, auf denen die Emporen ruhen, zeigen fast identisches Aussehen. Aufgrund der geschwungenen Wappenform in der Spitalkirche wäre es aber auch denkbar, dass die Pfeiler zu einem späteren Zeitpunkt noch verändert wurden. Wenn man sich nun aber die Installation der Empore in der Spitalkirche ansieht, bekommt an den Eindruck, als sei die Empore später hineingebaut worden, erscheint sie doch im Gegensatz zum Raum zu groß und zu dominant. Stilistisch gehört sie sicherlich noch in spätgotische Zeit, ein nachträglicher Einbau in die Spitalkirche, die wie wir wissen zu Beginn des 15. Jahrhunderts errichtet wurde, erscheint somit sehr wahrscheinlich. Vielleicht wurde die Empore im Zuge der Errichtung des Spitals von einem wohlhabenden Stifter finanziert, vielleicht sogar von Caspar Westendorfer selbst. Eine weitere Ergänzung im ausgehenden 15. Jahrhundert stellen meiner Meinung nach die Gewölbe der Spitalkirche dar. Zu einheitlich erscheinen sie, als dass sie in größeren zeitlichen Abständen eingezogen wurden. Ein Beleg dafür, dass der Einbau der Gewölbe ebenfalls in die 1470/80er Jahre fällt, ist das Westendorfer Wappen im Chor. Zudem verweist das Fehlen von Wandpfeilern im Langhaus darauf, dass es sich beim Gewölbe eher um eine dekorative Ergänzung handelt, als um eine statische Notwendigkeit. Außerdem sind die Ansätze des Gewölbes an der Wand auf der Empore verkürzt. Das kann zum einen am trapezförmigen Grundriss des Langhauses liegen, aber auch eine Verkürzung durch die Anwesenheit der Empore scheint denkbar. Leider kann der Zeitpunkt für die Einbauten der beiden Emporen nicht genau bestimmt werden, also muss offen bleiben, welche Empore für die andere Vorbild war. Sicherlich wurden beide in den 1470/80er Jahren errichtet, vielleicht sogar von denselben Handwerkern, so wäre die Ähnlichkeit zu erklären. Die beiden Emporen hatten mit Gewissheit die Aufgabe, mehr Platz zu schaffen, zudem war dadurch in die Spitalkirche der Zugang vom Obergeschoss des Spitals her möglich. In beiden Fällen darf aber der repräsentative Charakter der Einbauten nicht außer Acht gelassen werden.

Vorsitzender Peter Barteit kann wieder einmal zahlreiche Mitglieder und Freunde des Heimatvereins zur Jahresversammlung des Heimatvereins begrüßen.
Stadtrat Josef Sterr überbringt die Grüße der Stadt Vilsbiburg.
Museumsleiter Lambert Grasmann berichtet über zahlreiche Aktivitäten im Heimatmuseum.
Kassenverwalter Rupert Sitter tärgt die wichtigsten Zahlen des Jahresabschlusses 2011 vor.
Zweiter Vorsitzender Günter Knaus trägt den Revisionsbericht vor, der dem Kassenverwalter die einwandfreie Kassenführung bescheinigt.
Im Mittelpunkt des Abends steht der Vortrag der Kunsthistorikerin Martina Außermeier über die Auswirkungen der so genannten Landshuter Bauschule auf Kirchen im Vilsbiburger Land.
Der kulturhistorische Vortrag hatte wieder einmal zahlreiche Zuhörer zur Jahresversammlung gelockt.
Peter Barteit (links) Martina Außermeier und Lambert Grasmann bei der anschließenden Diskussion.
Als Dank für den Interessanten Vortrag überreicht der Vorsitzende der Referentin das Buch von Lambert Grasmann über das Kröninger Hafnerhandwerk.

