Ausgrabungen in einem alten Hafnerhaus in Kleinbettenrain, Gemeinde Kröning

In Kleinbettenrain steht ein altes Hafnerhaus (die ältesten Holzbalken weisen auf das Jahr 1665), das vom Freilichtmuseum Massing aufgekauft wurde und in den nächsten Jahren Stück für Stück dorthin versetzt wird.
Jeder Balken wurde vermessen und dokumentiert, aber im Gegensatz zu Häusern, die abgerissen werden, besteht hier die Möglichkeit, die Bodenbefunde genau zu untersuchen. Die Archäologin Dr. Cornelia Renner leitet die Grabungen, die seit 2003 laufen und die vom Museumsteam ausgeführt werden.
Es konnten schon einige schöne Befunde zutage gebracht werden, darunter eine sehr interessante viereckige gemauerte Tongrube, in der früher der Ton für den Winter gelagert wurde, die sich direkt über einer ungewöhnlichen ovalen Grube befand. Dies wird wohl – nach der Auswertung – eine der wenigen Gruben des Kröning sein, in der man eine zeitliche Abfolge klar erkennen und dadurch vielleicht auch die Keramik besser datieren kann.
Für das Museumsteam ist aber die zweite Scherbengrube viel erfreulicher, da es dort eine große Menge schöner blau, grün und braun glasierter Kröninger Ware, darunter auch viele intakte Gefäße, bergen konnte.

Aber nicht nur das, auch zwei Brennöfen aus verschiedenen Zeiten konnten bis jetzt entdeckt werden, was in diesem relativ kleinen Haus nicht erwartet wurde. Auch konnte festgestellt werden, daß es mehrere Bauphasen gab, nicht nur die, die durch die heute erhaltenen Mauern belegt werden können, sondern auch ältere. Erkennbar wird das durch die diversen Scherbengruben und einen Ofen, auf allen stehen nämlich die Mauern des heutigen Hauses.
Zu den interessantesten Funden gehören aber die drei Nachgeburtstöpfe, von denen zwei in der Stube und einer unter der Treppe gefunden wurden.

Dieser Brauch war schon im späten Mittelalter üblich und hielt sich vermutlich bis in die Neuzeit hinein. Die Nachgeburt eines Kindes zu vergraben brachte Glück und Gesundheit für den Nachwuchs, was in diesen schweren Zeiten wichtig war.
Die Grabungen werden Ende August abgeschlossen sein und sicher neue Erkenntnisse über das Kröning, seine Keramik und die Bauweise der Hafnerhäuser erbringen.
August 2004
Dr. Cornelia Renner
Roßweg 15
Lichtenhaag
84175 Gerzen
Tel. 08744/966830

Drei Rokokokirchen als Gesamtkunstwerk  Museum in Thal als Kontrastprogramm und gelungene Abrundung der Heimatfahrt.
Vilsbiburg. Natürlich kann man jederzeit eine Kirche besichti­gen, sich an deren Architektur, Schnitzereien und Stuekaturen er­freuen. Das wäre eine Möglichkeit. die auch meist nicht sehr viel Zeit in Anspruch nimmt. Die andere ist, sich in die Obhut einer versierten Führerin zu begeben, wie sie der Heimatverein hei seiner Exkursion ins Erdinger Land zu finden wusste. Da sitzt man schon eine Stunde in dem von überschäumendem Rokoko geprägten Gotteshaus und erkennt plötzlich Dinge, die man beim flüch­tigen Kundgang glatt übersehen hät­te,  besonders wenn eine Expertin wie Carmen Reinstädler die Aulgabe übernommen hat, drei Rokokokir­chen in ihrem direkten künstleri­schen Zusammenhang darzustellen. Am Beginn steht HÖrgersdorf, wo die Expositurkirche Sankt Bartho-lomäus malerisch auf einer kleinen Anhöhe gelegen ist. Hier ist schon im 14. Jahrhundert ein Gotteshaus erwähnt, wohl in gotischem Stil er­baut. Wie auch in Eschlbach wird die Kirche in der Zeit des Hochba­rock umgestaltet. Diese Ausstattung hat jedoch nicht lange Bestand; denn im Jahr 1745 zieht der in Alt fraunhofen geborene Max Ludwig Dapsal als Pfarrherr auf. Der hoch­gebildete und allem Neuen aufge­schlossene Geistliche holt Künstler wie don Landshuter Christian Jor-han ins Erdinger Holzland und ge­staltet die Andachtsorte in Hörgers-dorf und Eschlbach in den damals modernen Stil des Spätbarocks um. In der letzten Phase seines 42-jähri­gen Wirkens entsteht in Oppolding ein Neubau des Rokoko.

Natürlich fallen einem beim Be­treten der Kirche in Hörgersdorf so­fort der dreiteilige, durch marmo­rierte Säulen sowie ein geschwunge-. nes Gebälk konstruierte Hochaltar von Mathias Fackler und die vor­trefflichen Skulpturen von Chris­tian Jorhan auf. Im nächsten Mo­ment wird das Auge von der spätgo­tischen Marienfigur auf dem linken Scitenaltar angezogen, die von klei­nen Engeln aus Jorhans Werkstatt umflogen wird.

Aber wer findet ohne näheren Hinweis gegenüber innerhalb des prachtvoll imitierten Marmors ganz klein das israelitische Zeltlager am Berg Sinai, mit der lichten Wolke als gegenwärtigen Gottes darüber? Oder wer vermutet fast ein wenig versteckt das Allerheiligste des Tempels in Jerusalem mit der Bun
deslade und dem zerrissenen Vor­hang? Selbst scheinbar inhaltsfreie Ornamente bekommen nach den Hinweisen von Carmen Reinstädler plötzlich ihren Sinn in der Gesamt­komposition. Ebenso ist es in der Pfarrkirche-von Eschlbach, wo der Hochaltar als baldachinartiges Ro-caillegebilde an der Rückwand schwebt und ein Tabernakelaltar mit zehn, in „freiem Durcheinan­der" angeordneten salomonischen Säulen davor steht. Hier wird die Asymmetrie des Rokoko auf die Spitze getrieben.

Die Endphase dieser relativ kur­zen Stilrichtung atmet die Filialkir­che in Oppolding. Pfarrer Dapsal hat in seinem Testament beklagt er habe nicht mehr alles so vollenden können, wie von ihm geplant. In der Tat wirft im Hochaltar schon der Klassizismus seine Schatten voraus. Die Kanzel stößt noch einmal alles Geordnete für einen großen Schluss­punkt des Aufschäumens von Stuck über Bord. Und doch wirkt das Kunstwerk irgendwie unfertig; es steht am Ende des 18. Jahrhunderts bereits die Säkularisation vor der Tür.
 
Wie Baustile oft trefflich zusammenpassen: In Hörgersdorf hat Christian Jorhan eine gotische Madonna aus der Vorgängerkirche in den Seitenaltar integriert.
 
