Wie stellt man Strom aus

Sonderausstellung im Heimatmuseum zur Elektrizitätsversorgung in Vilsbiburg

Eröffnung am 31.1.2026 10:00

Vilsbiburg. (gs) Ein Alltag ohne Strom? Das ist heutzutage praktisch unvorstellbar. Der totale Stromausfall in einem großen Teil von Berlin hat das vor wenigen Wochen erst deutlich vor Augen geführt. Vor nur etwas mehr als 100 Jahren war dies in Vilsbiburg jedoch Alltag: die Menschen lebten nach dem Rhythmus der Sonne, Kerzen oder Öllampen verbreiteten nach Sonnenuntergang nur ein schwaches Licht in der Stube. Es gab kein Radio, kein Telefon und auch kein anderes elektrisches Gerät.

Die neue Sonderausstellung im Heimatmuseum mit dem Titel „Licht an!“ geht der Geschichte der Elektrizitätsversorgung in Vilsbiburg nach – von den Anfängen bis zur Energiewende. 1897 lieferte Nikolaus Zollner erstmals Strom aus seinem Elektrizitätswerk an der Bahnhofstraße. Er erzeugte mit Kohle Wasserdampf für die Strom-Generatoren, deren Energie zunächst überwiegend für die Straßenbeleuchtung verwendet wurde. Nur wenige private Haushalte konnten sich die neue Energie leisten.

Da das alte Gleichstromnetz sehr störanfällig war, entschied der Marktgemeinderat Vilsbiburg 1925, ein eigenes Drehstromnetz zu errichten – das war die Grundlage für die heutigen Stadtwerke, die 1948 als selbstständiger Eigenbetrieb der Stadt gegründet wurden.

Nun ist der Strom selbst ein schwer fassbarer Ausstellungsgegenstand. Deshalb beschäftigt sich die Ausstellung im Heimatmuseum in weiten Teilen auch damit, was mithilfe der elektrischen Energie in den zurückliegenden 100 Jahren alles möglich geworden ist. Auch wenn das elektrische Licht die zunächst wichtigste Errungenschaft war, so konnte mit den zunächst mobilen Motoren auch die Arbeit in der Landwirtschaft deutlich erleichtert werden.

Einen Quantensprung erlebten die Menschen vor 100 Jahren in der Unterhaltungstechnik. Mit Strom wurden Radiogeräte möglich, die Nachrichten und Livemusik ins Haus sendeten. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte man seine eigene Musikauswahl mit Schallplatten und Tonbändern abspielen. Und mit dem Fernsehen kam ab den 50er Jahren das bewegte Bild in immer mehr Wohnzimmer. Die Sendedauer von ARD und ZDF zwischen 17 und 23 Uhr ist im heutigen Streaming-Zeitalter kaum noch vorstellbar.

Die Mitglieder des Heimatsvereins haben viele elektrische Geräte zusammengetragen, die einen Blick zurück in eine Zeit ermöglichen, in der man Hausfrauen noch davon überzeugen musste, elektrisch zu kochen, und Landwirte wegen überhöhter Strompreise Protestveranstaltungen abhielten. Als das Fernsehen noch schwarz-weiß war und Schallplatten nach fünf Liedern umgedreht werden mussten…

Die Ausstellung wird am Samstag, 31. Januar, eröffnet und kann ab Sonntag, den 1. Februar besichtigt werden. Das Museum ist Mittwoch von 14 bis 16 und Sonntag von 10 bis 12 Uhr geöffnet. An jedem ersten Wochenende des Monats zusätzlich Samstag und Sonntag von 12 bis 14 Uhr.

Anfang Februar wird ein Begleitprogramm für Groß und Klein erscheinen.

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Technischer Werkleiter Ignaz Kaspar bei Wartungsarbeiten an Mittelspannungsschaltern in einer Trafostation. Foto: Bergmann

In den Anfangsjahren der Stromversorgung durchzogen viele Freileitungen die Marktgemeinde. Im Vordergrund verläuft eine Leitung vom Schalthaus in Richtung Achldorf, vor dem Rathaus eine Mittelspannungsleitung vom Pfarrbrückenweg zum Färberanger. Auf dem Dach des Rathauses ist noch die Niederspannungsleitung zur Haushaltsversorgung zu sehen. Foto: Archiv Heimatmuseum