Forschungen zu Johannesbrunn
Gemeinde Schalkham, Landkreis Landshut
»Haus- und Hofgeschichte«

Statistische Beschreibungen anhand von Güterverzeichnissen

Die Güterkonskription vom Jahr 1752
und das Hof-Anlagsbuch von 1760

Als Grundlage für die statistische Beschreibung des Gebietsstandes in einem Pfleg-gericht diente die Güterkonskription vom Jahr 1752 und das Hofanlagebuch des Jah-res 1760, in denen alle Anwesen des Gerichts bezeichnet werden.
Im Bayerischen Hauptstaatsarchiv in München befinden sich die Kurbayerische Hof-kammer Hofanlagenbuchhaltung mit der Nennungen der Haus- und Hofbesitzer mit Zugehörigkeit und Abgaben der – dabei ist auch die „Hofmark Sankt Johannesbrunn“ im Rentamt Landshut, Kurfürstliches Pfleggericht Teisbach, der Vieregg´ischen Hof-mark Gerzen.
Bei den Anlags-Büchern befinden sich auch Beschreibungen zu den Gerichten selbst – Mark, Grenzen, Übergänge. Interessant sind die alten Hausnamen, die sich teils bis in die heutige Zeit erhalten haben. Auch die Hofgrößen als „Hoffuß“ sind genannt, der zur Ermittlung der Steuerabgaben diente. Beim Besitz eines Hofes/Anwesen war das Leiherecht nicht uninteressant. Ging der Hof beim Tode des Inhabers an die Er-ben über, oder ging der Besitz zurück an die Herrschaft? Welche Abgaben waren beim Tode der Herrschaft zu zahlen, konnten die Lehensleute (Lehen – leihen) auf dem Hof weiter bleiben? Dies wurde in einer Leiheform geregelt: Leibrecht, Erbrecht, Freistift.

 

Dies ging nun so bis zum 27. Juli 1803, der Neuorganisation des Landgerichtes Vilsbiburg nebst zwei Rentämtern Vilsbiburg und Teisbach umfassend.
Die Aufhebung des Landgerichts Teisbach zu Ende des Jahres 1803 brachte ei-nen größeren Gerichtsanteil zum neu formierten Landgericht Vilsbiburg.
Johannesbrunn wurde nun nicht mehr beim Gericht Teisbach verwaltet, sondern beim Landgericht Vilsbiburg.

Peter Käser                  
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Dietmar von Allersbach – mit dem Kriegsschwert gegürtet

Früheste derzeitige Nennung der Kirche Sankt Johannes
zu Johannesbrunn,
vor dem Jahre 1221     
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Für sein Seelenheil
stiftet Friedrich von Johannesbrunn 1350
eine heilige Messe       
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Von der Filialkirche zur Pfarrei
– aber nur für kurze Zeit!
»Die Expositur Johannesbrunn«

Johannesbrunn war eine Filiale der Pfarrei Gerzen.
Die Freude war groß als 1735 verkündet wurde – Johannesbrunn wird eine eigene Pfarrei – aber es fand sich kein Grundstück für einen Pfarrhof.
Da war die Nachbarfiliale Hölsbrunn schneller, sie baute einen Pfarrhof und schon 1739 wurden die Pfarrrechte dorthin übertragen.
Johannesbrunn hatte das Nachsehen – es wurde Expositur.
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Der Neubau der Expositurkirche Johannesbrunn erfolgte im historisierenden neugotischen Stil in den Jahren 1864 bis 1867

Die Kirche ist viel zu klein!
Nur ein Anbau -oder doch eine neue Kirche?
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»Johannesbrunner Klosterbauten «

Bevor die neue Kirche 1864/67 auf der Plan Nr. 83 errichtet wurde, kam 1861/62 ein erster Klosterbau auf der Plan Nr. 90.
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Aus der Geschichte des Ortes Johannesbrunn