Nach einer erholsamen Kaffeepause bot die von Franz Grotzinger geleitete Fahrt ein totales Kontrastprogramm.

In Thal, unweit von Taufkirchen, haben die Oldtimerfreunde Kirchberg in einem gewalti­gen ehrenamtlichen Kraftakt einen denkmalgeschützten Bauernhof, der anderswo wegen Baufälligkeit abge­brochen werden musste, detailge­treu rekonstruiert. In der Mitte des Hofes stehen ein staatlicher Taubenkobel und darunter ein historischer Wassergrand aus dem 16. Jahrhun­dert. Relativ neu sind der  7 Meter hohe Windbrunnen und ein Widder, der ohne fremde Energie das Wasser in erstaunliche Höhen pumpt. Im nahen Irlach wurde ein Backofen abgetragen und funktionsfähig wie­der aufgebaut und gerade ist man dabei, aus original nachgeformten Steinen eine gotische Kapelle zu er­richten. Im Inneren beherbergen die Gebäude interessante Ausstellun­gen.

 
Ein Museum in dem alles wächst: Restaunen löste der schöne Bauerngarten in Thal aus.
 
 
Insgesamt ist es dem Heimat­verein wieder einmal gelungen, eine Exkursion anzubieten, bei der auch versteckte Kostbarkeiten sichtbar gemacht werden. Ein in kurzer Zeit ausverkaufter Bus beweist die Be­liebtheit dieser Art von Heimatkun­de und viele Teilnehmer kündigten an, im nächsten Jahr bestimmt wie­der dabei sein zu wollen.

Peter Barteit

Aus der Vilsbuburger Zeitung vom 21. Oktober  2009 

Marquard von Wippstetten: Eine historische Nennung mit dem
Ortsnamen Wippstetten.

Zur derzeit ältesten Nennung einer Person- und Ortsnamensnennung mit Bezug auf den Ort Wippstetten in der Gemeinde Kröning gehört eine Aufschreibung aus den Jahren 1150/70, einer so genannten Tradition des Prämonstratenser-Klosters Windberg, im Landkreis Straubing-Bogen. In der Handschriftenabteilung der Münchner Staatsbibliothek befindet sich diese vor etwa 850 Jahren gefertigte Aufschreibungen, dem Codex Windbergensia. Der Codex des Klosters bringt schon in der Mitte des 12. Jahrhunderts weitere interessante Namens- und Ortsnennungen aus unserer Gegend.

 

Noch bevor Pfalzgraf Otto von Wittelsbach das bayerische Stammherzogtum am 16. September 1180 von Kaiser Friedrich Barbarossa als Stiftungslehen erhält, werden in den klösterlichen Aufschreibungen, den so genannten Traditionen des Stiftes Windberg, einige uns gut bekannte Orts- und Weilernamen, aber auch die Namen der Amtsleute des Klosters und der Herrschaft genannt. .

Mit der Christianisierung im 7. und 8. Jahrhundert kam es zur Entstehung der Schriftkultur. Die in den kirchlichen Schreibstuben gepflegte Kunst des Schreibens berichtet seit dieser Zeit von Besitzveränderungen, von Lehen und Schenkungen in zahlreichen Traditionsbüchern. Diese Bezeichnung leitet sich vom Lateinischen „tradere“ (= übergeben) ab. Die Schrift war zum unverzichtbaren Zeugnis geworden: Es finden sich im Schriftmaterial zahlreiche Personen und Geschlechter. Als tradierte Personen treten Freie und Unfreie auf. Erstere unterscheiden sich von den Unfreien durch ihre Geschäftsfähigkeit.

Der Rechtsinhalt einer Übertragung von Stiftungen, Gütern aber auch Leibeigenen, wird in einem Traditionsbuch niedergeschrieben. Diese Aufschreibung ist nicht im Sinne einer Urkunde mit einer Petschaft oder den anhaftenden Siegeln zu sehen, es sind fortlaufend geführte Eintragungen, in der Regel ohne Jahresangaben. Die darin befindlichen Nennungen sind vor allem als juristische Akte der „Auflassung“ festgehalten worden, also des Übergangs des Eigentums, durch jenes „tradere“, „delegare“, das für die Quellengattung namensgebend wirkte. Dies hat nichts zu tun mit der „Tradition“, worunter wir heute „Überlieferung“ ganz allgemein verstehen. Die Arten des jeweiligen Rechtsgeschäftes, Schenkungen, Kauf und Tausch können nicht immer exakt ausgemacht werden, da nur die jeweiligen Umstände genannt sind. Auffallenderweise wird, wie in dieser genannten Hof-Übereignung der Gegenleistungsbetrag in „talentis“ (= Talente) gemessen, während auch Geldbeträge in „denari“ und „solidi“ gerechnet werden.

Um das Jahr 1150 werden in dieser Aufschreibung, den Traditionen des Klosters Windberg an der Donau, dem „Codex Windbergensia“ Vor- und Ortsnamen genannt die einen realen Bezug zum Gebiet zwischen Isar, Vils, Bina und Rott herstellten: Konrad von Frauensattling, Perthold und Marquard von Seyboldsdorf, Wernhard von Gaindorf, Dietrich von Reisbach, Marquard und Wernhard von Haarbach, und auch ein Marquard von Wippstetten ist genannt. In der Originalaufzeichnung steht die Namensgebung „Marquradus de wipstetin“. Die Präposition „… de wipstetin“ kann als „… von Wippstetten“ gelesen werden.

Die Aufschreibung ist in Latein verfasst und berichtet in der Übersetzung von Dr. Albert Stieß: „Herr Wernhard von Haarbach und seine Gattin Berta, ebenso die zwei Söhne Konrad und Ulrich, haben dem Kloster Windberg ihr Landgut Graefing in der Herrschaft des Pienkofen für 60 Talente verkauft. Sie baten ihren Salmann (= Treuhänder) Herrn Berthold von Seyboldsdorf um die Übergabe des Gutes in die Hände des Herrn Altmann von Winzer zur Weitergabe, wo immer der Abt von Windberg oder der Konvent darum gebeten hatte. Zeugen dieser Aktion sind: Berthold von Seyboldsdorf, Altmann von Winzer, Konrad von Frauensattling, Marquard von Wippstetten, Wernhard und Reinpert von Gaindorf, Marquard von Seyboldsdorf, Karl von Rettenbach, Meingoz, Gerold, Engelbert und Wergangus von Angelsberg (bei Feichten, Neumarkt St. Veit), Ulrich von Wörnstorf (bei Geisenhausen), Marquard von Haarbach, Friedrich, Dietrich von Reisbach, Gotschalk von Leonberg (bei Neumarkt St. Veit), Otto smotzelare, Roger, Rupert von Bornkofen und Arnold von Windberg.“

