Volkslied? Volkstanz? Volksmusik? Der Zwiefache gehört überall dazu

Am 13. November eröffnete das Museumsteam die Ausstellung mit vielen Ehrengästen

Die Sonderausstellung „Zwiefache raus! Vom Tanz aus der Reihe“ wurde am Samstag mit einem Vortrag des Bezirksheimatpflegers Dr. Seefelder und viel Musik im Heimatmuseum Vilsbiburg eröffnet.

Nicht nur der Referent, der Bezirksheimatpfleger, studierter Musikwissenschaftler und Historiker, Dr. Maximilian Seefelder zeigte an diesem Vormittag die Bedeutung dieses Ereignisses, sondern auch die Anwesenheit zahlreicher Politikerinnen und Politiker der Stadt, des Landkreises, des Bezirks – und mit Frau Dr. Loibl auch aus dem Bayerischen Landtag.

Trotz der Einschränkungen durch die aktuellen Coronaregeln, vor allem die Anzahl und den notwendigen Abstand der Besucher betreffend, waren etwa 40 Besucherinnen und Besucher gekommen, um mehr über diese Volksmusikgattung und ihre Geschichte zu erfahren.

Wie es sich für eine Ausstellung über ein musikalisches Thema gehört, eröffneten die fünf Musiker der Vilsbiburger Volksmusikgruppe „Quetschnblech“ mit einem „Zwiefachen“ die Veranstaltung. Auch im weiteren Verlauf spielten die vier Musiker und die Musikerin jeweils passende Stücke und brachten das Publikum mehr als einmal mit ihren Texten zum Schmunzeln.

Der Vorsitzende des Heimatvereins Stephan Priller begrüßte die Gäste, unter ihnen der stellvertretende Landrat Rudolf Lehner, die Bürgermeisterin der Nachbargemeinde Bodenkirchen Monika Maier, die Bürgermeisterin aus Vilsbiburg Sibylle Entwistle, Mitglieder des Vilsbiburger Stadtrats und die Abgeordnete des Landtags Frau Dr. Petra Loibl.

Der stellvertretende Landrat ging in seinem Grußwort ebenso auf die Wertschätzung der Volksmusik ein wie Frau Dr. Loibl. Beide würdigten darüber hinaus die Bedeutung und die kontinuierliche Arbeit des Heimatmuseums in Vilsbiburg. Auch die Bürgermeisterin Sibylle Entwistle lobte die beständige Arbeit des Heimatvereins für Stadt und Region und versprach weitere Unterstützung.

„Zwyfach dansen“ – vom Schwarzwald bis nach Böhmen

Mit Spannung wurde dann der Vortrag von Dr. Seefelder erwartet. Krankheitsbedingt waren dessen Ausführungen vorab aufgezeichnet worden und wurden den Gästen eingespielt.

In seinem knapp 45minütigen, sehr engagierten Vortrag ging der langjährige Bezirksheimatpfleger auf Geschichte und Entwicklung dieses oft vertrackten Volkstanzes mit seinen Rhythmus-und Taktwechseln ein. Schon die vielen Bezeichnungen vom „Zwiefachen“ und „Schweinauer“ bis hin zum „Tratzerten“ zeigen Beliebtheit und Verbreitung dieser überlieferten Musikgattung.

Dieser „Zwiefache“ ist bei Weitem kein rein bayrischer, schon gar kein oberbayrischer Tanz, beliebt war und ist er vom Schwarzwald, Schwaben und dem östlichen Franken über Niederbayern, die Oberpfalz bis nach Böhmen – gespielt, gesungen oder getanzt.

Vom Sitten verderbenden Tanzvergnügen zur wertvollen Volksmusik

Wie Ländler, Walzer, Schottisch, Galopp, Mazurka oder Polka entstammt auch der Zwiefache

der ländlichen Tanzmusik. Beliebt beim einfachen Volk, aber geringgeschätzt seitens der weltlichen und geistlichen Obrigkeiten wurde diese Musik aus wirtschaftlichen und moralischen Gründen lange Zeit streng reglementiert. So betrifft eine erste schriftliche Erwähnung des Zwiefachen im Jahr 1780 auch eine Verurteilung junger Bauern, weil diese das Tanzverbot missachtet hatten. Die fortschreitende Industrialisierung und Verstädterung im 19. Jahrhundert rief den Heimatschutz als Gegenbewegung auf den Plan. Damit nahm die Neubewertung von materieller und immaterieller ländlicher Kultur ihren Anfang. Bäuerliche Arbeitsgeräte, Alltagsgegenstände und Möbel wanderten in die neugegründeten Heimatmuseen. Trachten, Lieder und Tänze wurden zum wertvollen Volksgut erklärt. Die ehemals „elende Landmusik“ erfuhr ihre Aufwertung zur „Volksmusik“, die es fortan zu pflegen galt. Jüngstes Indiz für diesen kulturpolitischen Wertewandel der Volkmusik ist die 2016 erfolgte Aufnahme des Zwiefachen ins bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes.

Der Zwiefache – Zeichen lebendiger Volksmusik

Anders als noch bis in die Nachkriegszeit erfuhr der Zwiefache zahlreiche Neuerungen bei der Instrumentierung, den Texten und Musikgenres, in die er Eingang fand. Unterstützt auch vom Bayrischen Rundfunk verbreiten verschiedene Volksmusikgruppen, wie z.B. die „Dellnhauser Musikanten“, die 2019 sogar den Kulturpreis Bayern verliehen bekommen haben, qualitätvolle Volksmusik, und damit auch den „Zwiefachen“.

So ist die Gegenüberstellung von „guter“, weil traditioneller Volksmusik und „schlechter“, weil Volksmusik mit neuen Elementen, nicht nur beim „Zwiefachen“ unangebracht, wie Dr. Seefelder betonte.

Mehr als 1000 Volksmusikgruppen haben nach einer Zählung 2015 „Zwiefache“ im Repertoire, traditionell, neu interpretiert oder mit neuen Elementen komponiert, machen sie bis heute unzähligen Menschen Freude.

Im Anschluss an den Vortrag führte die Museumsleiterin Annika Janßen-Keilholz noch knapp in die Sonderausstellung ein, die mit vielen Tafeln, Abbildungen und Musikbeispielen diesen „Zwiefachen“ näherbringt. Sie regte deshalb auch an, nach dem ersten Besuch noch einen zweiten einzuplanen, um mit Muße und Ruhe die vielen Informationen wirken zu lassen.

Die Ausstellung ist mittwochs von 14-16 Uhr und sonntags jeweils von 10-12 Uhr geöffnet.

An jedem ersten Wochenende im Monat kann das Museum zusätzlich auch am Samstag und Sonntag von 14 -16 Uhr besucht werden. Führungen können unter

www.museum-vilsbiburg.de oder bei der Leiterin des Museums A. Janßen-Keilholz,

Tel. 08741-305170 gebucht werden.

Wegen der derzeit angespannten Coronasituation gilt im Museum die 2-G-Regel sowie Maskenpflicht.