» Die erste bayerische Landesvermessung «
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» Das Urkataster der Steuergemeinde Johannesbrunn
vom Jahr 1844 «
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Rotary-Club übernahm im Oktober 2005 die Restauration des über 300 Jahre alten Barbara-Gemäldes in der Spitalkirche Vilsbiburg.
Die heilige Barbara ist die Patronin der Sterbenden, daher sind ihr auch Friedhofskapellen geweiht. Speziell in Spitalkirchen werden die heilige Katharina, der „Seelenwäger“ St. Michael, die hl. Barbara und der Hl. Geist in der Darstellung der Hl. Dreifaltigkeit verehrt.
In früher Zeit waren in der Vilsbiburger Spitalkirche vier Altäre, die den Heiligen: Katharina, Barbara, Georg und Michael geweiht waren. Vom Barbaraaltar aus dem Jahr 1686 ist noch ein schönes Gemälde vorhanden. Dargestellt ist die hl. Barbara angefleht von Sterbenden, sie bitten um eine gute Sterbestunde. Nach der Sanierung der Spitalkirche im Jahr 2002 kam das Gemälde an die Wand, an welcher vor über 300 Jahren der Barbaraaltar mit diesem Gemälde stand. Der Zahn der Zeit hat auf dem in Öl, auf Leinwand gemaltem Bild seine Spuren hinterlassen. Der Vilsbiburger Restaurator Michael Brüggemann hat das Bild restauriert, der Rotary-Club Vilsbiburg übernahm die Kosten.
Die Barbaramesse
Zu einer der ältesten Messen in der Vilsbiburger Spitalkirche neben dem Stadtturm, gehörte die Barbaramesse. Im „Registrum caritativi subsidii“ vom Jahr 1438 werden die drei Geistlichen der Pfarrkirche, aber auch die beiden Kapläne der Spitalkirche genannt. Einer zelebriert die hl. Messe auf dem Altar der hl. Katharina und gibt jährlich 20 Groschen an den Bischof, der zweite Kaplan ist der des Ulrich Rogler mit Namen Heinrich. Da es zur Barbaramesse keine Stiftungsurkunde gibt, kann davon ausgegangen werden, dass die Barbaramesse die des Geistlichen Ulrich Rogler ist. Der erste Kaplan hat die Stiftungs-Katharinenmesse von den Adeligen Hackh von Haarbach (herzogliche Amtmänner in Vilsbiburg), der Kaplan Heinrich aber die zweite Messe des Ulrich Rogler, die Barbaramesse. In den weiteren Jahren erscheint immer wieder diese Barbaramesse als „Westendorfermesse“, auch verständlich, da Ulrich Rogler „oberster Kaplan des Herzogs auf der Burg in Landshut“ der Bruder der Dorothea Westendorfer war, und später die beiden Messen zusammengelegt wurden. Dorothea Westendorfer, die Mutter des Vilsbiburger Spitalstifters Caspar Westendorfer, stiftete nach der „Fundationsurkunde“ am 1. April 1456 „…auf den Georgsaltar in der Sanct Cathrein Capeln zu Vilsbiburg“ eine heilige Messe mit Benefizium, dem Haus für den dazu angestellten Geistlichen. In der 17-seitigen Stiftungsurkunde werden nun schon im Jahr 1456 drei Messen und die dazugehörigen Altäre in der Spitalkirche genannt: Katharina-, Barbara- und nunmehr die Georgsmesse auf dem Georgsaltar.
Bei den Spitalurkunden die sich im Vilsbiburger Museumsarchiv befinden, ist eine Verbriefung vom 3. Juli 1419. Hierbei kauft der Geistliche Ulrich Rogler, Chorherr zu Mêlnik (Mêlnik, Stadt in Tschechien nördlich von Prag) um 110 Gulden vom Adligen Michael Geratspeunter und seiner Frau Dorothea den Zehent einer zwei Tagwerk großen Wiese bei Geratspoint und den großen und kleinen Zehent aus 14 Häusern in Wasenhaarbach, Schnedenhaarbach und Holzhausen. Vielleicht hat Rogler diese Zehentabgabe aus den genannten Häusern für den Unterhalt der Barbaramesse in der Spitalkirche gekauft? Am 4. Juli 1435 stiftet Rogler das Benefizium zum hl. Jakobus mit einer täglichen Messe, auf den Altar in der St. Johannes-Kapelle in die Vilsbiburger Pfarrkirche.
Herzog Ludwig der Reiche von Landshut bestätigt nach fast einem Jahr die Stiftung des neuen Vilsbiburger Spitales durch Pfarrer Caspar Westendorfer, am 28. November 1477. Der Herzog konfirmiert und bestätigt ein solches Vorhaben zusammen mit dem Wechsel beider hl. Messen, „so der genannte Caspar Westendorfer und Christoph Hackh (zu Haarbach) den genannten armen Leuten zur guten Tat miteinander getan haben.“ Dies kann eigentlich nur die Katharinenmesse und die Georgsmesse sein, die von den Hackh und Westendorfer nun an den Rat des Marktes Vilsbiburg gehen, wie es in der Fundationsurkunde der Westendorfermesse geschrieben steht. Der Spitalkaplan für die Messen in der Spitalkirche wird nach den Visitationsprotokollen von 1508 und 1526 von den Bürgern bezahlt, die Rechnungen nimmt 1559 der Kammerer und Rat des Marktes auf. Beim Barbaraamt im Spital wird der Westendorfer-Rogler-Jahrtag mitgehalten. Die Messe auf dem Georgs- und Katharinenaltar wird 1573 die „Westendorfermesse“ genannt. Fast 200 Jahre wird in den Archivalien nichts mehr von einer Barbaramesse berichtet. Nach dem Dreißigjährigen Krieg, musste man sich an die alten Messen erinnert haben. In der Regensburger Bistumsbeschreibung des Jahres 1665 wird die Filialkirche zur Hl. Dreifaltigkeit im Spital mit vier Altären genannt. Als vierter Altar wird der Barbaraaltar genannt, auf welchem ein Benefizium mit Benefiziatenhaus gestiftet ist.
Ein neuer Barbaraaltar 1686
Im Bischöflichen Archiv in Regensburg befindet sich bei den Pfarrakten Vilsbiburg, Signatur 96, der Schriftverkehr zum Vorgang der „Transferierung“ des alten Michaelialtares von der Empore der Spitalkirche, herab auf den Barbara-Seitenaltar. Dies war von Nöten, da sich der Geistliche bei der Michaelimesse immer über das Geländer der Empore beugen musste, damit die im unteren Kirchenraum sich befindlichen Gläubigen die Messe mitverfolgen konnten. In einem Schreiben des Rates des Churfürstlichen Marktes Vilsbiburg vom 30. August 1685 an den Bischof von Regensburg, wird der Barbara-Seitenaltar als gänzlich alt und unbrauchbar beschrieben. Der Altar hat keinen Altaraufbau mehr und auch kein Altarbild. An der Wand über dem Altar befindet sich ein „Unserer Lieben Frauen Bildnis“ (= Mutter Gottes-Darstellung). „Es ist von Nöten, auf selbigen Altar, ohne einen neuen Altar aufzurichten, vermittels dieser Gelegenheit, den St. Michael mit der hl. Messe, zum Barbaraaltar herabzusetzen.“ Die Antwort des Bischofs kommt am 17. September 1685. Es erfolgt im Brief die Nachfrage, wie oft auf dem Barbara-Seitenaltar eigentlich eine Messe gelesen wird; vielleicht ist es besser gleich einen neuen Altar für den hl. Michael und die Barbara zu errichten? Der Vilsbiburger Pfarrer und Vikar Pater Bernhard Hindershueber schreibt am 9. Februar 1686 an den Bischof zurück: „Hl. Gottshaus, Spitalkirchen betreffend im Chor und Empore befindlichen Michaelialtar: Der Priester muss sich bei der Michaelimesse vom Chor über das Emporegeländer herablehnen, damit ihn die Leute bei seinen Ausführungen verstehen können. Am Barbaraaltar befindet sich kein Bildnis der hl. Barbara, sondern ein an die Wand gehöriges Bild, darauf Sanctae Mariae Assumptae gemalt ist. Die Kirche hatte bisher kein Vermögen für einen neuen Altar. Durch eine solche Altaraufrichtung bekommt die Kirche keinen Schaden, sondern mehr Nutzen und Förderung. Nur am Michaelialtar wird eine Messe gehalten, dagegen am Barbaratag keine Messe auf dem Barbaraaltar gelesen wird.“ Pater Bernhard befürwortet die Transferierung des Michaelialtares vom Chor herab auf den Barbara-Seitenaltar wegen der göttlichen Ehre und allgemeiner Andacht.
Der Rat von Vilsbiburg hat nun auch ein neues Altarmodell für einen gemeinsamen Michael- und Barbaraaltar in einer Zeichnung vorgeschlagen. Am 18. Januar 1686 erteilt das herzogliche Sekretariat in Landshut die Genehmigung zur Errichtung eines neuen Barbara-Seitenaltares in der Spitalkirche. Die Michaelimesse soll dabei auf den Barbaraaltar transferiert werden. Der neue barocke Altar soll der hl. Barbara geweiht sein, aber auch Stilelemente des Michaelialtares enthalten. In den Regensburger Archivunterlagen, Signatur Nr. 96 und im Museumsarchiv Vilsbiburg befindet sich der Riß, die Farbzeichnung eines Entwurfes des Altaraufbaues vom Vilsbiburger Schreiner Thomas Hueber „zum Barbara-Seitenaltar 1686“. Der neue Altar soll 14 Schuh hoch (1 Schuh ist ca. 30 cm) und 7 Schuh breit werden.
Das Barbara-Gemälde
Als Altargemälde ist eine Malerei in Öl zu Ehren der hl. Barbara vorgesehen. Franz Joseph Geiger, Hofmaler von Landshut, reicht 1686 einen seitenverkehrt gezeichneten Entwurf (Visier) ein „…zum löblichen hl. Geist Gottshaus, ein Blatt für das Bildnis S: Barbara.“ Das Gemälde wird 6 œ Schuh hoch und 4 Schuh breit und soll 37 Gulden kosten. Die Schreinerarbeiten am neuen Altar gehen an den Vilsbiburger Thomas Hueber, der 1686 für seine Arbeit 40 fl (= Gulden) bekommt. Der Bildhauer Mathias Ney von Landshut wurde mit den Arbeiten eines hl. Michael, mit einer Höhe von 4 Schuh (ca: 1,20 m), zwei „Tag Engel“, drei Engelsköpfe und zwei Überbauten „Prukhn an der Seite“ beauftragt, wofür er 24 fl bekam. Am Altar arbeitet auch der Vilsbiburger Maler Caspar Fridtl, der 1687 für reichliche Maler-, Faß-, und Vergoldarbeiten, dazu für den Malergesellen mit dem Trinkgeld 70 Gulden 30 Kreuzer ausbezahlt bekommt. (Der Maler Caspar Fridtl von Baumburg erhält 1681 das Vilsbiburger Bürgerrecht. 1692 heiratet der Maler Mathias Hämberger von Vilsbiburg die Malerwitwe des Caspar Fridtl). Aus dem Betrag von 70 Gulden für die Malerarbeiten erkennt man schon die Aufwendungen an guter Arbeit und dem aufgebrachten Gold, welches sich im Preis niederschlug. 30 Gulden bekommt der Landshuter Hofmaler Franz Joseph Geiger für das Gemälde, darstellend die hl. Barbara die von armen Leuten flehentlich angerufen wird.
Der Hofmaler Franz Joseph Geiger begegnet uns als Maler auch in der Klosterkirche von Seligental in Landshut. Die Zisterzienserinnen beauftragten ihn mit einem Gemälde in ihrer Klosterkirche. Auf der Gegenseite im südlichen Querschiff der Kirche befindet sich der hl. Viktor-Altar. Das Altarblatt, eine Darstellung des Martyriums des hl. Viktor gehörte noch zur Ausstattung der alten Kirche, er signiert dieses Gemälde im Jahr 1677. Wegen seiner einzigartigen Wandbilder aus der Spät-Renaissance war der Fürstenbau, auf der am 21. Oktober 1961 ausgebrannten Landshuter Burg Trausnitz von unschätzbarem Wert. Die Wandmalereien aus dem Jahr 1679, die vier Elemente darstellend, sowie auch die Malereien im ausgebrannten Erkerzimmer der Herzogin, mit Bildern aus der Joseflegende stammen vom Hofmaler Franz Geiger. So hatten die Geigers im Landshuter Herzogshause einen sehr guten Arbeitgeber. Für die Pfarrkirche St. Peter in Altheim bei Landshut malt Franz Geiger, Hofmaler in Landshut, 1672 das Altarblatt für den Hochaltar: Christus überreicht dem hl. Petrus die Schlüssel. Das Altarbild im Hochaltar der Basilika Niederaltaich wird gekrönt von einer Auferstehungsszene. Die Darstellung selbst bezeichnet das Martyrium des heiligen Mauritius und seiner Gefährten. Mauritius ist der Kirchenpatron von Niederaltaich. Der Landshuter Maler Franz Geiger hat das Gemälde geschaffen, den Hochaltar fertigte Jakob Schöpf 1675. Der 1691 verstorbene Franz Geiger ist bei der Kirche St. Jodok in Landshut, ebenso der Bildhauer Matthias Neu, gestorben 1704.
Trotz der Größe des neuen Barbaragemäldes von ca. 180×120 cm trug der Vilsbiburger Gerichtsbote Friedrich Schünerl das Gemälde für 15 Kreuzer zu Fuß von Landshut heraus. Am 6. Oktober 1686 schreibt der Landshuter Hofmaler Franz Joseph Geiger den Rechnungszettel über die abgeschlossenen Malerarbeiten am Barbaragemälde. Nach Abschluss der Arbeiten am Barbaraaltar, wurde vom Vilsbiburger Bürgermeister und gleichzeitigen Spitalverwalter Vinzenz Gaibinger laut Rechnungszettel die beteiligten Handwerker ausbezahlt. Nicht nur ein neuer Barbaraaltar wurde in der Spitalkirche aufgestellt, bei der Weihe des Hochaltares am 15. August 1695 wurden Reliquien der hl. Katharina und der hl. Barbara in den Altar eingelassen.