Genannt wird hier das Landgut des Edlen Wernhard von Haarbach im Herrschaftsbereich des Pienkofer, wessen Name genannt ist nach dem Ort Pinkofen, Markt Schierling, Landkreis Regensburg. Die Pinkofer waren die Vögte, die weltlichen Verwalter des Regensburger Hochstiftbesitzes in Eberspoint bei Velden, wobei dieses Grafing oder Gräfing schon auch in unserer Umgebung zu suchen wäre. Berthold von Seyboldsdorf als Verhandler und Treuhänder, hat von Wernhard von Haarbach den Auftrag erhalten ein Rechtgeschäft über einen Hofverkauf mit dem Konvent Windberg zu tätigen. Zu Anfang der Aufschreibung werden die Verhandler der Übereignung genannt: Der Vermittler, Treuhänder oder Salmann dieser Hof-Übergabe war Berthold von Seyboldsdorf. Von Seiten des Käufers regelt die Übereignung der Dienstmann Altmann von Winzer. Die nachgenannte Zeugenreihe ist in der Regel nach der Rangordnung bemessen. Hier erscheint nach den schon genannten Salmännern Perhtold de Sibolstorf und Altmanus de Winzir, an zweiter Stelle unser Marquardus de Wipstetin. Und damit gehört Marquard von Wippstetten zu den vornehmsten Dienstgenossen der „familia“, der herrschaftlichen Familie der Edlen und Freien von Haarbach. Die in der Windberger Tradition genannte Berta, die Gattin des Wernhard von Haarbach, war die Tochter des Roninger Grafen Konrad II. (1143-71, Graf von Roning). Mit der Heirat Wernhards (III). von Haarbach, gründeten sie mit ihren Söhnen Konrad und Ulrich eine Haarbacher-Stammeslinie an der Vils bis zu ihrem Aussterben im 13. Jahrhundert. Die Haarbacher zu Haarbach bei Vilsbiburg werden schon zu Ende des 10. Jahrhunderts als Vögte und somit Verwalter des Besitzes der ausgestorbenen Grafen von Geisenhausen genannt. Der Geisenhausener Besitz ging durch das Testament des letzten Grafen Heinrich, welcher Bischof von Augsburg war, im Jahr 980 an das Augsburger Domstift, welches in unserer Gegend an die 158 Höfe als ihr Eigen nennen konnte. Marquard von Wippstetten war Dienstmann der Edlen von Haarbach und saß vermutlich auf einem Hof des Domstiftes Augsburg.

Die Originalnotiz, der Tradition aus dem Codex Windbergensia befindet sich in der Handschriftenabteilung der Bayerischen Staatsbibliothek in München, mit der Signatur: clm 22204, fol 228`.

 
Peter Käser

 

Quellen:

> Kopie der Traditionsnennung: Handschriftenabteilung der Bayerischen Staatsbibliothek in München, mit der Signatur: clm 22204, fol 228` Codex Windbergensia.

> Benedikt Braunmüller: die Traditionen des Klosters Windberg, in: Verhandlungen des Historischen Vereins für Niederbayern, Band.23. Seite159, Nr. XLI, – Monumenta Windbergensia.

Diese Fibel wurde um 1910 von einem Restaurator in Holzhausen an der Pfarrkirche gefunden. Sie stammt aus der Latènezeit, etwa 500 Jahre vor Christi Geburt. 
Eine alte Erfindung wird auch heute – fast 160 Jahre nach ihrer Entdeckung – noch immer häufig benutzt: die Sicherheitsnadel. Die erste Nadel stammt allerdings nicht von Walter Hunt aus New York aus dem Jahr 1849 nach Chr., der als Erfinder der Sicherheitsnadel gilt, sondern aus der Bronzezeit, d.h. in etwa aus dem 18. Jahrhundert vor Chr. Damals wurde aus dem ersten gussfähigen Metall, der Bronze (einer Legierung aus Zinn und Kupfer), eine Nadel entwickelt, die auf der Schauseite mit Spiralen oder großen Platten verziert war und nicht nur die Kleidung zusammenhalten sollte, sondern auch dem Schmuck und der Tracht zuzuordnen ist.

Grundsätzlich besteht eine Fibel aus einem Kopf, dort sitzt die Spirale, einem Bügel, der normalerweise auf unterschiedlichste Art verziert ist, und einer Nadel mit Nadelhalter. Dieser befindet sich am Fuß der Fibel. Alles entspricht einer Sicherheitsnadel. Früher nahm man an, dass der Fuß einer Fibel nach unten zu zeigen hatte, inzwischen wurde aber durch Grabungen und Grabfunde belegt, bei denen die ursprüngliche Lage des Schmuckes zu beobachten war, dass der Fuß nach oben wies und der Kopf nach unten. Oft wurden Fibeln paarweise getragen, manchmal waren sie sogar mit einer Kette verbunden. Aber auch einzelne prachtvolle Exemplare sind auf uns gekommen. Merkwürdig erscheint uns heute die Tatsache, dass die Fibeln nicht nur von Frauen, sondern auch von Männern getragen wurden. Ein gutes Beispiel hierfür sind die „Soldatenfibeln“, die von und mit den Römern zu uns kamen und von jedem Soldaten getragen wurden.

Nach den Fibeln der Bronze- und Urnenfelderzeit, die durch ihre Größe auffallen, wurde es modern, diesen Schmuck etwas zierlicher zu formen: Nun erscheint u. a. die Schlangenfibel, die wegen des stark gebogenen Bügels so genannt wurde. Auch etwas später, am Anfang der Latènezeit, um etwa 500 v. Chr., kommen sogenannte Paukenfibeln auf, die sich mit einer Halbkugel auf dem Bügel auszeichnen. Die Fibeln der Latènezeit kann man sehr gut datieren, da sie erst eine einfache Form aufweisen, dann aber langsam der Fuß Richtung Bügel nach oben geformt wird und zuletzt Fuß und Bügel zu einem Ganzen werden.

Die Römer führten neue Arten von Fibeln ein, z. B. emaillierte oder solche, die einen Knopf auf dem Bügel zeigen. Die Fibelform veränderte sich im Laufe der Zeit soweit, dass sich Kopfplatten herausbildeten. Dies sind die ersten Vorläufer dieses völkerwanderungszeitlichen Schmucks, bei dem aber auch Steineinlagen und Tierformen modern sind. Am Ende der Reihe der Fibeln stehen in unserem Gebiet große und prunkvolle Arten mit Kopfplatte, dickem Bügel und z.T. geformtem Fuß. Hier kommen wir zeitlich zum Übergang vom Heiden- zum Christentum. Dieser Umbruch wird dadurch belegt, dass es zum einen Fibeln gibt, die auf der flach gearbeiteten Rückseite eine christliche Inschrift zeigen. Die Änderung der Grabsitte, d.h. christliche Nachkommen legten ihren toten Verwandten keine Beigaben mehr in die Gräber, führte dazu, dass langsam nur noch wenige Fibeln auf uns gekommen sind. Bekannt sind noch die wikingerzeitlichen Schmuckstücke mit ineinander verschlungenen Tieren, die sich in den Gräber der Heiden fanden.