Jahresversammlung im Gsellnhaus

Dienstag, 29. März 19.30 Uhr
Jahresversammlung im Gsellnhaus mit Lichtbildervortrag von Thomas Lauer
(Bayerischer Landesverein für Heimatpflege)
„Erhalten und gestalten – altes und neues Bauen in Bayern“

Musik im Museum

 Samstag, 16. April 19.30 Uhr
Gastspiel des Duos
Richard Köll und Stefan Amannsberger
in der Spitalkirche

Joli’s Papiertheater

Freitag, 10. Juni, 19.00 Uhr
Samstag, 11. Juni, 16.00 und 19.00 Uhr
Sonntag, 12. Juni, 17.00 und 19.00 Uhr

im Heimatmuseum,
Veranstaltungen im Rahmen des Vilsbiburger Kultursommers 2011

Dreifaltigkeitsmesse in der Spitalkirche

Samstag, 18. Juni, 19.00 Uhr

Eröffnung der Sonderausstellung

Samstag, 25.  Juni, 10.00 Uhr
Eröffnung der Sonderausstellung „Viel köstlich Wachsgebild – Die Wachszieher- und Lebzelterfamilie Lechner in Vilsbiburg“

Museumsabend zur Sonderausstellung

Dienstag 25. Oktober, 19.30 Uhr
Museumsabend zur Sonderausstellung
„Viel köstlich Wachsgebild – Die Wachszieher- und Lebzelterfamilie Lechner in Vilsbiburg“

Katharinenmesse in der Spitalkirche

19. November, 19.00 Uhr

Vorsitzender Peter Barteit begrüßt die Gäste zu dem Museumsabend.
Der Vortrag von Museumsleiter Lambert Grasmann fand ein interessiertes Publikum.
An den rund einstündigen Lichtbildervortrag, bei dem Museumsleiter Lambert Grasmann (Mitte) teilweise noch unveröffentlichtes Material zeige, schloss sich eine Sonderführung durch die Ausstellung an.
Im Mittelpunkt des Museumsabends stand die Geschichte der Lebzelter- und Wachszieherfamilie Lechner in Vilsbiburg.
Dieses sehr seltene Original aus dem Jahr 1904 zeigt die Musikalität der Töchter aus der Familie Lechner.

Auf den Spuren von Johann Philipp Wagner

 

Vilsbiburger Bildhauer und Stuckateur stand im Mittelpunkt der Heimatfahrt

 

Vilsbiburg. Im Land zu beiden Seiten des Inns wird er noch heute sehr verehrt, hat er doch in den ehemaligen Pfleggerichten Kraiburg und Neumarkt sowie in der einst zum Hochstift Salzburg gehörenden Stadt Mühldorf nicht weniger als 39 Gotteshäuser ausgestattet und dies in besonders kunstvoller Weise. Die Rede ist von Johann Philipp Wagner, der am 17. Juli 1735 in Vilsbiburg zur Welt kam. Der Bub war gewissermaßen erblich vorbelastet, war er doch der erste Spross des gleichfalls sehr bekannten Regionalkünstlers Johann Paul Wagner, der in Vilsbiburg eine Bildhauerwerkstatt betrieb. Einen Teil seiner Lehr- und Wanderjahre verbrachte Johann Philipp in Landshut, vermutlich im Betrieb es berühmten Christian Jorhan d. Ä., bevor er sich im Alter von 23 Jahren in Kraiburg niederließ. Von Ranoldsberg und Oberbergkirchen im Norden bis Rohrdorf und Peterskirchen in Süden erstreckt sich bald sein Betätigungsfeld. Als um das Jahr 1760 in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Pürten der neue Stil des Barock und Rokoko Einzug hielt musste man sinnbildlich nur über den Inn hinüberrufen um von einem sehr talentierten Bildhauer gehört zu werden.