Die Bistumsmatrikel von 1723/24 nennt den Seitenaltar in der Spitalkirche, welcher unter dem Schutz der hl. Barbara steht. Auf dem Hochaltar wird Montag, Mittwoch und Freitag eine gestiftete Messe gelesen. Die Matrikel des Jahres 1838 nennt die Spitalkirche im Markt. Gottesdienste sind am Patronatstag der hl. Katharina, am Kirchweihtag den 4. Sonntag nach Ostern, Sonntag vor Michaeli und am Fest der hl. Barbara. Das Benefizium St. Georg und St. Katharina, gehörig zur Westendorfermesse, wird genannt. Matrikel 1860: hl. Messen an Katharina, Michael und Barbara. Ein Amt wird am Tag der hl. Barbara gehalten, welcher ein Nebenaltar geweiht ist.
Die Regotisierung
In den Jahren 1860/64 wurde die Spitalkirche unter Pfarrer Dr. Joseph Neumayer einer größeren Restaurierung unterzogen. Im Jahr 1863 wird der aus der Maria Hilfkirche stammende, von dort 1842 in die Spitalkirche übertragene „schöne und reiche [Hoch-]Altar“ abgebrochen, aber auch der Barbara/Michaeli-Nebenaltar. Fast die gesamte bisherige Einrichtung wird durch eine neue neugotische Ausstattung ersetzt. Am 12. Dezember 1861 geht ein Schreiben an den Bildhauer Johann Nepomuk Petz von München, dass die neue Kanzel an die Stelle des Barbara/Michaelialtares kommt, welcher ganz entfernt wird. Fast 200 Jahre war nun dieser Barbaraaltar als Nebenaltar in der Spitalkirche. Das Barbarabild „Anrufung der hl. Barbara“ kam in das Spitalgebäude und wurde dort im Flur des 1. Obergeschoßes platziert. In Erinnerung an die gestifteten hl. Messen wurden am 23. März 1864 zwei seitliche Chorfenster vom Glasmaler Kaspar Böhm, München, mit den Darstellungen der hl. Barbara und der hl. Katharina in der Spitalkirche eingesetzt. Matrikel 1916: hl. Messen an Michaeli, Katharina und am 4. Dezember dem Namenstag der hl. Barbara. Matrikel 1997: Messe am Hl. Dreifaltigkeitssonntag und am Katharinatag. Nach der Grundsanierung der Spitalkirche im Jahr 2002 kam das Barbaragemälde an seinen angestammten Platz, wo früher der Barbaraaltar stand.
Die „Verjüngungskur“ durch den Restaurator hat dem Gemälde ein leuchtend schönes Aussehen gegeben. Sitzend auf einer Wolke wird Barbara – die zu den vierzehn Nothelfern zählt – um eine gute Sterbestunde angefleht. Im vornehm gegürteten Kleid, hermelinbesetztem „Schutzmantel“ und den Attributen Kelch mit Hostie, Straußenfeder und Turm, setzt der Landshuter Hofmaler Franz Joseph Geiger gekonnt die Kunst der barocken Malerei im historischen Kontext zum mildtätig anmutenden Gesichtausdruck von Barbara, zu den flehenden geprägten Gesichtern des Elternpaares, wobei der Vater den sterbenden Sohn in den Armen hält, die Mutter flehend und betend die Hoffnung auf Barbara lenkt.
An der Seitenwand neben dem Gemälde ist eine Dokumentation der Historie von Altar und Bild angebracht. Für alle, die sich für die Geschichte ihrer Heimatstadt interessieren ist diese Abhandlung über die Geschichte der Barbaramesse, letztendlich aber das restaurierte Barbarabild sicherlich ein Grund das Vilsbiburger Heimatmuseum mit der Spitalkirche zu besuchen. Neben den vielen karitativen Elementen sorgen die Rotarier mit dieser Restaurierung des Barbara-Gemäldes im Oktober 2005 dafür, dass das wertvolle Gut unserer Väter, das kulturelle Erbe, ihnen eine Verpflichtung ist, nicht der Vergessenheit und dem Verfall ausgeliefert zu sein.

Peter Käser   26. Oktober 2005

Eine Begebenheit auf dem Maria Hilf Berg aus dem Jahr 1689
Das Vorhaben des Vilsbiburger Kaminkehrers Donatus Barnabas Orelli, im Jahr 1686 auf dem Maria Hilf Berg eine Kapelle, ja vielleicht später sogar ein Kloster zu errichten, war dem Abt von St. Veit bei Neumarkt Marian Wieser (1695-1771) ein Dorn im Auge. Gegen die Errichtung eines Kapuzinerhospizes sträubte er sich, da er hiervon für sein Kloster in St. Veit, dem doch die Pfarrei Vilsbiburg einverleibt war, materielle und moralische Nachteile befürchtete. In der Aufregung über diese Sache soll er ausgerufen haben: „Lieber brennt mir meine Abtei nieder, als dass Kapuziner nach Vilsbiburg kommen!“[1]

Schon vor der Segnung der neuen Maria Hilf Kapelle im Jahr 1689 wurde in einem Kommissionsbefehl, die zur Pfarrkirche in Konkurrenz tretende, durch Spenden und Gaben hofierte Kapelle und die damit verbunden Messen angemahnt und geregelt. Dass die neue Kapelle auf dem damaligen „Kalvarienberg“ nach den anfänglichen Schwierigkeiten ihren Fortbestand haben muß, sollte nach deren Segnung (Benediktion) am 3. August 1689, beim anschließenden Festmahl „zur ewigen Erinnerung“ ein Trinkglas besiegeln.

 

Im Klostergebäude bei der Wallfahrtskirche Maria Hilf in Vilsbiburg befindet sich beim Eingang zur klösterlichen Hauskapelle eine kleine Wandvertiefung, in welcher sich ein kleiner Holzkasten mit Glasscheibe und äußerem barockem Rahmenmotiv befindet. Der äußere vergoldete Holzrahmen hat die Maße von etwa 20 x 30 cm. Im Inneren befindet sich ein barockes, von Holz geschnitztes vergoldetes Aufnahme-Unterteil für ein kleines Trinkglas. Auf dem Unterteil stehen die Worte: „Glas des D. Orelli“. Das leicht gefärbte Trinkglas welches die Maße von 7 cm in der Höhe und etwa 6 cm im Durchmesser hat, ist mit eingeschliffenen Jagdszenen geschmückt. Hier erkennt man einen Jäger mit Hund und aufsteigendes aufgescheuchtes Federvieh, im Hintergrund eine Landschaft mit Baumbestand.