Die abgebildete Fibel wurde um 1910 in Holzhausen an der Pfarrkirche gefunden. Der Kirchenmaler Max Leser aus München konnte sie bei einer Kirchenrenovierung bergen, unter welchen Umständen ist leider unbekannt. Ins Museum kam sie durch eine Schenkung von Gundelinde Girnghuber, geb. Leser aus Vilsbiburg (Inv. Nr. 790905). Sie hat eine Länge von 8 cm und besitzt sechs Spiralen. Die Spiralen und die Nadel bestehen aus einem relativ dicken Draht. Der Bügel zeichnet sich durch drei Reihen von je fünf Noppen aus, die z.T. noch eine kleine Delle tragen. Der Bügel formt sich dann zum Nadelhalter und anschließend zu einer runden Scheibe, die sich an den Bügel schmiegt. Die Einlagen der Scheibe sind leider verloren, meist handelte es sich um Koralle oder Bernstein, wobei man nicht an den heute verkauften Bernstein denken sollte, der gelb bis orange durchsichtig schimmert, sondern an ungeschliffenen Bernstein, der meist eine rote Farbe aufweist. Diese Fibel wurde von Frauen getragen, kam aber überwiegend paarweise auf. Sie datiert sich in die Latènezeit, Latène B, in die Zeit der keltischen Wanderungen.

Wer Interesse an solchen Stücken hat, sollte ins Heimatmuseum Vilsbiburg gehen, in der Abteilung für Vor- und Frühgeschichte finden sich auch andere bemerkenswerte Funde.

Dr.Cornelia Renner
 

Laurent Chatrian – Ein emigrierter Priester der Französischen Revolution findet Aufnahme in Vilsbiburg.
Vilsbiburg. Durch die Wirren der Französischen Revolution wurde auch die alte Ordnung der Katholischen Kirche Frankreichs gänzlich zerstört. Eine der Auswirkungen war, dass neben Adeligen und Bürgerlichen, Soldaten und Beamten, auch Priester, Bischöfe und Ordensleute zur Emigration gedrängt, aber auch gezwungen wurden. Die Zahl der Auswanderer erreichte fast die der in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts aus Frankreich vertriebenen Hugenotten. So sind ab 1789 französische Emigranten fast in allen Ländern Europas, ja sogar in Übersee zu finden.

Der vordergründige Anlass zur Emigration war der Zwang zur Vereidigung des französischen Klerus auf die Zivilkonstitution vom 12. Juli 1790, deren Annahme nach den päpstlichen Entscheidungen von 1791 für Katholiken mit der Strafe der Exkommunikation verboten war. Da aber die kirchliche Entscheidung zu lange auf sich warten ließ, hatte ein Teil des niederen Klerus bereits den so genannten Zivileid auf die neuen Machthaber in Frankreich geleistet. Andere wiederum, die „Eidverweigerer“, fielen unter die Deportationsgesetze, was den sofortigen Landesverweis zur Folge hatte. Dieses Los traf dann letztendlich auch jene Geistlichen, die bereits den Zivileid abgelegt hatten.

 

Als eine der aufnehmenden Staaten kamen unter anderem das Kurfürstentum Bayern sowie die geistlichen Fürstentümer Freising, Passau und Regensburg in Frage. Kurfürst Karl Theodor sah dieser Entwicklung mit großem Misstrauen entgegen, befürchtete er doch, dass umstürzlerisches Gedankengut durch die Emigranten eingeschleust werden könnte. So ging er schon 1789 mit Verordnungen gegen das „Unwesen fremder Emissäre“ vor, verbot ketzerische Flugschriften und unterband den Briefwechsel Einheimischer mit Franzosen. 1792 wurden weitere Verschärfungen in Kraft gesetzt; der Kurfürst erhöhte den Polizeietat, um mehr Beamte und Spitzel einzustellen. Ein weiteres Dilemma für den Landesherrn zeigte sich mit der zu dieser Zeit gepflogenen Außenpolitik mit Frankreich, die eigentlich eine Ausweisung der Emigranten aus Bayern vorgesehen hätte, was der Kurfürst jedoch verweigerte. Karl Theodor verbot aber den Zugewanderten jede politische und öffentliche Tätigkeit. Als unpolitische Privatpersonen mussten sie ein ruhiges und unverdächtiges Leben im Exil führen.

 

Wilhelm Wührs Abhandlung zu den Emigranten der Französischen Revolution im bayerischen und fränkischen Kreis (1938) hat die Kommission für Bayerische Landesgeschichte 1974 neu aufgelegt. In einschlägigen Archiven hatte er über 4000 Namen dieses Personenkreises ermittelt und nach ihren neuen Wirkungsorten und Bleibezeiten in Bayern aufgelistet. Dabei sind ab 1794 für unsere Region als Aufenthaltsorte französischer Priester, die Namen sind bekannt, die Pfarreien Binabiburg (1794–1798, 1801), Frontenhausen (1794,1796-1798), Treidlkofen (1794/95), Bonbruck (1795), Gerzen (1794/95, 1797, 1799), Filiale Wippstetten (1798/99), Reichlkofen (1798), Geisenhausen (1794, 1797, 1799) und Loizenkirchen (1797) erwähnt. Ein Beispiel: Pfarrer Nikolaus Corringer aus Biberkirch in der Diözese Metz hatte es mit seinem Domizil beim Pfarrer von Treidlkofen gar nicht gut getroffen. Nachdem er vom dortigen Pfarrer geschlagen und nachts vertrieben worden war, hatte er es dort „nimmer ausgehalten“. In Binabiburg fand er 1795, in Vilsbiburg dann 1797 Aufnahme.

 

Unter der Nummer 921 erscheint Laurent Chatrian, Pfarrer zu St. Clément in der Diözese Nancy, der am 29. September 1794 von der bayerischen Regierung eine Aufenthaltserlaubnis für Vilsbiburg erhielt. Auf seine Person aufmerksam gemacht hat ein im Jahr 2003 in der französischen Zeitschrift „Le Pays Lorrain“ erschienener Artikel mit dem Thema „Abbé Chatrian : chroniquer de l’emigration“. Vor dem Erscheinen hatte der Herausgeber aus Lunéville bei der Stadtverwaltung Vilsbiburg um eine historische Ansicht unseres Ortes gebeten, worauf dann der Kupferstich von Michael Wening benutzt wurde. Chatrian wurde 1732 in Lunéville/Lothringen geboren. 1756 zum Priester geweiht, versah er in den folgenden Jahrzehnten den Dienst in mehreren Pfarrstellen der Region. Er wurde bekannt als Verfasser zeitgenössischer und biographischer Werke über das Leben in den Gemeinden Lothringens. 1791 forderte man ihn auf, die neue französische Verfassung anzuerkennen. Er lehnte diese jedoch als „heidnisch“ ab, was die Enthebung von seinen geistlichen Ämtern und 1792 die Deportation zur Folge hatte. Chatrian begab sich zunächst ins Exil nach Trier, wo er auf weitere Priesterkollegen stieß, die dort das Hauptzentrum der lothringischen Kirche bildeten. Über Köln (dort als Spion verhaftet, nach zwei Stunden wieder entlassen), Frankfurt, Bamberg, Augsburg und München traf er am 2. Oktober 1794 in Vilsbiburg ein, wo er zunächst bei unserer Wallfahrtskirche Maria Hilf als Votivpriester sein Auskommen fand.