Ein Prunkstück der seltensten Art in diesem Kirchenschiff ist zweifellos die reich verzierte Kanzel, die aus einem einzigen goldenen Ornament besteht. Der durchbrochene Schalldeckel scheint sich in seine Bestandteile aufzulösen und steht damit auf dem Höhepunkt der kurzen Periode des Hochbarock. „Man möchte in dem Bauerndörfchen so ein glänzendes Stück Rokoko gar nicht vermuten“, schrieb ein begeisterter Georg Lohmeier vor einigen Jahren darüber. Doch damit ist in Pürten noch lange nicht genug. Wie der Mühldorfer Heimatforscher Meinrad Schroll den staunenden Fahrtteilnehmer bei der von Peter Käser organisierten Heimatfahrt erklärte, war der Ort bereits in der Römerzeit besiedelt. Die erste urkundliche Erwähnung einer romanischen Kapelle erfolgt im Jahr 1050. Das heutige spätgotische Gotteshaus wurde, wie die gleichnamige Stadtpfarrkirche in Vilsbiburg auch, um das Jahr 1400 errichtet. Aus dieser Zeit ist noch die Wallfahrtsmadonna aus der Wer kstatt des Meisters von Seeon erhalten. Im ausgehenden Mittelalter entwickelte sich um das Evangeliar der seligen Alta Pürten ein einzigartiger Wallfahrtskult. Die kostbare Bibel aus der Zeit um 1000 wurde über Jahrhunderte hinweg in einem weiten Umkreis an kranke Menschen verliehen, die das Buch vier Nächte lang unter den Kopf zu legen hatten. Meinrad Schroll zitierte aus den Mirakelbuch Eintragungen aus dem Alpenraum und bis hinauf in das Innviertel. Auch ein Marktschreiber aus Geisenhausen wurde demnach durch das Evangeliar von seinem Kopfleiden befreit. Ausfluss der florierenden Wallfahrt sind auch die lebensgroßen Wachfiguren als besonders wertvolle Votivgaben.

Zuflucht für späteren Papst

In dem ehemaligen Schloss und jetzigen Kloster Zangberg teilten sich Meinrad Schroll und Schwester Claudia Maria die Führung. Im Jahr 1285 ist an dieser Stelle eine Burg erwähnt, die nach dem 30-jährigen Krieg zu einer vierflügeligen Barockanlage umgestaltet wurde. Vor fast 150 Jahren kauften die Salesianerinnen das Schloss, um hier ein Kloster mit Internat und Seminareinrichtungen betreiben. Zu den Absolventen der Schule gehörten so unterschiedliche Persönlichkeiten wie Kaiserin Zita von Österreich und der spätere Münchner Oberbürgermeister Georg Kronawitter. In den Wirren der Räterepublik fand der Apostolische Nuntius Eugenio Pacelli, der spätere Papst Pius XII. im Jahr 1919 für einige Wochen Zuflucht in Zangberg. Besonders beeindruckt waren Fahrteilnehmer für den prächtigen Räumen, allen voran dem Ahnensaal.

 

Wohlhabender Landadel

Ihren Ausgangspunkt hatte die Heimatfahrt in der ehemaligen Wallfahrtskirche Johannes der Täufer in Salmannskirchen genommen. Der ab dem Jahr 1501 entstandene Bau ist geprägt von begütertern Adelsfamilien. Sofort ins Auge sticht der Epitaph des Degenhart Pfäffinger, der als eines der hervorragendsten Werke der süddeutschen Grabmalplastik gewertet wird. Der Freiherr diente vier Jahre in Burghausen der Herzogin Hedwig als Truchsess und bekleidete auch das erbliche Reichsmarschallamt für das Herzogtum Landshut. Nach einer Wallfahrt zum Heiligen Grab nach Jerusalem wurde Degenhart zum Ritter geschlagen und heiratete im Jahr 1515 Erntraud aus dem Grafengeschlecht der Seyboldtstorffer. Nachdem 1519 Pfäffinger bei der Wahl von Kaiser Karl V. in Frankfurt starb, ging Salmannskirchen an das Geschlecht der Herzheimer über, das dem lutherischen Glauben anhing. Somit erschlosch die Verehrung der von Pfäffinger aus dem Heiligen Land mitgebrachten Reliquien.

In einem stilvollen Landgasthof hatten die Fahrteilnehmer abschließend Gelegenheit, die Fülle von Eindrücken zu reflektieren und den ereignisreichen Nachmittag gemütlich ausklingen zu lassen.