Neben dem „Orelli-Glas“ steckt ein gefaltetes vergilbtes Schriftstück, eine Abschrift eines Originaldokuments über eine „wunderliche Begebenheit“ vom Jahr 1710. Das Originalschreiben wurde am 6. Dezember 1849 fast gänzlich zerrissen aufgefunden und von Pater Gabriel Hampl, von der Kongregation der Redemptoristen „buchstäblich und getreu“ übersetzt. Das Schreiben berichtet von einer „Wunderlichen Begebenheit mit einem Glas“.

Am 3. August des Jahres 1689 wurde die Kapelle auf dem Maria Hilf Berg durch den Dekanatskammerer und Pfarrer von Aich Johann Sartorius Apohtoling,[2] in der Originalabschrift als Pfarrer Johann Sartorius benannt, gesegnet (benediziert) und die erste heilige Messe von Pfarrer Sartorius, unter Teilnahme vieler Gläubigen darin zelebriert. Als Zeichen der Freude und des Trostes wurde vom Kapellenstifter Barnabas Orelli, Bürger und Kaminfeger zu Vilsbiburg, den anwesenden Herren eine kleine Mahlzeit gereicht. Dies waren der Edl- und Wohlgeboren, Johann Antoni von Maffei, des Heiligen Römischen Reichs Ritter Ihrer Churfürstlichen Durchlaucht in Bayern, Rat und Pfleger in Vilsbiburg, wie auch Wolfgang Reythmayr, Bürger und Kammerer (= Bürgermeister) von Vilsbiburg, samt dem Stifter Donatus Orelli und andere Befreundete. Doch plötzlich nimmt der Churfürstliche Beamte und herzogliche Pfleger Antoni von Maffei das Glas mit Wein zur Hand, trinkt es aus und spricht dann die Worte: „Wann diese Maria Hilf Kapelle einen Bestand haben wird, so wird dieses Glas auch einen Bestand haben.“ Dann wirft er das Glas auf die Erde, von dieser springt es an die Stubentüre, von dieser wiederum zu den Füssen des gemeldeten Herrn Pflegers – „und hat nicht die geringste Klumpsen bekommen“, was heißen soll, dass das Trinkglas nicht zerbrochen ist.

Einige Monate nach diesem Vorfall, hat diese historische Begebenheit der Superior der Kapuziner, Frater Claudius am 24. April 1710 niedergeschrieben. Er merkt auf der Originalabschrift an, dass dieses Glas dem Frater Claudius, vom Kammerer Wolfgang Reythmayr auf der Primiz des Sohnes von Donatus Orelli, dem Kapuzinerpater Donatus verehrt wurde und der Kammerer Reythmayr und Donatus Orelli als „oculati testes“, so zusagen als Augenzeugen unter Eid dies alles ausgesagt haben. Als Augenzeugen waren aus dem Konvent der Kapuziner ebenfalls anwesend: Pater Hugolinus Guardian zu Landshut, Pater Claudius Superior von Vilsbiburg, Pater Erhard Lectore zu Landshut, Pater Lambert der Baumeister, Pater Evaristus aus der hiesigen Kapuzinerfamilie und Pater Donatus der Primiziant, der Sohn vom Kapellenstifter Donatus Orelli. Sie alle bezeugen unter Eid, dass sich diese Geschichte mit dem Trinkglas, genauso wie beschrieben zugetragen hat. Dies alles soll zum „Ewigen Gedächtnis“ hier in Vilsbiburg im Archiv des Kapuzinerordens aufbewahrt werden. Das Original wurde unter der Archivnummer N. 7. L. A. aufbewahrt.

Mit der Säkularisation wurden auch die Klöster aufgelöst. Pater Franciskus, Superior der Vilsbiburger Kapuziner, hat in weiser Voraussicht der Klosteraufhebung, am 9. August 1802 dem Herrn Orelli die archivalen Gegenstände übergeben. Nun schließt sich der Kreis des „wunderbaren Orelli-Glases“, denn das Originaldokument vom Jahr 1710 wurde am 6. Dezember 1849 fast gänzlich zerrissen aufgefunden und von Pater Gabriel Hampl, von der Kongregation der Redemptoristen „buchstäblich und getreu“ übersetzt und dem Glas beigegeben.

 

Vielleicht sollt man anmerken, dass der aus Locarno stammende Kaminfeger Barnabas Donatus Orelli der Gründer und Urheber der Wallfahrt auf Maria Hilf, im Jahr 1678 nach Vilsbiburg gekommen ist, wo ihm am 19. August das Bürgerrecht verliehen wurde.[3] Die Grundsteinlegung zur Kapelle „Unserer Lieben Frauen Hilf“ erfolgte durch den Vilsbiburger Pfarrvikar Pater Bernhard Hintershueber und in Gegenwart des kurfürstlichen Pflegers von Maffei am 27. Mai 1686.[4] Der Bau eines Kapellen-Rundbaues mit einem Glockenturm war am 20. Juni 1689 fertig; das Maria Hilf Bild wurde zur öffentlichen Verehrung vorgestellt. Nach der päpstlichen Breve vom 24. Juli 1688 für einen Vollkommenen Ablaß und der Ordinariatsbestätigung für den neuen Kapellenbau am 16. März 1689, erfolgte vom Pfarrer aus Aich Johannes Sartorius als Apostolischer Protonahtor, am 3. August 1689 die erste zelebrierte heilige Messe und die Segnung der Kapelle, und somit die Segnung bis zu der Zeit, da die Kapelle ordentlich zu konsekrieren, also zu weihen ist, was am 14. August 1695 geschehen ist.

Die Konzelebranten zum Aicher Pfarrer Sartorius, welcher die ersten heiligen Messe auf einem tragbaren Altar feierte, waren der Vilsbiburger Frühmessbenefiziat Simon Gaibinger, Martin Perndorffer zu Gaindorf und der Kooperator von Aich Ferdinand Köck. Eine überaus große Menschenmenge hatte sich am Kalvarienberg bei der neuen Kapelle eingefunden. Während der ganzen Oktav (acht Tage) soll nun eine tägliche Messe gelesen werden, insbesondere für den Landesfürsten Max Emanuel und zur Genesung seiner schwer erkrankten Gattin Herzogin Maria Anna.[5]

Nach dieser Festlichkeit am 3. August 1689 ereignete sich dann beim Festessen die Begebenheit mit dem Trinkglas, dem heute noch so oft bestaunten „wunderlichen Orelli-Trinkglas“.

 

Dezember 2007  Peter Käser

 
 
 
Eine Begebenheit auf dem Maria Hilf Berg im Jahr 1689.

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Abschrift eines Documentes vom wunderbaren Glas genannt, die im Glase selbst im Jahr 1849 den 6. Dezember fast ganz zerrissen vorhanden war. Für Herrn Donat Orelli gemacht von Pater Gabriel Hampl, Congregation der Redemptoristen. Sie ist buchstäblich getreu.

 

Wundliche Begebenheit mit einem Glas.