 

Das größte Problem für die Emigrantenpriester war, dass sie ohne Vermögen und mit nur kleinem Gepäck aus Frankreich ausreisen mussten. So waren sie für Ihre Priesterdienste aus Einkünften von Meßstipendien angewiesen, die sie vor allem an Wallfahrtsorten wie Vilsbiburg, Wippstetten und St. Salvator Binabiburg in Anspruch nehmen konnten. Damit war die Quartier- und Verpflegungsfrage leichter gelöst. Leider sind Nachrichten über den Aufenthalt Chatrians in Vilsbiburg nur spärlich, wirkte er hier immerhin über sieben Jahre. Wie die Marktkammer-Rechnung berichtet, logierte er im Gasthof zur Post (Urban) am Stadtplatz, nach der Posthalter Anton Faistenhammer 1795 und 1796 „wegen dem emigrierten Priester“ für „Bett- und Zinsgeld“ 24 Gulden aus der Marktkasse erhielt. Für die Jahre von 1797 und 1798 (weitere Jahrgänge fehlen im Bestand) bewilligte der Amtskammerer (Bürgermeister) Ignaz Präntl für die „Haltung der täglichen halbe 10 Uhr Messe“ in der Heilig-Geist-Spitalkirche, dann für „Herberg-Zins, Bett- und Auswartgeld“ jeweils 16 Gulden. Den Ausgabebeleg quittierte Laurent Chatrian mit eigenhändiger Unterschrift, seinem Siegel und dem Zusatz „Votiva Francisci á Vilsbiburg“. 1799 händigte man „dem emigrierten frantzösischen Priester Herrn Laurenzius Schaberion zum Wohnungsbeitrag“ 16 Gulden aus und überließ ihm neben zwei Klaftern Brennholz auch zwei Klafter Wied (Reisigholz) im Wert von 34 Kreuzern.

 

Ab Herbst 1798 verschlechterte sich die Situation für die emigrierten französischen Priester im Kurfürstentum Bayern dramatisch. Ausschlaggebend war weiterhin die Angst im Land vor der Verbreitung revolutionären Gedankengutes. Am 8. Oktober 1798 wurde von der bayerischen Regierung per Dekret die Vertreibung der Ausländer bekannt gegeben. Danach sollten die sich in München aufhaltenden Franzosen innerhalb zwei Wochen, die auf dem Land wohnenden innerhalb von vier Wochen abreisen. Doch scheint die Anordnung nicht allzu streng gehandhabt worden zu sein. 1799 befanden sich immerhin noch 340 französische Priester auf kurfürstlichem Boden. Der neue Kurfürst Max Josef verschärfte noch einmal mit Verordnung vom 29. April 1800 die Lage, wonach zum Beispiel die in München sich aufhaltenden Priester innerhalb von 24 Stunden die Stadt zu verlassen hätten.

 

Inzwischen hatte Napoleon die Notwenigkeit erkannt, den Religionsfrieden in Frankreich wieder herzustellen. Mit Papst Pius VII. schloss der Konsul am 15. Juli 1801 das „französische Konkordat“, was die Neuordnung der Katholischen Kirche Frankreichs zur Folge hatte und damit die Rückkehr der emigrierten französischen Priester, ohne Repressalien zu befürchten, ermöglichte. Die Rückreise Laurent Chatrians nach Frankreich erfolgte mit anderen Priesterkollegen im Jahr 1802, wo er am 10. Mai in Lunéville ankam. Aufgrund seines Alters lehnte er ein angebotenes höheres Amt in der Kirche ab, er widmete sich weiter seinen schon vor der Revolution begonnenen Memoiren. Im Alter von 82 Jahren starb er am 24. August 1814.                                    
Lambert Grasmann

900 Jahre Heiliger Benno – Heiliger in Sachsen und Bayern

Eine Statue in der Pfarrkirche Binabiburg erinnert an den Heiligen

Am 16. Juni 1106 starb Bischof Benno von Meißen. 40 Jahre lang war er als zehnter Oberhirte seinem sächsischen Bistum vorgestanden. In den schweren Auseinandersetzungen seiner Zeit zwischen Papst und Kaiser hatte er sich für eine friedliche Beilegung eingesetzt. Besondere Verdienste hatte er sich um die Mission der slawischen Bevölkerung erworben. Bald nach seinem Tod wird er als Heiliger verehrt.
Die Einführung der Reformation in Sachsen hatte die Zerstörung des Benno-Grabes zur Folge. Seine Reliquien konnten jedoch rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden. Die heimliche Rettung der Gebeine durch Herzog Albrecht V. nach München im Jahr 1576 wurde als Sieg im Glaubenskampf gewertet und als persönlicher Triumph des Hauses Wittelsbach gefeiert. In einer feierlichen Prozession wurden die Gebeine Bennos am Isartor empfangen und in die Herzogspitalkirche gebracht. Alle Glocken Münchens läuteten, der Klerus und die Vertreter der Stadt waren zugegen. Ein eigener Torbogen aus Stein war an der Isarbrücke errichtet worden, der bis 1797 als „der rothe Turm“ bekannt war. Das Heiligtum wurde zunächst als fürstliches Eigentum in der Hofkapelle aufbewahrt und erst 1580 auf Bitten der Geistlichkeit zur öffentlichen Verehrung in die Münchner Frauenkirche übertragen. 1604 war die Erhebung des heiligen Benno zum Stadt- und Landespatron. Schon bald wuchs die Popularität. Zu dieser Volkstümlichkeit des sächsischen Bischofs hatte vor allem das seit 1598, häufiger von den Jesuiten aufgeführte Drama „Benno“ beigetragen, das vom Leben und Schicksal des Heiligen handelte. 1601 wurden die Reliquien im Schausockel einer kostbaren Silberbüste des Heiligen deponiert. Der Ruf des wunderkräftigen Heiligtums verbreitete sich bald im ganzen Land und löste einen ungeheueren Zustrom von Wallfahrten aus, deren Votivgaben und Geldspenden die Opferstöcke reichlich füllten. Noch im Juni des Jahres 1603 wurde mit dem Bau einer Benno-Sakristei begonnen, und 1604 konnte nach dem Entwurf von Hans Krumper der Benno-Bogen errichtet werden. Er schmückte den Münchner Dom bis 1858. Neben der Schmerzensmutter in der Herzogspitalkirche waren der Benno-Altar in der Frauenkirche die berühmtesten Gnadenstätten Münchens. Am 31. Mai 1603 wurde in München die Bennobruderschaft zur Unterstützung verarmter Bürger und Handwerker gegründet. Bereits in diesem Jahr kamen 80 auswärtige Pfarreien in Prozessionen zum Heiligen. Ursachen für die Wallfahrten waren oft das Verlöbnis wegen innerer Krankheiten und rheumatischen Leiden. In zahlreichen bayerischen Kirchen findet sich sein Bild – als Bischof mit den Attributen Fisch und Schlüssel.