In der lichtdurchflutenden Kirche von Salmannskirchen erzählt Meinrad Schroll von einer langen Geschichte der dortigen Adelsgeschlechter
Salmannskirchen
Reiseleiter Peter Käser begrüßt in Salmannskirchen den Mühldorfer Heimatforscher Meinrad Schroll.
Salmannskirchen
In der lichtdurchfluteten Kirche erläutert Meinrad Schroll die lange Geschichte der Wallfahrt.
Salmannskirchen
Blick in das Kirchenschiff mit der spätgotischen Madonna (links) und dem reich verzierten Chorraum.
Salmannskirchen
Der Epitaph des Degenhart Pfäffinger gehört zu den hervorragendsten Werken süddeutscher Grabmalplastik.
Zangberg
Im Kloster begrüßt Schwester Claudia Maria die Gäste aus Vilsbiburg.
Zangberg
Klein werden die Menschen in dem mächtigen Ahnensaal des ehemaligen Schlosses.
Zangberg
Prachtvolle Fresken schmücken auch die Decke des Ahnensaals.
Zangberg
Im Fürstensaal erzählt Schwester Claudia Maria von der langen Geschichte des früheren Schlosses Zangberg.
Pürten
Die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt und die Michaelskapelle bilden ein interessantes kulturhistorisches Ensemble.
Pürten
Glanzstück in der Michaelskapelle ist der Stuckaltar.
Pürten
Die Reisegruppe vor der Pfarrkirche, die der in Vilsbiburg geborene Bildhauer Johann Philipp Wagner mit ausgestaltet hat.
Pürten
Besonders wertvoll ist das Evangeliar der seligen Alta, das einst im weiten Umkreis an kranke Menschen ausgeliehen wurde.
Pürten
Auf eng beschriebenen Seiten sind im Mirakelbuch die Gebetserhörungen eingetragen.
Pürten
Fast lebensgroße Wachsvotive zeugen vom früheren Glanz des Wallfahrtsortes.

Siegfried Degenbeck und Viola Röllig erhielten den Denkmalpreis der Hypo-Kulturstiftung

Es deutete sich eigentlich das Besondere schon an, als beim Tag des offenen Denkmals im September 2010 rund 900 Menschen nach Großmaulberg strömten. Sie alle wollten sehen, wie man ein ehrwürdiges Baudenkmal, das nicht wenige schon dem Abriss preisgegeben hatten, wieder zu neuem Glanz verhelfen kann. Und wie man eine historischen Bausubstanz denkmalgerecht instandsetzen und doch in ihr nach modernen Erfordernissen wohnen kann. All dies haben Siegfried Degenbeck und Viola Röllig mit hohem persönlichen Einsatz und mit Unterstützung des amtlichen Denkmalschutzes geschafft. Dies war für Gerda Kriegereit vom Landratsamt Landshut Anlass genug, das Projekt für eine besondere Ehrung vorzuschlagen. In der vergangenen Woche wurden die Eigentümer des Gutes in Großmaulberg nun in München zusammen mit sechs weiteren Preisträgern mit dem Denkmalpreis der Hypo-Kulturstiftung 2011 ausgezeichnet.