Anno 1689 den 3. Augusti ist die Capelle auf dem Maria Hilf Berg zum ersten [mal] durch A. R. D. Sartorinm Pfahrherr und Cammerer in Aich eingeweihet worden. Zu einem Freuden und Trost Zeichen wurdte von Herrn Donat Orelli alß Burger und Caminfeger allhier eine kleine Mallzeit angestellt, bey welcher sich der Edl und Wohlgebohren Herr Jo: Antoni von Maffei des H : Röm : Reichs Ritter etc. Churf : Rath und Pfleger zu Vilsbiburg, wie auch Wolfgang Reithmayr, Burger und Cammerer allhier sambtgemelten Donat Orelli und andern mehr befreundten. Da namb der gnädige Herr v. Maffei dises Glas mit Wein, trinkht selbes aus, und spricht diese Wordt, von die Capelle Maria Hillf ein bestandt würdt haben, so würdt dieses Glas auch einen bestandt haben – würfft alsdann selbes auf die erdtn von der erdte sprang es an die Stubenthür, von da wider zu den Füessen des gnädig Herrn Pflegers, und hat nit die geringste Klumpsen bekommen. Das Glas hat mir H. Wolfgang Reithmayer auf der Primiz des Herrn Donat Orelli Sohnes, als nemlich Pater Donati Capuciner verehrt, und beyde als Herr Wolfgang Reithmayr und Donatus Orelli als oculati testes (= Augenzeugen) aidtlich bekenns, in gegenwarth einiger P.P. Capuciner als P. Hugolino, Quardiano Landeshuti, P. Claudio Superiore acteali, P. Erhardo Lectore Landshuti, P. Lamberto Fabricio, P. Eoarithe ed Familia hujate und P. Donato Neomihta, daß sich das Geschehnis mit diesem Glas habe zuegetragen wie gemeldt worden, soll also zu obiger Gedächtnuß alhier zu Vilsbiburg in unsern Archiv auf gehalten werdten.

 

Datum Vilsbiburg den 24. April 1710.

ad Nr 7 casus mirabilis Frater (Fr.) Claudius capuc: p. s. Supaior

Das Original astehlatum ist in Archiv aufbehalten N. 7. L. A.

 

(von außen:)

      Cases mirabilis huhis vitri, (: dann mit Bleistift 🙂

P. Franc. Reg. Cap. Superior 9. August 1802 (: dieser scheint es, da die nahe Aufhebung schon rufbar wurde, dem H. Orelli übergeben zu haben, dann ist noch das Zeichen:) TS II : 1808 :

 6. Dezember 1849

 

Übersetzt: Peter Käser, Juli 2007

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[1] Beiträge zur Geschichte, Topographie und Statistik des Erzbistums München und Freising, München 1915. Ab Seite 104: Geschichte des Benediktiner-Klosters St. Veit bei Neumarkt a.d. Rott in Oberbayern, von Joh. Nep. Kißlinger, S. 166, Orelliglas.

[2] 1669 – 3. Juli 1700 +, Johann Sartorius Apohtoling (Johann Sartor); stand der Pfarrei Aich 32 Jahre vor, liegt in der Aicher Kirche vor dem St. Josefaltar; seine Grabplatte ist heute im südlichen Eingangsportal. Nachdem der Grundstein für die Vilsbiburger Maria Hilf Kapelle am 27. Mai 1686 von Pater Bernhard Hindershueber, Pfarrer und Vikar in Vilsbiburg gelegt wurde, wurde die Maria Hilf Kapelle am 3. August 1689 benediziert (gesegnet) und die erste hl. Messe wurde vom Pfarrer von Aich Johann Sartor in Maria Hilf zelebriert.

 

[3] Grasmann Lambert: Zur Bau- und Kunstgeschichte der Wallfahrtskirche Maria Hilf in Vilsbiburg, in: Der Storchenturm, 20. Jgg, 1985, Heft 40, S. 96ff.

[4] Archivum, Vilsbiburgense, Im Jahr 1751. (Im Archiv der Maria Hilfkirche). Über den Ursprung der Kirche auf dem Maria Hilf Berg, S. 8. Übersetzt von Dr. Albert Stieß, Vilsbiburg, 2006.

> Wie entstand Maria-Hilf, Pfarrer Bartholomäus Spirkner, Festschrift zur Feier des 200. Todestag des Wallfahrtsgründers Donatus Orelli.

> Kirchenführer Wallfahrtskirche Maria Hilf, 3. Ausgabe 1986, Pater Zeno Ganserer OFMCap, Wallfahrtsdirektor. Verlag Schell und Steiner, Nr. 142.

[5] Anm. 3, S. 9.
 

Vilsbiburg. Es gibt viele interessante Darstellungen im Vilsbiburger Heimatmuseum zu betrachten. Man denke nur an Schleich und Kremplsetzer, Orelli und Pater Viktrizius, die jeweils in ihrem speziellen Bereich Hervorragendes geleistet haben. Doch auf einem der Bilder lastet ein besonderer Mythos. Dieser hat sogar dazu geführt, dass sich die Magdalenerinnen vom Kloster Seyboldsdorf von dem wertvollen Gemälde trennten. Sie fühlten sich von den stechenden Augen des Johann Franz Xaver Cajetan Anton Georg Adam Graf von und zu Freyen-Seyboldsdorff verfolgt. Für das Vilsbiburger Heimatmuseum war dies ein glücklicher Umstand.

 

Der Adelige ist auf dem Porträt im Alter von erst 28 Jahren dargestellt. Dennoch war er schon im hohen Rang ausgezeichnet, mit dem gestickten Stern des Großmeisters des adeligen Ritterordens vom Hl. Michael. Diese Verleihung könnte dann auch der Grund gewesen sein, sich im Bild malen zu lassen. Der junge Graf war Fürstlicher Kämmerer und Regierungsrat in Landshut und saß kurz vor seinem 29. Geburtstag vor der Staffelei des Landshuter Malers Wolfgang Simon Gröz. Der Herr auf Hörgertshausen und Mauern, Deutenkofen, Göttlkofen, Lichtenhaag, Vilssattling und Leberskirchen, auf Ober- und Niederaichbach schaut erhobenen Hauptes mit stechenden und glänzenden Augen auf den Betrachter. In modischer barocker Kleidung des Jahres 1739, mit blauem Rock, den gold verzierten Ärmelstulpen, blauer Schärpe und weißer Perücke konnte der noch ledige Franz Cajetan auch auf Brautschau gehen; denn 1741 heiratet er Eleonora von Haacke. Der Künstler hatte sich bei der Porträtierung 1739 etwas Besonderes einfallen lassen, das einen nachhaltigen Mythos über das Gemälde legte. Eine spezielle Technik und der gewölbt Untergrund sorgen dafür, dass der Aristokrat mit den Museumsbesuchern bereits im Gewölbegang Blickkontakt aufnimmt und sie bis in den ersten Raum der Sonderausstellung hinein verfolgt. Und wie wir aus den Seyboldsdorfer Nachkriegsgeschichte wissen, geschieht dies keineswegs nur bei jungen Damen:

Hunderte genossen die Stadtrundgänge zu den historischen Orten des Genusses.
Eine Gruppe am Tag des offenen Denkmals vor einem historischen Gebäude am Stadtplatz. Schon 1751 gab es hier die Gastwirtschaft Wurze. Im Jahr 1874 wird ein Martin Schmeisser als Besitzer einer Tafernwirtschaft genannt. Die beliebte Weinstube wurde 1950 geschlossen.  
 

Als Ort des Genusses hat der Sattler Michael Dauer die Situation an seiner Hauswand in der Judengasse, dem heutigen Löchl, ganz offensichtlich nicht empfunden.  Sechs Meter lang und knapp zwei Meter breit türmte sich ein Misthaufen bis unter die Fenster seiner Wohnung auf, weshalb es in den Räumen fürchterlich stank. So zog Daller im Jahr 1646 gegen seinen Nachbarn, den Bierbrauer Michael Döbl vor Gericht. Dieses ordnete einen Ortstermin an, bei dem der Beklagte auf ein seit hundert Jahren verbrieftes Recht verwies, an dieser Stelle den Dung aus seinen Ställen zu lagern. Außerdem sei in der Gasse wegen der Braustädel der Vilsbiburger Biersieder kein anderer Platz. Das Gericht entschied salomonisch: Döbl solle den Mist nicht so hoch aufhäufen, sondern öfters abfahren und ihn in der Zwischenzeit abdecken.

 

Dieser mehr als 360 Jahre zurückliegende Rechtsstreit, zu dem es einen sehr anschaulich gezeichneten Lageplan mit dem „corpus delicti" im Mittelpunkt gibt, vermittelte am Tag des offenen Denkmals einen von vielen spannenden Einblicken in das Leben im alten Vilsbiburg. Fast 400 Interessierte hatten sich zu den sechs Stadführungen eingefunden, die von Lambert Grasmann, Peter Käser und Peter Barteit durchgeführt wurden. Dabei war das Erstaunen groß über das enorme gastronomische Angebot einer Stadt, die von den Landshuter Herzögen planmäßig ‚ als Durchgangsstation auf dem Weg nach Burghausen gegründet wurde.