Die unmittelbare Nähe zur Freisinger Bistumsgrenze brachte vermutlich den München/Freisinger Bistumsheiligen Benno in die Binabiburger Pfarrkirche. Hier befinden sich im Presbyterium auf der linken Seite erhöht, die Figur des heiligen Benno und rechts des Regensburger Bistumsheiligen Wolfgang. Als Allianzfiguren waren Benno und Wolfgang bis nach dem großen Brand von Binabiburg vom 7. Mai 1901, die Hauptfiguren auf dem barocken Hochaltar. Nach dem Brand wurde die stark verrußte und beschädigte Kirche renoviert. Pfarrer Joseph Rettenbeck hatte einen neuen neugotischen Hochaltar vom Landshuter Kunstschreiner Reichwein im Jahr 1903 angeschafft. Dieser Altar passte jedoch nicht so recht in die eigentliche barocke Altarkomposition mit den Nebenaltären und wurde stückweise abgetragen. Der barocke Stiftungs-Kreuzaltar – der hl. Dorothea geweiht – mit der Bild-Darstellung „Beweinung Christi“, fungiert seit der Renovierung 1974 als Hochaltar. Benno und Sankt Wolfgang kamen in die Muschelnische im südlichen Kirchenschiff, wo dieser Kreuzaltar stand. Bei der Renovierung im Jahr 2000 wurde die Altar-Muschel zugemauert, Benno und Wolfgang kamen in das Presbyterium.
250 Jahre sind die beiden Holzfiguren alt. Pfarrer Fr. Andreas Hözendofer stattete die Binabiburger Kirche 1757 mit einem neuen Hochaltar aus. Zwei neue Statuen – Wolfgang und Benno – kamen vom Vilsbiburger Bildhauer Wagner, welcher dafür den Lohn von 61 Gulden 30 Kreuzer erhält.
Die Beliebtheit des heiligen Benno als Bayernpatron kommt zum Ausdruck in seiner liturgischen Vorrangstellung, in vielen Abbildungen und Figuren in bayerischen Kirchen und Kapellen und schließlich auch in dem alljährlich in München feierlich begangenen Bennofest. Die Figur des heiligen Benno mit Mitra und Bischofsstab in der Kirche Binabiburg, hat außer dem in der linken Hand haltendem Buch keine Attribut mehr, Schlüssel und Fisch sind leider abhanden gekommen.
Peter Käser

Tag des offenen Denkmals in Hörlkam

Der Hof des Hanslbauer und seine Geschichte
Der Tag des offenen Denkmals wird am Sonntag den 14. September von 10 bis 16 Uhr auf dem Hanslbauernhof in Hörlkam durchgeführt. Die Veranstaltung steht unter dem Motto „Arbeiten und Wohnen im Denkmal“.
 
 
Für viele ist der Dreiseithof des Künstlerehepaares Michaela und Florian Geissler in Hörlkam ein Begriff. In bereits fünf großen Ausstellungen mit namhaften Kunsthandwerkern und Künstlern hatten die Geisslers ihren Hof für viele Besucher geöffnet.

Wie in jedem Jahr, so hat sich auch heuer der Heimatverein Vilsbiburg an der bundesweiten Ausschreibung zum Tag des offenen Denkmals beteiligt. Am Sonntag den 14. September ist es wieder einmal so weit: Es wird den Besuchern der „Hansbauer“, der heutige Geissler-Hof vorgestellt. Der Künstler- und Keramikerhof öffnet seine Pforten für jedermann, um den Besuchern, eine im Lauf der Zeit stehende Veränderung und Anpassung mit einem denkmalgeschützten Dreiseithof vorzustellen, welcher heute eine Keramikerwerkstatt mit viel Ausstellungsfläche beinhaltet.

Der Hansbauernhof in Hörlkam ist heute im Besitz von Florian und Michaela Geißler. Die Geißlers sind „Tonkünstler“, aber ohne Instrumente und Noten. Nein, sie verstehen es mit dem Werkstoff Ton und Lehm umzugehen und fertigen in erster Linie Kacheln für den speziellen „Geissler-Kachelofen“ welcher dann auch eine bestimmte Note und künstlerische Ausstrahlung besitzt. Der denkmalgeschützte Dreiseithof mit einem beachtenswerten Wohnstallhaus und dem alten Hausnamen „Hanslbauer“ steht in Hörlkam bei Geisenhausen und ist schon vor Jahrhunderten in den Archivalien zu finden.

Nachforschungen zu einer Hofgeschichte, bringen es mit sich, sich auch um die Entstehung des Ortsnamens und der beiliegenden Höfe zu beschäftigen. Da die früheste derzeitige Nennung von Hörlkam mit dem Namen „Herilincheima“ vor über 1000 Jahren zu finden ist, wird der Weilername Hörlkam von „-heim“ und von einem Besitzer, in diesem Falle von einem „Herilin“ herkommen. Somit dürfte Hörlkam, als „Heim des Herilin“ aus einem fränkischen Grundhof um 800/900 entstanden sein. Als Grundwort ist althochdeutsch -heim oder -haim zu erschließen, das eine Kurzform zu „cheima“ ist: Wohnung, Behausung, Heimstatt. Die Vermehrung von einem Hof zu einem Weiler mit mehreren Höfen dürfte im 10. Jahrhundert entstanden sein; die Söhne des „Herilin“ haben sich beim väterlichen Gutshof sesshaft gemacht.

Hörlkam kann auf eine archivalisch gut nachweisbare 1000-jährige Geschichte zurückblicken. Auch andere bekannte Ortsnamen sind bei dieser Nennung, den Traditionen des Hochstiftes Freising der Jahre 990/1000 zu finden: Eiselsdorf, Geisenhausen, Rampoldsdorf, Haunersdorf, Allkofen, Oberfimbach, Fimbach, Lochham, Hettenkofen, Adllmannsdorf, Attenkofen, Schweinbach, Bergham und eben Hörlkam. Der verstorbenen Geisenhausener Heimatkundler Joseph Hager hat in seiner Schrift „1000 Jahre Geisenhausen“ dieser Beschreibung der Urpfarrei Hohenegglkofen vom Jahr 990/1000 auf Seite 62/63 besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Einen frühen Besitzer von Hörlkam nennt das Hochstiftes Freising vor dem Jahr 1221 mit einem „Heinricus de Herlichain“, als zinspflichtigen Untertanen. Heinrich von Hörlkam macht eine Abgabe (Zins) von jährlich 5 Denaren auf den Altar der heiligen Maria der Freisinger Kirche. Hieraus ist erkennbar, dass der Bischof von Freising Grund- und Gerichtsherr ist.

