Geschichte und Geschichten von Maria Hilf bei Vilsbiburg

Kapuziner prägten über zwei Jahrhunderte das Wallfahrtsleben auf Maria Hilf.

 

Der Weltpriester Ignaz Berger und spätere Kapuziner Pater Leo Maria war der Initiator für die Erbauung der beiden Türme auf Maria Hilf.

Die Seelsorge auf dem Berg wurde in verschiedenen Epochen von Weltpriestern, dem Orden der Redemptoristen und in der längsten Zeitspanne von über 200 Jahren, vom Orden der Kapuziner geleistet. Alle Wallfahrtsseelsorger gaben ihr Bestes für das Seelenheil der Menschen in Stadt und Land und machten aus Maria Hilf eine blühende Wallfahrt.

 

Die Wallfahrt Maria Hilf wuchs aus kleinsten Anfängen. Tiefe Volksfrömmigkeit und die Angst vor den Türkenkriegen ließ sie entstehen. Gründer war der fromme Kaminkehrermeister Donatus Barnabas Orelli, der aus Locarno am Lago Maggiore kam und sich in Vilsbiburg niederließ. Am 26.März 1686 errichtete er an der Stelle der heutigen Kirche eine Kreuzigungsgruppe, bald darauf ergänzte er diese mit dem Bau einer Rundkapelle. Die Kapelle konnte aber bald die Menge der Wallfahrer nicht mehr fassen, deshalb erweiterte Orelli mit Hilfe der Marienverehrer diese mit einer „inneren Kapelle“, die das Maria Hilf-Bild, eine Nachbildung des berühmten Bildes von Lucas Cranach, beherbergte. Da das kleine Heiligtum eine außergewöhnliche Anziehungskraft auf das gläubige Volk auslöste, entschloss sich Orelli, mit Erlaubnis der geistlichen Obrigkeit, unterstützt durch milde Gaben, im Jahr 1701 ein Langhaus zu erbauen, das 1704 vollendet war. Zugleich wurden sieben kleine Kapellen um die Kirche errichtet, welche die Passionsgeschichte darstellten. Deshalb wurden sie auch „Leidenskapellen“ genannt.

 

Ein Hospizium, ein Kloster auf Maria Hilf?

Zur geistlichen Betreuung dieser aufstrebenden Wallfahrt erwirkte Donatus Orelli 1705 die Errichtung eines Hospiziums (Kloster), in das die für die Seelsorge gewonnenen Kapuziner einziehen konnten.

Unter der Führung der Kapuziner entwickelte sich auf dem Berg ein blühendes Wallfahrtsleben. Die verschiedenen Bruderschaften, deren Feste groß gefeiert wurden, die traditionellen Wallfahrten der umliegenden Pfarreien, das eingeführte 40stündige Gebet an den Fastnachtstagen mit langen Predigten und täglichen Hochämtern, dazu die Pilgerströme aus nah und fern, brachten fruchtbares religiöses Leben auf den Berg. Einige Patres waren häufig als Prediger bei Volksmissionen in der Region eingesetzt. Die wortgewaltigen Kapuziner beeindruckten die Gläubigen mit ihren Predigten. Dazu mussten die Patres auch Aushilfen in den umliegenden Filialen und Pfarreien übernehmen.

Neben den Geistlichen unter den Patres, kamen auch Frater (Brüder) der Kapuziner auf den Maria Hilf-Berg. Die Aufgabe der Brüder war, für das leibliche Wohl der Gemeinschaft zu sorgen. Die Kapuziner gehörten zu den so genannten „Bettelorden“ und legten das Gelübde der Armut ab. Sie durften sich aber Grundnahrungsmittel bei der ländlichen Bevölkerung erbitten, von der Geschäftswelt wurde die Klostergemeinschaft ebenfalls mit Sachspenden unterstützt. Die Brüder waren in den verschiedensten handwerklichen Berufen ausgebildet und brachten ihre Fähigkeiten in die Klostergemeinschaft ein.

Die Ordensgeistlichen, die fast 100 Jahre bis zur Auflösung der Bettelorden-Klöster 1802, in Vilsbiburg wirkten, begegneten aber auch Menschen, die ihnen nicht immer wohl gesonnen waren. So war die Zusammenarbeit mit der Pfarrei nicht immer so harmonisch wie in den vergangenen Jahrzehnten. Ein Beispiel ist der Benediktiner-Abt Marian Wieser vom Kloster Neumarkt Sankt Veit, das damals für die Betreuung der Vilsbiburger Pfarrei zuständig war. Abt Marian war ein erbitterter Gegner der klösterlichen Niederlassung der Kapuziner auf Maria Hilf. Der Berufung der Kapuziner hierhin legten sich anfänglich nicht geringe Schwierigkeiten in den Weg, deren größte der Abt von St. Veit bei Neumarkt an der Rott bereitete, zu dem die Pfarrei Vilsbiburg gehörte. Er befürchtete materiellen und moralischen Nachteil für sein Neumarkter Kloster, wenn fremde Ordensleute die Wallfahrtspflege übernähmen, und ließ nichts unversucht das Unternehmen rückgängig zu machen. Es ist bekannt, dass er in der Aufregung zu dieser Angelegenheit einmal ausgerufen hat: „Lieber brennt mir meine halbe Abtei nieder, als dass Kapuziner nach Vilsbiburg kommen!“ – Und siehe, nicht lange nach diesem Ausspruch ward wirklich die Hälfte des Klosters ein Raub eines großen Schadenfeuers geworden! Am 24. Juli 1704 sind zwei Kapuzinerpatres von Landshut nach Vilsbiburg beordert worden. Anders als dieser Abt von St. Veit stand der Sache der kurfürstliche Pfleger von Vilsbiburg Antonio von Maffei gegenüber. Dieser nahm sich ihrer beim Kurfürsten auf´s Eifrigste an, worauf dann am 19. August 1705 die Erlaubnis von Kaiser Joseph zur Errichtung des Hospizes eintraf. Am 2. Oktober 1706 wurde der erste Stein für ein Hospizhaus der Kapuziner gelegt.