 

16 Bierbrauer in Visbiburg

Da wurde von Ställen für die Pferde berichtet und von Übernachtungsmöglichkeiten für die Reisenden. Wobei die Fuhrleute, was Hunger und Durst anbelangt, ihren Zugtieren in nichts nachstehen wollten. Aber auch die Vilsbiburger Bürgerschaft wusste den Gerstensaft sehr wohl zu schätzen und konnte ihre Gemütlichkeit schnell verlieren, wenn sie nicht mit genügend Bier versorgt wurde.

 

Das war beispielsweise im Oktober 1723 der Fall und laut Ratproto­koll gingen die Bierbrauer wegendieses Vergehens in Arrest. Dieser Lieferengpass verwundert ein wenig, gab es doch zu dieser Zeit noch mindestens zwölf Brauer am Ort; 100 Jahre vorher waren es gar 16 gewesen. Allerdings besaßen nur fünf von ihnen ein eigenes Brauhaus, neun Biersieder nutzten jeweils zu dritt einen Braustadel und weitere zwei betrieben zusammen eine „Kommunbrauerei".

 

Dieses gemeinschaftliche Biersieden wurde von Herzog Wilhelm von Bayern im Jahr 1513 eingeführt. Bis dahin hatte es nur einen Bierbrauer in Vilsbiburg gegeben. Das war der Verwalter in der herzoglichen Taverne im Unteren Vormarkt, dem heutigen Gasthof Schöx. Als der Herzog auf Bitten von Bürgermeister und Rat allen Bürgern von Vilsbiburg das Bierbrauen erlaubte, schränkte er, wohl wegen der Brandgefahr gleichzeitig ein, dass nur Braustadel nahe der Vils benutzt werden dürfen.

 

Auch sonst erfuhren die Teilnehmer der Stadtrundgänge viele unbekannte Details über die Orte des Genusses im alten Vilsbiburg. Dass beispielsweise im Anwesen Hammer am Stadtplatz in den 1890er-Jahren eine Weißbierbrauerei Zach ansässig war,verwunderte ebenso wie die Existenz des Federbräu um 1860 im Hause Mertel oder der Winklerbräu in der heutigen Sparkasse. „Jagab es denn früher in Vilsbiburg in jedem zweiten Haus eine Brauerei oder Gastwirtschaft?“, fragten die Teilnehmer ganz erstaunt. Die Experten des Heimatvereins konnten diese Frage nur bejahen.

 

Der „Blutsturz" des Bankiers

Geschichte und Geschichten lau­fen gerade im Bereich der Gastrono­mie immer wieder stark ineinander. So informierte man bei den Führun­gen von den Alten Bieren ebenso wie vom winterlichen Eisen auf der Vils. Auch wurden die Anekdoten rund um die Huber Hanna vom Bräu und eine aufschlussreiche Schilderung der Maria Außermeier nicht verschwiegen. Letztere hatte zu Lebzeiten erzählt, dass um 1900 in ihremElternhaus beim Schmiedwirt am Oberen Vormarkt die durchreisenden Handwerksburschen nur nackt ins Bett schlüpfen durften. Anlass für diese Maßnahme waren nicht etwa besonders lockere Sitten in der Tafernwirtschaft, sondern die verlauste und verwanzte Kleidung der Gäste.

 

Und gleich neben dem Schmied­wirt befand sich das Cafe Vogt (heu­te Konrad). Hier feierte man an Sil­vester 1909 fröhlich den Jahres­wechsel. Mit dabei auch Sanitätsrat Dr. Kastl und Bankier Xaver Hardt, dem an diesem Abend besonders der Rotwein mundete. Spät in der Nacht läutete dessen Haushälterin bei dem Arzt und berichtete schreckensbleich, ihr Chef habe einen Blutsturz erlitten. Mit wehenden Rockschößen eilte der Doktor in das Haus am Marktplatz 1. Dort fand er den Pati­enten aber keineswegs mit dem Tode ringend vor. Vielmehr hatte sich nur der überflüssige Rebensaft ein na­türliches Ventil gesucht.

 

Die vom Lehrer Richard Hagn in Versform überlieferte Begebenheit zeigt: Auch wenn besonders in der Gastronomie der Wandel das einzig Beständige ist, bleiben gewisse Abläufe doch über die Jahrhunderte hinweg immer gleich.

 

Peter Barteit

aus der Vilsbiburger Zeitung vom 17. September 2009

Das Meth-HäusI bei der Wallfahrtskirche wurde vor 175 Jahren errichtet

Das Meth-Häusl bei der Wallfahrtskirche wurde vor 175 Jahren errichtet
Vilsbiburg. Es gehört zur Berg­kirche wie die beiden Glockentür­me, das „Meth-HäusI" am rechten Treppenaufgang zur Kirche. Wenn es auch seit 2008 geschlossen ist, so gehört es untrennbar zum Gesamt­bild der Wallfahrtskirche Maria Hilf in Vilsbiburg. In seiner wechselvol­len Geschichte war es schon Kra-merladen, Raststätte und Verkaufs­platz von kirchlichen Erinnerungs­stücken – und natürlich von dem beliebten Meth.
In diesem Jahr ging ein lang ge­hegter Wunsch von Wallfahrtsdi­rektor Pater Herbert Müller in Er­füllung. Mit der notwendig gewor­denen Außenrenovierung bekam das Meth-HäusI sein früheres Gesicht wieder, Hans Kronseder und Mesner Günther Lenz stellten die alte An­sicht nach den Vorgaben des Bayeri­schen Landesamtes für Denkmal­schutz wieder her – und zwar, ohne Entgelt für ihre Arbeit zu verlangen. Auch das Baumaterial wurde von der Wallfahrtsstiftung gestellt.
Das Meth-HäusI und dessen Vor­gänger haben eine lange Geschichte Im Jahre 1734 erhielt der Lebzelter Christoph Stanislaus Kirchberger vom Kurfürsten die Genehmigung, neben der Barockkirche auf dem Kalvarienberg, dem heutigen Ma-ria-Hilf-Berg, einen Kramerladen zu errichten. 1736 wird als Betreibe­rin Anna Maria Huber, Bierbrau­erstochter von Vilsbiburg, genannt. Lebzelter Josef Frornberger kaufte 1784 den Kramerladen.
Im Jahre 1834, genau 100 Jahre nach dem Bau des „Kramerladen", wurde das heutige Meth-HäusI er­richtet. Besitzer war ab 1837 Franz Xaver Lechner, Lebzelter in Vilsbi­burg, von 1858 bis 1891 werden An­na und Christoph Lechner genannt.
Ein Jahr später wurde das Meth-HäusI verpachtet. Die erste Pächte­rin war Elise Weidinger, die mit 
„Meth-Standl-Geschäftsinhaberin" betitelt wurde und im „Vilsbiburger Anzeiger" unter anderem, auch Wachsblumen, Myrten, Diademe so­wie Maibüsche und Prangerkränze anbot.
1943 wurde das Meth-HäusI vorü­bergehend von der Nationalsozialis­tischen Volkswohlfahrt (NSV) be­schlagnahmt. Noch im selben Jahr wurde das Gebäude für vier Jahre als Wohnung vermietet. Nach er­folgter Innenrenovierung des Ge­bäudes zog 1953 das Ehepaar Karl und Maria Marx als Pächter und
Bewirtschafter in das Meth-HäusI ein. Im Jahr 1977 wurde das Meth-HäusI von der Familie Lechner der Wallfahrts-Kirchenstiftung über­eignet, aber es dauerte fünf Jahre, bis Paula Hauser als neue Pächterin das Meth-HäusI 1982 nach erfolgter Renovierung wieder eröffnete. In diesen zwei Jahren wurde letztmals in der 38 Personen fassenden Gast­stube Bier ausgeschenkt. Danach war es mit der Bewirtung von Kirchenbesuchern und Wallfahrern vorbei, ebenso mit dem Frühschop­pen der „Starnmtischler".
Ab 1984 war das Meth-HäusI nur noch an Fatima- und Wallfahrtsta­gen sowie an Marienfeiertagen ge­öffnet. An diesen Tagen verkauften Fritz und Katharina Boger irn Wall­fahrtsladen Devotionalien und tra­ditionsgemäß auch den beliebten Meth. Im Jahre 2008 schloss sich die kleine Eingangstüre zum Meth-HäusI. Die an der Frontseite des Gebäudes angebrachte Tafel mit der Aufschrift „Meth-Hausl" wirkt aber immer noch wie eine Einladung zu kurzer Rast bei Brotzeit und einem Glaserl Meth.
Franz Grötzinger
Aus der Vilsbiburger Zeitung vom 21. Oktober 2009

Der Meister des Biedermeier war in Vilsbiburg.
Carl Spitzweg, langjähriger Freund von Eduard Schleich, besuchte die Spitalkirche.

