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08/22/18

100 Heimatschätze

Heimatmusem Vilsbiburg - Kröninger Hafnermuseum - "Spardose
Heimatminister Albert Füracker, Stephan Priller, Vorsitzender des Heimatvereins, Annika Janssen, Museumleiterin und Kunstministerin Prof. Dr. med. Marion Kiechle prämieren 100 Heimatschätze (v.l)
Urkunde

Link zur Ausschrebung

Die Geschichte zum Heimatschatz: Welche Geschichte erzählt das Objekt? Wie ist die Verbindung zu Ort bzw. zur Region? Wie ist die Geschichte belegbar?

In der Not gespart – Der Jesendorfer „Sparrer“

In Jesendorf, einem kleinen Ort im Kröning, der bekannten Hafnergegend, wurden in den letzten 70 Jahren mehrere Münzschätze aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges entdeckt. In dieser Zeit bewogen Plünderungen und Not die Menschen dazu, ihre Besitztümer zu verbergen und zu vergraben. Aufbewahrt wurden die wertvollen Münzen in keramischen Spardosen, die wiederum in Keramikgefäße wie Henkeltöpfen doppelt gesichert waren.

Im November 1956 wurde der bislang älteste Jesendorfer Münzhort bei Straßenbauarbeiten von dem Hilfsarbeiter Lorenz Czemmel entdeckt. Der Henkeltopf, in dem sich dieSpardose befand, ging bei der Bergung leider verloren und auch die Dose als keramisches Objekt stand zunächst(natürlich) nicht im Fokus des Finders. Er sorgte dafür, dass die Münzen einer Begutachtung durch die Staatliche Münzsammlung in München zugeführt wurden. Es erwies sich, dass der Münzfund ein sehr typischer war. Das in Bayern umlaufende Kleingeld im 17. Jahrhundert kam vorwiegend aus „Bayern“ und Österreich. Ein Einkreuzerstück wies ein sehr seltenes, sogenanntes Zwittergepräge auf. Die Vorderseite wurde mit einem Stempel des Kurfürsten Maximilian I. (1597-1651) von Bayern geprägt, die Rückseite mit einem Stempel des Kurfürsten Ferdinand Maria (1651-1679). Diese Münze verblieb in der Staatlichen Münzsammlung, die anderen wurden dem Finder zurückgegeben. Insgesamt enthielt die Spardose 35 Münzen, geprägt zwischen den Jahren 1623 und 1640. Die Münze mit dem jüngsten Prägedatum, die Schlussmünze, gibt hier einen Hinweis darauf, dass die Dose bereits einige Jahre vor der akuten Gefahr durchziehender Heere vergraben wurde. Die kleine, sehr schlichte Dose weist keinerlei besonderes Dekor auf. Nur etwa fünf Zentimeter hoch ist sie, braung lasiert und mit einem Schlitz zum Münzeinwurf versehen sowie einer sogenannten Warze. Diese Warzen waren auch noch mehr als 200 Jahre später ein Markenzeichen der Kröninger Spardosen. Das Sparen von Münzen, die Bedeutung des Bargeldes überhaupt, befindet sich auf dem Rückzug. In einer Zeit, in der mit virtueller Währung spekuliert wird, reduziert sich die Spardose auf ein Sammelobjekt, fantasievolles Lernmittel für Kinder oder die Kaffeekasse im Sprechzimmer. Die bunten, oft mit technischen Zusätzen ausgestatteten Spardosen erinnern nur noch wage an die 2 Existenzen sichernden, funktionellen Dosen des Dreißigjährigen Krieges.

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