In der ersten Steuerbeschreibung des kleinen Landgerichts Geisenhausen, einem Giltbuch vom Jahr 1474 mit dem Amtmann Andre Burger (Bürg bei Gaindorf), welchem die beiden Obleute Thomas Valkensperger und Oswald zu Liechtenburg (Falkenberg und Lichtenburg bei Vilsbiburg) zur Seite stehen, wird „Herlkhaim“ also das heutige Hörlkam genannt.

In einer Beschreibung des Besitzstandes des Klosters Frauenchiemsee vom Jahr 1629 erscheinen neben dem Auergut in Hörlkam, welches zum Kloster Frauenchiemsee gehört, auch die Hausnamen des Kleeberger, Sellmayer, Ott und Hanslbauer. Eine statistische Beschreibung der Höfe im Amt Geisenhausen liefert die Güterkonskription vom Jahr 1752 und die Hofanlagenbücher von 1760 bzw. 1791 welche sich im Hauptstaatsarchiv von München befinden. Darin sind alle Anwesen des Gerichts mit Grundherrschaften, Hofgrößen und alle Veränderungen aufgeführt. In der Obmannschaft Vils ist der Weiler Hörlkam mit den sechs Anwesen: Selmer, Kleeberger, Ott, zum Kloster Frauenchiemsee gehört der Hof des Auer, ebenso das Austragshaus des Auer; das Sölden Häusl, das der Auer im Jahr 1629 Jahr dem Georg Mayr verkauft hat. Ein freier und eigener Besitz ist der Hof des Hanslbauer, auf dem heute die Familie Geissler wohnt.

Im Staatsarchiv von Landshut auf der Burg Trausnitz, befindet sich der Häuser- und Rustikalsteuerkataster von Geisenhausen vom Jahr 1808, der Grundsteuerkataster von 1813, der Rustikal-Steuerkataster über das Grundvermögen des Steuerdistrikts Geisenhausen, Landgericht Vilsbiburg im Isarkreis vom Februar 1815, Umschreibhefte, letztendlich der Urkataster vom Jahr 1844/46: Hörlkam, mit den Hausnummern 160 bis 165. Die Haus Nummer 163 besitzt der Hanselbauer (heute Geissler). Besitzer ist Simon Fließer, welcher den Hof am 24. Oktober 1798 von den Eltern um 3000 Gulden gekauft hat. Der Urkataster vom Jahr 1846 nennt auf dem Hansbauernhof als Besitzer Lorenz Hermanskirchner. In den Katastern erscheinen Wald, Äcker und Wiesen mit ihren alten Namen wie z.B. Fuchsberghölzl, Kothfallacker, kleine Breite, Leithe und Gassenacker.

Nach dem Tod des ledigen Hanslbauer-Besitzers Josef Diewald, war die Hofstelle zwei Jahre lang unbewohnt. Von einer Erbengemeinschaft wurde das Anwesen an die Stadt Vilsbiburg verkauft. Nachdem von Helga und Otto Geissler der Stadt Vilsbiburg ein ansprechendes Konzept zur Erhaltung des Dreiseithofes vorgelegt wurde, konnten diese im Mai 1979 das Anwesen kaufen. 1993 wurde es an den Sohn Florian übergeben. Die Geisslers errichten in dem Dreiseithof einen florierenden Keramikbetrieb mit Schwerpunkt Kachelofen- und künstlerische Gartenkeramik. Die heutigen Besitzer des Hanslbauern von Hörlkam sind Florian und Michaela Geissler. Beide besuchten die Fachschule für Keramik und schlossen diese mit der Meisterprüfung ab. Fünf große Kunsthandwerkerausstellungen hat das alte Wohnstallhaus, ein Blockbau mit Traufseitschrot aus dem 18. Jahrhundert schon gesehen und miterlebt. Viel Liebe zum Detail haben die Geisslers bei der Sanierung ihres Hofes entwickelt. Die gemauerten Stallungen mit den böhmischen Gewölben, und die darüber liegenden Heu- und Kornlager wurden zu repräsentanten Ausstellungsflächen ausgebaut, ohne die äußeren Gebäudemerkmale zu verändern. Eine schöne Besonderheit ist die korbbogig gemauerte Toreinfahrt mit der Fußgängerpforte, aber auch die in heutiger Zeit betonende, mit künstlerischen Stelen ausgestattete Gartenkeramik.
Interessant ist natürlich für unsere Künstler auf dem Hanslbauernhof, welche tagaus tagein mit dem Werkstoff Lehm/Ton umzugehen wissen, ein Eintrag im Kataster vom Jahr 1844: im Garten befindet sich eine Ziegelei mit Brennofen. Was die Geisslers aber besonders freut, ist, dass hier am Hof schon vor über 150 Jahren Lehm abgebaut wurde, und dies ist auch im Garten durch die Abgrabungen noch gut erkennbar ist. Dann wurde hier der Werkstoff Lehm/Ton zu kleinen Kunstwerken, wenn es vielleicht auch nur Ziegelsteine oder Dachschindel waren verarbeitet, so wie die heutigen Besitzer ihre Kachelöfen aus demselbigen Grundstoff auch heute noch fertigen.