Dr. Wolfgang Heubisch, der bayerische Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst hob in seiner Festrede die grundsätzliche Bedeutung des Denkmalschutzes hervor. Es handle sich hier nicht um ein Luxus-Projekt, das man in guten Zeiten schon mal in Angriff nehmen könne. Die Pflege und Erhaltung historischer Bausubstanz sei in vielfacher Hinsicht lebensnotwendig. Zum einen ließen sich an ihr Entwicklungen aus der Vergangenheit in die Zukunft verfolgen. Alte Gebäude stellten für die Dörfer und Städte auch das Besondere, Unverwechselbare einer Landschaft dar, vermittelten im positiven Sinn den Begriff Heimat. Daneben habe der Denkmalschutz aber auch einen nicht zu unterschätzenden wirtschaftlichen Aspekt. Er sei die Grundlage für einen florierenden Tourismus und sichere Arbeitsplätze in der Bauwirtschaft sowie beim Handwerk. Aus all diesen Gründen werde sich der Minister auch dafür einsetzen, dass der Denkmalschutz in den kommenden Jahren wieder mit steigenden staatlichen Fördermitteln ausgestattet werde.
Speziell für die Leistungen von Siegfried Degenbeck und Viola Röllig hatte der Kunsthistoriker Professor Dr. Werner Schiedermair von der Universität Eichstätt die folgende Laudatio verfasst: „Das Wohnstallhaus Großmaulberg 28 liegt auf einer Anhöhe südlich von Vilsbiburg. Es handelt sich um ein typisches niederbayerisches Wohnstallhaus, das an der südwestlichen Seite eines Vierseithofes liegt. Das Erdgeschoss ist in Mauerwerk ausgeführt, das Obergeschoss in Blockbauweise errichtet. Zahlreiche historische Türstöcke, Türblätter und Fenster zeichnen das Gebäude aus. Bemerkenswert ist das Gewölbe des ehemaligen Pferdestalls; gespreizte Gurtbögen flankieren die Stichkappen der hofseitigen Fenster. Das Anwesen kann auf eine 600-jährige Geschichte zurückblicken, im Jahre 1412 wurde es urkundlich erstmalig erwähnt. Das heutige Gebäude stammt in seinem Kern aus dem Jahre 1676.
Trotz seiner ansprechenden landschaftlichen Lage und seiner großen Geschichte kam das Gebäude in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts immer mehr herunter. Jeglicher Bauunterhalt unterblieb. Schwere Schäden stellten sich im Dachbereich ein. Mit dem Verlust des Bauwerks musste gerechnet werden. Siegfried Degenbeck ließ sich von dem erbarmungswürdigen Zustand der Anlage nicht schrecken. Er erwarb es 2002, um es instand zu setzen und in ihm mit seiner Lebensgefährtin Viola Röllig zu leben. Schritt für Schritt machten sie sich an die Restaurierung. Um einen weiteren Verfall aufzuhalten, begannen sie unmittelbar nach dem Erwerb des Gebäudes mit der Dachsicherung. Anschließend sanierten sie den Blockbau an der Nord- und Westseite. Dann folgte die Instandsetzung der Gewölbe des ehemaligen Pferdestalls. Unterstützt von in Fragen der Denkmalpflege erfahrenen Handwerkern führte Siegfried Degenbeck die anstehenden Maßnahmen weitgehend selbst durch, stets unterstützt von seiner Lebensgefährtin. Mit großem Engagement las er sich dabei in einschlägige Fachliteratur ein. Auf diese Weise wurde er zu einem Experten für eine denkmalgerechte Bauausführung. Der ursprüngliche Grundriss des Anwesens wurde wiederhergestellt. Alle historischen Ausstattungsgegenstände wurden gesichert, handwerklich repariert und an ihrem angestammten, historischen Platz eingebaut. Mit Liebe zum Detail stellte er die historische Farbgebung der Zimmerwände her. So rekonstruierte er beispielsweise dekorative, in Schablonenmalerei ausgeführte, die Wände umlaufende Zierbänder. Die gleiche Sorgfalt, die die Preisträger bei der Inneninstandsetzung anwandten, ließen sie auch dem Äußeren des Gebäudes zukommen.
Hervorzuheben ist, dass auf jeglichen Ausbau des Dachgeschosses verzichtet wurde. Wirtschaftlich spannten sie ihre Möglichkeiten bis auf das Äußerste an. Heute präsentiert sich das Wohnstallhaus in Großmaulberg als Beispiel für eine außergewöhnlich gut gelungene, denkmalgerechte Sanierungsmaßnahme. Sie beweist, dass auch mit geringeren finanziellen Mitteln, bei hohem persönlichen Einsatz, denkmalpflegerisch-fachlich herausragende Leistungen erbracht werden können. Mit ihrem beispielgebenden Engagement haben sich Siegfried Degenbeck und Viola Röllig um Denkmalschutz und Denkmalpflege im Sinne des Denkmalpreises der Hypo-Kulturstiftung verdient gemacht.“

Anerkennung für eine außergewöhnliche Leistung. Von links: Professor Dr. Werner Schiedermair, Dr. Wolfgang Sprißler von der Hypo-Kulturstifung, Siegfried Degenbeck, Viola Röllig und Staatsminister Dr. Wolfgang Heubisch.