Das Original ist im Besitz der Benedikt-Auer-Stiftung. Eine Kopie dieser Zeichnung von Carl Spitzweg ist an den üblichen Öffnungszeiten des Heimatmuseums in der Spitalkirche zu sehen.
 
 
 

In Windeseile huscht der Bleistift über den Skizzenblock und bannt Landshuter Gotik in ihrer Vollendung aufs Papier. Das linke Maßwerk der Empore ist noch detailgetreu ausgeführt, ebenso der Beginn des Spitzbogens darunter. Diagonal nach rechts unten werden die Einzelheiten nur angedeutet. Möglicherweise drängt ein ungeduldiger Begleiter zur Eile oder der Zeichner setzt sich selbst unter Zeitdruck. Noch ein paar Striche, schon hat man das Gotteshaus wieder verlassen und steht auf dem saalartigen Marktplatz.

 

So ungefähr kann man sich die Szene am 8. September 1839 vorstellen, als der Meister des Biedermeier eine Stippvisite in der kleinen, intimen Kapelle macht. Und weil der Künstler zur Gewissenhaftigkeit erzogen wurde, versieht er auch dieses Fragment mit seinem Namen und der Signatur, einer liegenden, einem großen „S“ umschlungen Raute. Zu erforschen wäre allerdings noch, was den Maler aus München in den kleinen Marktflecken geführt hat. War er nur auf der Durchreise oder stattete er irgendjemandem in Vilsbiburg einen Besuch ab? War er allein unterwegs oder in Begleitung? Unwillkürlich denkt man da natürlich an den Landschaftsmaler Eduard Schleich aus Haarbach. Doch diesen wird Spitzweg erst fünf Jahre später kennenlernen.

 

 

Aus guter Familie

 

Vor genau 200 Jahren, im Februar 1808 wird er in eine großbürgerliche Münchner Familie hineingeboren. Seine Eltern betreiben in der Neuhauser Straße ein Unternehmen mit dem etwas sperrigen Firmenschild „Tuch-, Wollen-, Baumwollen-, Seiden- und Spezereiwaren, Kommission und Spedition“. Vater Simon Spitzweg ist im gesellschaftlichen Leben der Haupt- und Residenzstadt eine feste Größe. Er bekleidet das Amt eines Vorstehers des Gemeindekollegiums und ist Abgeordneter des Bayerischen Landtags. Die starke ökonomische Ausrichtung des Vaters lässt den künstlerischen Ambitionen seines Zweitgeborenen keinen Raum. Allenfalls die Mutter fördert Carls Begabung insgeheim. Der Patriarch hat bereits beschlossen: Simon, der älteste Sohn, übernimmt das Geschäft, Carl wird Apotheker und dessen drei Jahre jüngerer Bruder Eduard studiert Medizin. Wobei der geschäftstüchtige Vater im Hinterkopf hat, wie ideal sich Letztere bei ihrer Berufsausübung einmal ergänzen können.

 

 

Spitzweg wird Apotheker

 

Nachdem Widerspruch sinnlos erscheint, tritt Carl mit 12 Jahren in das Münchner Wirtschaftsgymnasium ein und beginnt fünf Jahre später in der Königlichen Hof- und Leibapotheke seine Ausbildung als Lehrling. Im Jahr 1829 geht er nach Straubing und verdingt sich in der dortigen Löwenapotheke als Gehilfe. Die dortigen beruflichen Enttäuschungen, gleicht er eine künstlerische Tätigkeit beim „Liebhabertheater“ in der Gäubodenmetropole aus. Das anschließende  Studium der Pharmazie in München schließt Spitzweg 1832 mit einem glatten Einser ab. Doch nun hat er erst einmal genug von Pillen und Salben und unternimmt eine ausgedehnte Italien-Reise. Nach der Rückkehr bezieht Spitzweg eine eigene Wohnung in der Dienerstraße und fasst während eines Kuraufenthalts den endgültigen Entschluss, Künstler zu werden.

 

 

Spitzweg der Autodidakt

 

Dabei verzichtet Spitzweg allerdings bewusst auf einen Besuch der Münchner Akademie. Die erscheint ihm unter dem schwierigen Direktor Peter von Cornelius als zu konservativ. Stattdessen sucht der junge Maler die Gesellschaft von Kunstjüngern, die dem erstarrten Akademiebetrieb den Rücken gekehrt hatten oder denen dort die Tür gewiesen wurde – wie beispielsweise Eduard Schleich. Im Jahr 1844 lernt Spitzweg den niederbayerischen Adelsspross kennen. Es ist der Beginn einer ausgedehnten Phase gemeinsamer Malreisen und einer lebenslangen Freundschaft. In den nächsten 13 Jahren besuchen sie die bayerischen Alpen, den Chiemsee, Tirol, Triest, Venedig und die renommierte Künstlerkolonie von Barbizon bei Paris, wo sie die moderne Form der realistischen Landschaftsmalerei studieren. Weitere Ziele sind Leipzig, Dresden, Berlin und immer wieder die Galerie im Schloss von Pommersfelden. Sie kommen auch nach Belgien, Holland und England. Interessant ist der Auszug aus einem Brief, den Spitzweg im August 1851 aus London an seinen Bruder Eduard richtet: „… Schleich hatte ungeheure Manschetten vor dem Seefahren und that sehr ernsthaft und einsilbig. Doch es lief alles gut ab… Nach einem derben englischen Frühstück wagten wir uns endlich zu Fuß in die Straßen, und Schleich versicherte mir, wenn er allein hier wäre, so würde er gleich heute Abend wieder abreisen.“

 

Durch die jahrzehntelange Verbindung mit Schleich entwickeln die beiden eine bahnbrechende Art der Landschaftsmalerei mit einer nahezu impressionistischen Freiheit der Naturauffassung. Was der Freund jedoch immer zu vermeiden gewusst hat, wird bis in die Mitte von Spitzwegs Schaffenszeit zu seinem Markenzeichen: die liebenswerte Darstellung des täglichen Lebens im Biedermeier. Für unzählige Beispiele stehen der Bücherwurm, der eingeschlafenene Nachtwächter und der arme Poet, eine Satire auf die Mittellosigkeit vieler Künstler. Die erzählerischen Züge in Spitzwegs Werken treten ab der Mitte des 19. Jahrhunderts mehr und mehr zurück. Mit dem armen Poeten, dem wohl bekanntesten seiner Kreationen erlebt Carl gerade im Jahr seines Besuches in Vilsbiburg eine herbe Enttäuschung. Die Jury des Münchner Kunstvereins kann sich 1839 nicht entschließen, das Bild für einen Wettbewerb anzunehmen.