Peter Käser

Ehrenurkunde für denkmalgerechte Sanierung des Hauses an Familie Geltinger
Neuhausen. „Mit großem Engagement und enormer Eigenleistung hat die gesamte Familie Geltinger das Wohnhaus einer Renovierung unterzogen und bis auf einige Reste fertig gestellt. Mit viel Liebe zum Detail, handwerklicher Geschicklichkeit und unter Beachtung bodenständige Materialien zu verwenden, wurde hier ein Schmuckstück  speziell für das Dorf und damit für die Gemeinde Aham geschaffen. Da das Anwesen am so genannten Vilstal-Radwanderweg am Eingang des Dorfes liegt, wird die Anlage viel positive Beachtung erfahren.“ Obwohl das Anwesen nicht unter Denkmalschutz stehe, hätten die Besitzer mit viel Gespür für bodenständiges Bauen im Sinne der Denkmalpflege gehandelt und den denkmalpflegerischen Mehraufwand in Kauf genommen. So würdigte der ehemalige Kreisheimatpfleger Lambert Grasmann eine außergewöhnliche denkmalpflegerische Leistung und überreichte eine Ehrenurkunde des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege.
Angeregt wurde diese Aktion schon vor einiger Zeit von Freiherr Franz-Josef von der Heydte. Er machte Grasmann auf die gelungene Sanierung aufmerksam, als dieser noch als Kreisheimatpfleger tätig war. Schnell war ein Antrag formuliert und nach gründlicher Prüfung bewilligte man in München die Ausstellung der Ehrung, die vom Vorsitzenden des Landesvereins, dem Landtagspräsidenten a. D. Johann Böhm persönlich unterzeichnet wurde. An der feierlichen Überreichung der Urkunde nahm auch der aktuellen Kreisheimatpfleger Peter Barteit teil.
Lambert Grasmann ging bei dieser Gelegenheit auch auf die Geschichte des Anwesens ein, das den Hofnamen „Saumühle“ trägt und ehemals eine Vierseitanlage war. Das Wohnhaus wurde laut einer Tafel an der straßenseitigen Giebelwand im Jahr 1885 in Ziegelbauweise erbaut. 1941 hat es der Großvater des jetzigen Besitzers erworben. Der Mühlenbetrieb dürfte um 1920 eingestellt, die Mühlengebäude um 1930 abgebrochen worden sein. Die Renovierungsmaßnahmen begannen im Jahr 1995. Dabei wurde der Putz im Erdgeschoss komplett erneuert. Der neue Mauerputz an den Fassaden ist lebhaft gestaltet. Die bogenförmige dreigliedrige Rustikagliederung über allen Fenstern sowie die waagrechten, aufgeputzten und teilweise profilierten Lisenen unter den Fenstern des 1. Obergeschosses und des Speichergeschoßes an der Giebelseite sind farblich abgesetzt. In der Giebelwand befindet sich eine Nische mit Heiligenfigur.
Alle Fenster wurden erneuert. Dabei hat man nach den alten Vorbildern zweiflügelige Fenster mit jeweils einer oder zwei Quersprossen, mit profiliertem Mittelpfosten und jeweils zwei im Stock eingelassenen Eisenstäben eingebaut und holzsichtig belassen. Winterfenster können außen vorgesetzt werden. Die Beschläge richten sich nach den alten Vorbildern. Die bisher außen unter den Fenstern angebrachten aufgeputzten Fensterbretter mit Profilleisten wurden durch Natursteinelemente ersetzt. Das Dach ist mit roten Falzziegeln gedeckt. Die Türblätter und Türstöcke im Inneren des Wohnhauses sind größtenteils alt, die Zargen nach alten Vorbildern zum Teil erneuert. Die Treppe zum 1. Obergeschoss mit schmalen gedrechselten Säulen ist im alten Zustand verblieben. Lediglich der für die Bauzeit übliche Farbanstrich, wie auch die Farbanstriche bei den übrigen Türen im Haus wurden abgenommen. Die alten breiten Bodenbretter in der Diele des 1. Obergeschosses sind erhalten.
Den Ausführungen seines Vorgängers konnte sich der neue Kreisheimatpfleger nur anschließen. „Sie haben hier ein Schmuckstück geschaffen, das sich wohltuend abhebt von mancher Einheitsarchitektur“, sagte Peter Barteit. Die Baumaßnahme der Familie Geltinger sei der Beweis dafür, dass sanieren nicht gleichbedeutend sei mit abreißen. Man könne mit dem notwendigen Gespür für die richtigen Stilelemente fast jedes Gebäude mit seinem unverwechselbaren Charakter erhalten und zu neuem Glanz verhelfen. Es sei zu wünschen, dass sich vielen Hauseigentümer an den guten Vorbildern orientieren, die man nicht nur in Neuhausen, sondern auch in Großmaulberg und anderswo sehen könne.
Es freuen sich alle über die Ehrung für eine gelungene Restaurierung, die nach Auskunft des kunstvoll geschnitzten Balkons im Jahr 2010 vorläufig abgeschlossen war. Von links: Martin, Franz, Anna und Anna sen. Geltinger, Freiherr Franz-Josef von der Heydte, Thomas Geltinger, Lambert Grasmann und Peter Barteit.

Jahresversammlung im Gsellnhaus

Dienstag, 27. März 19.30 Uhr
im Gsellnhaus mit Lichtbildervortrag der Kunsthistorikern
Martina Außermeier M.A.

„Auswirkungen der so genannten Landshuter Bauschule auf Kirchen im Vilsbiburger Land“.

Musik im Museum

Samstag, 19. Mai
19.30 Uhr

Instrumentalkonzert mit
Richard Köll, Stefan Amannsberger
und Gast: Michi Ross
in der Spitalkirche

Dreifaltigkeitsmesse in der Spitalkirche

Samstag,  2. Juni
19.00 Uhr


Samstag, der 16. Juni 2012
10.00 Uhr

Eröffnung der Sonderausstellung 
„mich adelt die Kunst“
Leben und Werk des Landschaftsmalers Eduard Schleich d. Ä. (1812 – 1874)
im Heimatmuseum
Die Ausstellung ist bis zum 14. Oktober 2012, dem 200. Geburtstag von Eduard Schleich zu sehen.

Tag des Offenen Denkmals

Sonntag,
9. September
Führungen jeweils um 10.00 und 14.00 Uhr, Treffpunkt am Heimatmuseum

Das alte Vilsbiburg in mehreren Rundgängen mit sachkundiger Führung erwandern und am Schluss dem bekannten Landschaftsmaler Eduard Schleich d. Ä. in der Sonderausstellung im Heimatmuseum zum 200. Geburtstag gratulieren.

Heimatfahrt

Sonntag,
23. September

Heimatfahrt
in das Land nördlich der Isar
(Jenkofen, Frauenberg, Reichersdorf, Niederaichbach)

Abfahrt um 12:30 Uhr am Volksfestplatz

Teilnehmerkarten sind im Heimatmuseum erhältlich

Gnadenbild aus dem 15. Jh. in der Kirche zu Frauenberg.

Museumsabend zur Sonderausstellung

                   Achtung Terminänderung!
Dienstag, 2. Oktober
19:30 Uhr

 „… mich adelt die Kunst“
 – Leben und Werk des Landschaftsmalers Eduard Schleich d. Ä. (1812 – 1874
Die Ausstellung ist bis zum 14. Oktober 2012, dem 200. Geburtstag von Eduard Schleich zu sehen.

Gnadenbild aus dem 15. Jh. in der Kirche zu Frauenberg.

Joli’s Papiertheater

12. Oktober 2012, 19:00 Uhr
im Heimatmuseum

präsentiert

Das Feuerzeug
von Hans Christian Andersen

Gnadenbild aus dem 15. Jh. in der Kirche zu Frauenberg.

Katharinenmesse in der Spitalkirche

24. November, 19.00 Uhr

Gnadenbild aus dem 15. Jh. in der Kirche zu Frauenberg.

Neue Sonderausstellung

Vom 8. Dezember 2012 bis 3. Februar 2013

„Zwischen Advent und Lichtmess“

Gnadenbild aus dem 15. Jh. in der Kirche zu Frauenberg.