 

Aufhebung des Klosters

Am 25. Januar 1802 legte der bayerische Staatsrat durch die Konstituierung der „Kurfürstlichen Spezialkommission in Klostersachen“ die Ausführung von Beschlüssen zur Säkularisierung und Aufhebung der Klöster vor. Am 14. und 15. Juni 1802 wurde das Kloster Vilsbiburg geräumt, die Patres kamen in das Zentralkloster nach Altötting. Die Seelsorge wurde Weltpriestern und anschließend dem Orden der Redemptoristen übertragen, der die Wallfahrt bis 1873 betreute.

 

Die Bergkirche wurde zur Perle der Diözese

Nach der Aufhebung des Redemptoristen-Ordens, mussten die Patres 1873 die Wallfahrt verlassen. Die Seelsorge übernahm das Pfarramt Vilsbiburg und weitere zwei neu geweihte Priester. In der Chronik der bayerischen Kapuzinerprovinz finden sich für die Zeit von 1873 bis 1885 als Wallfahrtspriester nur die beiden Namen Max Reiser und Ignaz Berger. Letzterer ist der spätere Kapuzinerpater Leo Maria – und Erbauer der beiden Türme der Bergkirche.

Im Jahr 1877 wurde der Weltpriester Ignaz Berger zum Wallfahrtsdirektor auf Maria Hilf ernannt. Mit außergewöhnlichem Einsatz ging Berger an seine Aufgaben heran. Die Altäre der Kirche wurden auf Sieben ergänzt. 1880 errichtete er den ersten Turm mit einem Prachtgeläute von vier neuen Glocken. 1883 erfolgte die Verlängerung der Kirche nach Westen mit der monumentalen Stadtfront, die jetzt das Bild der Schutzmantelmadonna trägt; außerdem entstand die steinerne Außenkanzel. 1884 wurden die Reliquien des heiligen Floridus in einem Altar beigesetzt und im November ein großes Reliquienfest gefeiert. Im gleichen Jahr ließ der Wallfahrtsdirektor den Prachtmetall-Rahmen um das Gnadenbild anfertigen, der bei der Renovierung in den 50iger Jahren entfernt wurde.1885 nahm Berger den Bau des zweiten Turmes in Angriff. Ignaz Berger ließ die Kirche vom Redemptoristenbruder Max Schmalzl künstlerisch so wunderbar ausmalen, dass sie „zur Perle der Diözese Regensburg“ erklärt wurde. Der Kreuzweg, der aus der Hand des gleichen Künstlers stammt, wurde damals schon auf 20.000 Mark geschätzt.

Aber Ignaz Berger setzte sich nicht nur für die bauliche Entwicklung der Wallfahrt ein, genau so engagiert fühlte er sich für das Seelenheil der vielen Gläubigen verantwortlich, die auf den Berg strömten. Unterstützt vom damaligen Benefiziat Alois Vest, „der mit der Wallfahrt innig verbunden war“, wirkte er segensreich auf Maria Hilf.

Da sich Ignaz Berger mit dem Gedanken trug, in den Kapuzinerorden einzutreten, unterstützte er 1885 den Vorschlag der Vilsbiburger Bürger, den Kapuzinerorden wieder um die Übernahme der Wallfahrt zu bitten. Der damalige Pfarrer Michael Jäger und die Marktgemeinde mit Bürgermeister Kagermeier wirkten einträchtig zusammen, um die Seelsorge auf Maria Hilf zu sichern. Am 15. Mai 1886 trafen nach 84jähriger Unterbrechung vier Kapuzinerpatres und fünf Laienbrüder in Vilsbiburg ein.

Ignaz Berger wurde im selben Monat für seine Verdienste um die Wallfahrt das Ehrenbürgerrecht des Marktes verliehen. Noch im gleichen Jahr bat er den Provinzial der Kapuziner, Pater Viktrizius Weiß, um Aufnahme in den Kapuzinerorden. Er bekam den Namen Pater Leo Maria und wirkte zunächst als Präses der Männerkongregation in Altötting, im Jahr 1896 kam er wieder nach Vilsbiburg, wo er 1899 starb. Er wurde in der Kapuzinergruft bestattet.

 

 Martha Berger