 

 

Die Geisel der Cholera

 

Vielleicht liegt die Ursache seiner Reise ins beschauliche Niederbayern auch in einer Cholera-Epidemie, von der München wiederholt heimgesucht wurde. Spitzweg hat gegen die Ansteckung eine wirksame Überlebensstrategie entwickelt: Er flieht vor der Seuche. Im Winter 1873/74 wird die Hauptstadt heftiger als je von der Krankheit heimgesucht. Spitzweg zieht sich rechzeitig nach Tirol zurück und ermahnt seinen Weggefährten Eduard Schleich eindringlich, München zu verlassen. Doch dieser bekommt zu dieser Zeit gerade einen hohen Orden und bleibt. Prompt wird Schleich infiziert und stirbt am 9. Januar 1874 im Alter von nur 61 Jahren. Carl überlebt seinen Freund um elf Jahre. Gerade in dieser Zeit finden seine Arbeiten endlich die verdiente Anerkennung. Nicht über Schleichs Auszeichnung (das hätte sich der liebenswürdige Zeitgenosse nie erlaubt) sondern über seinen eigenen Michaelsorden hat Spitzweg 1865 ein Spottgedicht verfasst, das ihn auch als scharfsinnigen Dichter zeigt:
Wenn einer einen Orden kriegt,
Bei uns ist’s so der Brauch,
Sagt jeder grad zu ihm ins G’sicht:
„Verdient hätt‘ ich ihn auch!“
Wahrhaft erfreulich ist dies schon,
Es gibt ein treues Bild!
Wie hoch muss stehen die Nation,
Wo jeder sich so fühlt!
Peter Barteit
 

Seltene Secco-Malerei in der Vilsbiburger Spitalkirche
Es war eine kleine Sensation was der Restaurator an der inneren Kirchenwand der Vilsbiburger Spitalkirche freilegte: 15 einzelne Zeichen – aber für was? Dem Weltuntergang nah? Vorboten der Apokalypse?
Der Kirchenvater St. Hieronymus beschreibt um das Jahr 400 n. Chr. die „15 Vorzeichen“, wobei die Abfolge „Erster bis 15. Tag“ keine strenge zeitliche Definition darstellt.
Der Inhalt der Wandmalerei bringt zum Ausdruck, wie den Menschen des ausgehenden Mittelalters, die zum größten Teil des Lesens und Schreibens unkundig waren, die Ankündigung des Weltengerichts visuell näher gebracht wurde.
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Die Ausgrabungen in der Lerchenstraße waren hier erst am Anfang. Das Haus gehört der Familie Peter Forster, südlich der Grabungsfläche wird heute ein Neubau errichtet. BLfD, Foto: O. Braasch, Archiv-Nr. 7540/012, SW 4359-22, vom 15. 5. 1987. Freigegeben: GS 300/8707-81.
Wenn ein Vilsbiburger glaubt, seine Stadt bestehe gerade erst einmal seit circa einem Jahrtausend, so irrt er. Schon in der Jungsteinzeit, die immerhin etwa 7000 Jahre alt ist, gab es in der Lerchenstraße eine Siedlung, von der in den Jahren 1979 bis 1987 immer wieder Teilflächen ausgegraben wurden.
Auf dem Foto erkennt man die Ausgrabungen mit den ersten Flächen in der Lerchenstraße und den Arbeitern. Die dunklen Strukturen weisen auf weitere Befunde hin, die untersucht werden mußten. Durch Funde von Keramik und Feuersteinen konnten die Gruben datiert werden.

Jäger und Sammler wurden zu Bauern

Die ältesten Spuren stammen aus der späteren Linearbandkeramik um ca. 5200 v. Chr. In dieser Zeit entwickelten sich die Jäger und Sammler zu Bauern. Dazu gehörten die Herstellung von Tongefäßen, die nicht nur gebrannt wurden und damit fast wasserdicht waren, sondern auch mit gebogenen Linien und dazu passenden Einstichen verziert waren. Die feine Keramik war sehr dünnwandig und sehr hart gebrannt. Zusätzlich haben die Menschen in dieser Zeit schon sehr diffizile Werkzeuge angefertigt, z.B. sog. „Schuhleistenkeile“, Dechseln, die mit ihrer speziellen Form zur Holzbearbeitung ideal waren. Auch Ackerbau und Viehwirtschaft wurde betrieben, d.h. Schafe und Rinder wurden gehalten, aber noch nicht gezüchtet.

Immer wieder neue Kulturgruppen

Nach Aufgabe der Siedlung kamen etwa 400 Jahre später die Leute der Stichbandkeramik, die als Neuerung statt der Linienverzierung (daher der Name Linearbandkeramik) auf den Gefäßen sehr kleine Einstiche vorzogen, oft noch in der alten Formgebung der Linearbandkeramik.

Gleich darauf wohnten hier Angehörige der Gruppe Oberlauterbach, die auf der Keramik längliche Einstichen statt der kleinen Punkte vorzogen. Auch diese Siedlung wurde aus unbekannten Gründen irgendwann aufgegeben. Da es sich aber um einen sehr günstigen Platz für ein Dorf handelte – Wasser befand sich in der Nähe und der Boden war geeignet zum Beackern – kamen wiederum Menschen, diesmal soche, die der Münchshöfener Kultur zuzuordnen sind (ca. 4200 v. Chr.). Deren Keramik zeigte mit sehr hohen und zugleich hohlen Fußgefäßen ganz andere Formen. Deren Verzierungen ergaben ein vollständig das Gefäß bedeckendes Muster.

Die Vertreter der Altheimer Gruppe bildeten hier eine letzte Siedlung um 3600 v. Chr., von der allerdings nur noch Reste in zwei Gruben bestanden. Die Altheimer bevorzugten grobe und vergleichsweise unschöne, wenig verzierte Keramik.

Viele Kulturnamen aus Niederbayern

Vermutlich kennen viele Leser die Orte, nach denen diese Kulturgruppen benannt wurden. Der Name wird meist nach dem Fundplatz vergeben, wo diese Gruppen als erstes auftauchen. Da hier in Niederbayern die Jungsteinzeit sehr häufig vertreten ist, liegt es nahe, daß nach niederbayerischen Orten diese Zeitspannen benannt werden (Oberlauterbach, Altheim, Münchshöfen, Wallerfing usw.). Selbst in der Bronzezeit finden sich solche Beispiele mit der Straubinger Kultur oder der Stufe Jellenkofen.

Es wurden insgesamt etwa elf Häuser aus den unterschiedlichen Siedlungsphasen entdeckt, jedoch fand sich von keinem der vollständige Hausgrundriss. Vermutlich wurde zur Zeit der Stichbandkeramik um die Häuser ein unten spitz zulaufender Graben mit Palisaden gebaut, der zwar nur auf einer Länge von fünf Metern erhalten war, aber bestimmt der Sicherheit des Dorfes diente.

Durch den Fund verschiedener Feuersteine, die aus dem Feuersteinbergwerk bei Arnhofen bei Abensberg stammen, ist ein Handel in Richtung Norden gesichert. Allerdings ist unklar, was die alten Vilsbiburger anzubieten hatten. Vielleicht tauschten sie Einkorn und Emmer sowie Linsen und Leinsamen, deren Anbau nachgewiesen werden konnte.

Ein Leben wie vor hundert Jahren

Man darf sich die Menschen dieser Zeit getrost genauso wie einen heutigen Menschen vorstellen, nur mit einem anderen Glauben und anderen Kleidern. Aber im Prinzip hat sich zu dem Leben, das in einer bäuerlichen Gemeinschaft noch vor hundert Jahren geführt wurde, nicht viel geändert. Eine Familie lebte zusammen in einem Haus, daran anschließend befand sich der Stall für das Vieh. Das Haus bestand aus Holz, zwischen den Balken waren Flechtwände aus Ästen, die mit einem Lehm-Stroh-Gemisch beworfen wurden. Es gab in jedem Haus eine Feuerstelle, zusätzlich dazu einen größeren Ofen außerhalb der Häuser für das Brennen von Keramik für das ganze Dorf. Oft waren die Häuser von einem Zaun für das Vieh umgeben. Das Essen bestand neben Fleisch auch aus Emmer und Einkorn sowie Linen und Leinsamen. Natürlich wurden damals wie heute Beeren, Nüsse und Pilze zur Anreicherung der Nahrung gesammelt.

Aus den Ergebnissen einer Ausgrabung können viele Erkenntnisse der jeweiligen Zeit gewonnen werden, so sollten diese Untersuchungen unserer Geschichte einen höheren Stellenwert erhalten.

Dr.Cornelia Renner